KULTUR 
KOPENHAGEN 1996 : 
Im Zeichen Hamlets 
Seit vier Jahren bereitet sich Kopenhagen auf seine Rolle als zwölfte Kulturhauptstadt Europas vor . Die Stadt , so die nung , wird ein Jahr lang das ( kulturelle ) Interesse der schen Nachbarn auf sich lenken . In der dänischen Öffentlichkeit ist die große Begeisterung für das Veranstaltungsprogramm her allerdings ausgeblieben . 
Sigrün Davidsdóttir 
Die Vorbereitungen auf das relle Großereignis begannen im Januar 1992 mit der Gründung nes Fonds und der Einrichtung des grammsekretariats . Zum Generalsekretär wurde der Engländer Trevor Davis fen , der seit langem in Dänemark lebt und sich als Leiter zahlreicher tungen einen Namen gemacht hat . 
Der erste Programmentwurf erschien im Mai 1993 und verdeutlichte die Intention : Das Jahr der Kulturhauptstadt soll der Förderung des Kulturlebens dienen , und zwar nicht nur im Programmjahr selbst , sondern auch davor und danach . Und es soll für jeden etwas dabei sein . 
Aufgenommen wurde der plan ganz im Geiste Hamlets - mit ten Zweifeln und schwersten Bedenken . Monatelang tobten die Debatten durch die Medien , mit dem durchgängigen nor , daß alles wieder mal typisch nisch sei , nämlich zum Scheitern teilt . Einige Stimmen meinten , man solle sich schon mal darauf vorbereiten , im Ausland seine Nationalität zu chen , denn als Däne werde man mit cherheit zum Gespött der kulturellen Weltelite , wenn sich vor aller Augen die ganze Provinzialität der dänischen tur offenbare . 
Sigrün Davidsdöttir ist Korrespondentin der isländischen Tageszeitung Morgun - blaöiö in Kopenhagen . 
Das erste konkrete Projekt , die fähre Kronborg , versuchte man mit scher Ironie und beißender Kritik zu Fall zu bringen . Die nachtblaue Farbe war nach Meinung der Kritiker völlig falsch , da sie eine düstere Kulturauffassung lisiere . Das Fährschiff soll nicht nur mit Ausstellungen und anderen ten an Bord in dänischen Gewässern kreuzen , sondern auch den Rahmen für PR - Aktionen im übrigen Europa bieten , mit denen für die Kulturhauptstadt penhagen geworben werden soll . 
K0BENHAVN 
EUROPAlISK kultu 
Aber die Hamlet - Phase ist wohl schen überstanden . Nach dem entwurf vom letzten Jahr und einem ren im April dieses Jahres scheinen die Zweifler ihre Befürchtungen zu den Akten gelegt zu haben . Vielleicht sind sie es auch nur müde , ihre Zweifel in aller keit auszubreiten . Jedenfalls sind die 
schen Stimmen sehr viel leiser geworden , wenn auch die große Begeisterung hin auf sich warten läßt . Und über die nachtblaue Farbe der Kronborg regt sich auch niemand mehr auf . 
Das große Kulturereignis sollte auch laß sein , um endlich einige seit langem wünschte Bauprojekte zu beginnen . Die Tatsache , daß nicht alle rechtzeitig gestellt werden können , wurde mit schen Bemerkungen über „ te Ambitionen“ kommentiert und gab der Kritik am Gesamtprojekt neue Nahrung , obwohl sich die Bauvorhaben dem flußbereich der Kulturhauptstadt - Planung entziehen . 
Neue Bauprojekte 
Ein neues Museum , Museet for ne Kunst , wird südlich von Kopenhagen im Strandpark errichtet . Es wurde von nem jungen dänischen Architekten worfen und soll im Frühjahr seine Tore mitten einer sehr interessanten Umgebung öffnen . Ebenfalls im nächsten Jahr wird die Ny Carlsberg Glyptoteket einen bau einweihen . In einem restaurierten bäude im Zentrum eröffnet ein neues Filmhaus , und zwei zentrale Plätze in der Stadt , Rädhuspladsen und Hojbro Plads , werden umgestaltet . 
Geplant war ursprünglich auch , daß der Ausbau von Statens Museum for Kunst und Det Kongelige Bibliotek im nächsten Jahr abgeschlossen sein sollte , doch die Erweiterungen waren sehr umstritten , und nun werden die Arbeiten erst im auffolgenden Jahr beginnen . 
Ein Projekt , das aller sicht nach nicht verwirklicht wird , ist das neue Musikhaus , das Kopenhagen so bitter nötig hat . Man hatte schon ein stück am Hafen gefunden und die Pläne für das Gebäude nen lassen , aber der vorgesehene Standort gefiel dem Architekten nicht . Er würde das Haus am liebsten auf einem anderen Grundstück errichten , und da auch andere dies lieber sehen würden , ruht das Vorhaben nun , bis die Entscheidung für den endgültigen Standort gefallen ist . Die Stadt hätte außerdem auch einen guten siksaal für die so zahlreich geplanten Kammerkonzerte im nächsten Jahr nötig . 
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