37 . NORDISCHE FILMTAGE : 
Der Norden privat 
Recht durchmischt war das Angebot an Filmen auf den 37 . Nordischen Filmtagen : Von überragend über annehmbar bis grottenschlecht . Eine Nachlese aus Lübeck . 
Frank Keil 
Betrachtet man rückblickend die Ausbeute von rund einhundert men , die sich auf den vergangenen Filmtagen um einen Verleih wie auch um einen der sechs Festivalpreise bemühten , so muß man Festivalleiterin Andrea Kunsemüller mit ihrer Einschätzung recht geben : viele der vorgestellten nen thematisierten nur vordergründig vates . Bei genauerem Hinsehen selten sich individuelle Handlungen als Reaktionen auf gesellschaftliche heit , zunächst private Liebesgeschichten entpuppten sich als Resultate schwieriger politischer Verhältnisse . In dem krönten Jugendfilm Belma etwa des nen Lars Hesselholdt , einer behutsamen Liebesgeschichte eines dänischen terbesessenen Jugendlichen und eines nischen Mädchens , das auf einem lingsschiff im Kopenhagener Hafen lebt ; verfilmt ohne falsches Pathos und pädago - gisch - erhobenem Zeigefinger , und mit fenem Ende . Der Krieg im ehemaligen goslawien bildete auch den Hintergrund des herausragenden Dokumentarfilms Die Hochzeit der Schweden Haokan Pienows - ki und Karl Olov Larsson . Die Hochzeit erzählt von der Liebe Munirs aus Sarajevo zu Jessica aus Örebro . Doch die Hochzeit wird Monat um Monat verschoben , dann endgültig ausgesetzt . Zu trennend sind die kulturellen Hintergründe der beiden benden , ihre gegenseitigen Vorstellungen von der Rolle des Mannes , der Rolle der Frau , der Funktion der Familie . All’ das mit der Kamera auf eine verlegene und beabsichtigt direkte Art eingefangen , so daß die Zuschauer immer weiter in ihren Sitzen versanken ob der traurig - tragischen Verstrickung , aus der sich die beiden 
benden so lange nicht zu lösen vermögen . Erwähnt werden muß auch der Film Tino des Dokumentarteams Hirvanen / Laka - nen ; ein anrührendes Portrait eines Punks aus Helsinki , der eben noch in der sten Reihe einer gewalttäigen tion zu sehen ist , sich kurz darauf einem 
Igel widmet und sich zwischen seinen Konzertauftritten nach einem ganz ren Leben irgendwo in der Natur sehnt . 
Verzweifelt allemal die Lage der macher in den baltischen Ländern . Nun , wo man ohne staatliche Zensur seine beit aufnehmen könnte , fehlt das Geld , um Themen und Ideen auch filmerisch setzen . In Lettland etwa sorgte der menbruch der „ Baltija“ - Bank eben nicht 
nur für innenpolitische Erschütterung , er legte zugleich die heimische on von einem auf den anderen Tag lahm . Entsprechend war Lettland nicht , Litauen zumindest mit einer Handvoll Kurz - und Dokumentarfilme vertreten . Einzig aus Estland hatte ein abendfüllender Spielfilm den Weg nach Lübeck gefunden . wasser von Hardi Vollmer führt zurück ins gerade unabhängig gewordene Estland der zwanziger Jahre . Protagonisten sind ein Schnapsschmuggler und ein Grenzpolizist , die gegen einander kämpfen , während ihre Arbeitgeber im Hintergrund längst menarbeiten , noch dazu steht zwischen nen eine natürlich schöne Frau . ser läßt sich mit etwas gutem Willen als eine Parabel auf die heutigen Zustände entziffern , ein erneuter Diskurs über die Unmoral der Politik und die Hilflosigkeit des Einzelnen , was die dramaturgischen Schwächen und die einfallslose derreihung von noch dazu harmlosen tion - Szenen nicht wettmacht . 
Womit wir bei den Spielfilmen wären . Enttäuschung des Festivals war ten Cold Fever von Friörik Pör Friöriks - son . Erneut ein road movie , in dem Friö - riksson diesmal den durch Jim Jarmuschs Mystery Train bekanntgewordenen Masa - toshi Nagase durch das winterliche Island schickt . Der Japaner möchte eine feier für seine Eltern abhalten , die vor ren im unwegsamen Inland mit dem 
Kaiser Rastino in Bittersweet 
Nr . 4 , 1995 
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