PRESS ESCH AU 
frankhirterRundschau 
17 . November 1995 
Zuckerbrot 
Es gibt eine dänische Schulklasse , an deren Inventar die Schüler ihre Zerstörungswut auszulassen pflegten , bis ihnen der tor einen Handel vorschlug : Ihr laßt liar und Wände in Ruhe , und ich zahle das Geld , das ich dadurch spare , in die senkasse . Für eine coole Party oder eine Reise . Das funkte . So sauber blitzte kein anderes Klassenzimmer . Mit Zuckerbrot läßt sich eben einiges erreichen . Und so macht das Beispiel aus der Schule nun Schule . 
Sören Hansen , der verkehrspolitische Sprecher der dänischen Sozialdemokraten , will nun auch gesetzestreue Autofahrer lohnen . Denn die Strafen , die die Polizei von Rasern und Rotsündem kassiert , fen offensichtlich nichts . Wie wäre es da , fragt Hansen , wenn man einen Teil der Bußgelder wieder zurückzahlen würde , an die Braven ? Bei ihren Stichproben sollte die Polizei nicht nur die Fahrer von lauben und Glatzenreifen notieren , dern auch die mit verkehrstüchtigen sen . Und in die Radarfallen sollten nicht nur die Flitzer tappen , auch der , der 80 fährt wo 80 gilt . Die Namen der rer kämen dann in eine große Trommel , aus der einmal im Monat einer öffentlich gezogen würde und ein Geschenk bekäme für sein Wohlverhalten . So weit Hansen . Der Vorschlag hat natürlich seine Tücken . Wer garantiert , daß der Ausgezeichnete nicht mit einer Alko - Fahne am Steuer saß , als er an der Radarfalle vorbeischlich ? Der Autofreak , dessen Reifenprofil lobend merkt wird , mag im Alltagsverkehr ein Rowdy sein . Und so manchem gern - Schumi wäre es wohl sogar peinlich , als Langsamfahrer entlarvt zu werden , nur weil er zufällig den Bleifuß vom Gaspedal nahm , als ihn die Kamera blitzte . 
Trotzdem : die Methode hat Zukunft . Man könnte auch das von der Polizei schlagnahmte Diebesgut unter all denen verlosen , die nicht gestohlen haben . Oder zumindest nicht erwischt wurden . 
Auch in der Politik könnte das Modell Anwendung finden . NATO - Generalsekretär wird , wer glaubhaft machen kann , daß er 
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noch nie mit Hubschraubern zu tun hatte . Wer das Schreiben von Tagebüchern läßt , macht in der EU - Kommission Karriere . Und wer noch nie laut was Schlechtes über Scharping sagte , wird nächster SPD - Kanzler - kandidat . Gell , Oskar ? Oder ist das nicht Zuckerbrot genug für so viel Wohlverhalten ? 
Hannes Camillschess 
29 . August 1995 
MGEIS WHITER . 
Roskilde , die Nazis und die gewöhnlichen Leute 
Alles fing nach dem seit Jahrzehnten gespielten Muster an : Von Deutschland , Schweden , Norwegen , England und mark kam der Nazipöbel ( insgesamt nicht mehr als 140 Personen , aber immerhin ) und formierte sich mit dänischen flaggen und dem Danebrog zu einem Zug vom Wikingerschiffmuseum hin zu dem Gefängnis , wo bis vor kurzem der nische Naziführer Gary Lauck einsaß . 
„ Rudolf Hess - Märtyrer für den den“ skandieren die dänischen Nazis . Sie werden von Deutschen gefolgt , die „ tyrer für Deutschland - Rudolf Hess“ fen . Der dänische Führer Jonni Hansen , ein bizarrer , sehr bleicher und ger dänischer Junge und sein deutscher Kollege Friedhelm Busse , der die ne Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei leitet , gehen ganz vorne unter den kreuzen . Hinter ihnen zwei Trommler und dann eine Reihe junger Männer in weißen Hemden und schmückten Armbinden in rot und weiß . 
Es tritt das ein , was viele Schaulustige herbeibewegt hat : An einer zung stürmen die Autonomen vor und werfen Steine , Flaschen und körper . Das Szenario wirkt wohlbekannt , auch die Polizei weiß , was von ihr erwartet wird ; zwei Stunden später liegen vierzig junge Anarchisten in Plastikhandschellen auf den Bürgersteigen . Das Spruchband „ No Fucking Fascists“ weht noch über dem Parkplatz . 
Dann passiert das , was niemand erwartet hat . Flanierende , sonnenbadende , fende oder arbeitende Roskilder formieren sich gegen die Nazis . Der eine oder andere 
ruft vorsichtig , die Nazis sollten aus der Stadt verschwinden . Einige beginnen auf deutsch zu singen „ Deutschland , land , alles ist vorbei“ . Die Nazis scheint das zunächst nur anzuspomen und dazu zu bringen , ihre Lieder immer lauter zu singen . Der dänische Führer lädt seine Anhänger gerade noch zu Wasser in Glasflaschen ein , bevor sich die Lage zuspitzt . Erst wirft ner , dann werfen mehrere junge Nazis ihre Flaschen auf die wütenden Roskilder . 
Die Autonomen sind weg , die sten in Polizeigewahrsam . Ein einzelner zialist steht mit einem Plakat da , auf dem die internationalen Sozialisten vor der fahr von rechts warnen . Aber jetzt ist es die Bevölkerung Roskildes , die die Nazis meinsam angreift : „ Ins Meer mit ihnen ! “ ruft jemand . Die Nazis fliehen panisch und der dänische Führer kommt nicht dazu , ne Rede zu halten . Die Busse und Autos der Nazis werden mit Steinen beworfen , re Windschutzscheiben gehen zu Bruch . 
Als die Nazis aus Roskilde geflohen sind , stehen viele Menschen weiter herum und unterhalten sich , beinahe mit einer Art Stolz über das , was passiert ist . Nur die Polizei ist bekümmert . Alle Pläne sind über den fen geworfen , „ Krawalle“ gab es trotz der Ausschaltung der Autonomen ! Und die zei definiert ihren Mißerfolg genau so : „ Wir haben die Autonomen in Handschellen setzt , aber was hilft das , wenn sich „ die malbürger“ einmischen ? “ 
Vielleicht markiert dieser Tag in Roskilde - jedenfalls für Dänemark - einen Wendepunkt : Demonstrationen und nen sind kein vorhersagbares , kein eingeübtes und harmloses Schauspiel mehr . Wenn sich „ gewöhnliche Leute“ genötigt fühlen , greifen , werden die Nazis von heute vielleicht einsehen , daß Straßen und Plätze nicht verständlich ihre Bühne sind . 
Thomas Nydahl 
23 . 8 . 1995 
Ein Traum von Stille und Allemansrätt 
„ Es sind mittlerweile zu viele Deutsche hier . Leider . Viel zu viele“ , findet Inge Wybieralski . Sie sagt das auf Deutsch . 
„ Es macht keinen Spaß , wenn man überall auf Deutsche stößt“ , meint sie . „ Scheußlich“ , stimmt ihr Ehegatte Heinz Riegel ein . 
„ Vor vier Jahren gab es nur vier sche hier in der Gegend . Da hatten wir 
NORDEUROPA 
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