KULTUR 
OLSEN - BANDE : 
Erik , 
mächtig gewaltig 
ln Dänemark wird in diesen Tagen ein Komödiant 71 Jahre alt , der stets hinter seinen Filmen zurücktrat , für die er Drehbücher schrieb und / oder Regie führte . Erik Balling kondensierte aus der dänischen hyggelighed und seiner offensichtlich scharfen Beobachtungsgabe die international erfolgreiche , wenn auch glücklose Olsen - Bande . 
Claudia Beindorf 
Als Geburtstagsständchen hat Erik Balling etwas ganz Besonderes verdient : Zum Beispiel Frederik Kuhlaus Ouvertüre zu Johan Ludvig Hei - bergs Elverhoj , besser bekannt als die nische Königshymne . Zu diesem Werk muß Balling in einem ganz besonderen Verhältnis stehen , denn seine Regie im vielleicht berühmtesten Showdown der dänischen Filmgeschichte wäre ohne eben diese Hymne nie so entstanden . Forte und fortissimo bestimmen den Rhythmus der Musik im Kopenhagener Det Kongelige Teater ebenso wie den Ablauf von Egon Olsens Inszenierung unter der Bühne : während die Bande die Trenn - und Schutzwände der verfeindeten Sparten der darstellenden Künste durchbricht , immer Takt und Lautstärke der Musik tend , dringt sie zu ihrem kostbaren Ziel , einer chinesischen Vase , vor - nur , damit diese aus den Händen von Borges ter fallen und zerspringen kann . Doch das Objekt der Anstrengungen ist unwichtig gegenüber dem genialischen Wie des Coups . 
Kaum ein Genre ist schwerer zu tigen als Komödien , die - positiven - genbilder der Realität . Wenn diese gar in Serie produziert werden , ist die Gefahr , ins Platte und Einfallslose abzugleiten , fast 
Claudia Beindorf ist Skandinavistin am Nordeuropa - Institut der boldt - Universität zu Berlin . 
unausweichlich . Die Zeit der großen Stummfilmkomödien mit ihren Slapstick - Einlagen ist lange vorbei , ebenso die Ära der wortgewaltigen Screwball - Comedies der amerikanischen vierziger Jahre . 
Dennoch zeitlos sind da die Olsen - Ban - de - Filme Erik Ballings : Zwischen 1968 und 1981 entstanden dreizehn Folgen mit den Coups und Fährnissen von Egon sen ( Ove Sprogoe ) , Benny ( Morten Grun - wald ) , Kjeld ( Poul Bundgaard ) und deren Verwandt - und Bekanntschaft . Die Filme waren so erfolgreich , daß mit deren künften sogar für zehn Millionen Kronen das Paladsteatret modernisiert werden konnte . Zu dieser Zeit war Balling längst ein erfahrener Produzent , Regisseur und Drehbuchautor . Seit den vierziger Jahren arbeitete er für den dänischen Film , 1946 wurde Balling fest von der Nordisk Films Kompagni angestellt und 1954 dort duktionschef . 1956 inszenierte er den sten dänischen Film : Kipsus , in dem auch der spätere Egon - Olsen - Darsteller wirkte . Balling arbeitete unter anderem mit Klaus Rifbjerg zusammen und schrieb in verschiedenen Blättern Aufsätze zum Film . 1969 veröffentlichte er seine nik Folkelig film ? 
Wenn in diesem Falle folkelig mit im besten Sinne volkstümlich übersetzt wird , so trifft das genau auf Ballings ste Werke zu : Die Olsen - Bande wurde aufgrund ihres Publikumserfolgs sogar zur Serie . Inhaltliche Widersprüche , die 
auf schließen lassen , daß zu Beginn die Fortsetzungen nicht geplant waren , finden sich jedoch kaum . Kjeld und Yvonne ten im ersten Film neben Borge auch noch zwei weitere Kinder , und Benny war mit einer Ulla verlobt und wurde Vater . Im übrigen konnten die Zuschauer das wegte Leben dieser schrecklich netten sen - Familie aus dem dänischen gertum besser als das der nächsten Nachbarn mitverfolgen , sehen , wie die Iünder heranwachsen und wie die wachsenen ihre Vorlieben und gen entwickeln und pflegen . Auch als dedokument der damaligen Jahre sind diese Filme nicht zu verachten - Yvonne trug bis zu ihrer Silberhochzeit im schluß an den letzten , dreizehnten Film gern gewagte Kleider , die ihre Reize teilhaft betonten . In Norwegen wurden gene Versionen gedreht , und in Schweden gab es eine Filmreihe mit direkten hen aus Figurenkonstellationen und Plot des dänischen Originals . 
So kam es auch , daß die mächtig tige , aber niemals gewalttätige Olsen - de das gleiche Schicksal ereilte wie lange zuvor den englischen Detektiv Holmes : man durfte sich nicht zur Ruhe setzen , denn das Publikum war nicht bereit , auf die liebgewonnenen Bekannten und auf deren um soviel turbulenteres Leben als das eigene zu verzichten . So mußten Egon Olsen & Bande in einem siebten Film von Mallorca aus ihrem solide finanzierten Vorruhestand nach Dänemark ren , weil sie das angenehme Leben dort nicht ertrugen . Erst im dreizehnten Film wird Egon endgültig ( ? ) in eine sche Anstalt eingewiesen , während die deren von nun an ihren wohl - und verdienten Wohlstand genießen dürfen . 
Auch wenn Erik Balling nicht mehr im Filmgeschäft aktiv ist , werden seine Filme , wieder besonders die Olsen - Banden - Fol - gen , regelmäßig vom Fernsehen gesendet . Gerade die DEFA - Synchronisation lockt auch Fernseh - Abstinenzler vor den schirm und ruft inzwischen ein ( lich ironisch gebrochenes ) Ja - damals - Ge - fühl hervor . Man amüsiert sich und fühlt sich den Figuren doch auf unbestimmte Weise verwandt und vertraut . Die Fan - meinde von Balling ist , auch wenn sie nen Namen nicht kennt , groß und wächst mit jeder neuen Generation an um die , die ebenfalls mit der Olsen - Bande schaft schließen . ■
	        

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