Full text: (1995)

SCHWEDISCHER RÜSTUNGSEXPORT : 
Waffen aus dem Baukasten 
Das Dictum der schwedischen Neutralitätspolitik erodiert hends . Nicht nur , daß Schweden die Zusammenarbeit in schen Kooperationen erwägt . Auch der Export von Waffen oder Waffenteilen in Krisengebiete ist längst kein Tabu mehr . 
Björn Hagelin 
In den letzten Jahren hat sich die schwedische Außen - und politik dramatisch verändert . Die Neutralitätsrolle im Falle eines ropäischen Konfliktes steht heute in der zweiten Reihe hinter einer primär euro - zentristischen Ausrichtung . 1993 te sich Schweden erstmals an einem tenmanöver in der Ostsee , und im März 1994 führten - ebenfalls zum ersten Mal - dänische NATO - Luftwaffen - und einheiten gemeinsam mit schwedischen Truppen ein Manöver in Schweden durch . Der Beitritt zur EU und die sendung von Beobachtern an die WEU unterstreichen diesen Kurs . 
Seit dem Ende des Kalten Krieges steht Schweden unter einem starken schen Druck . Der Wunsch , den hohen Standard der einheimischen strie zu halten , steht immer noch auf der politischen Tagesordnung . Gleichzeitig wird aber die industrielle Basis kleiner und spezialisierter . Kurzfristige Lösungen beinhalten eine Fortsetzung des Exportes von „ Kriegsmaterial“ ( so die offizielle schwedische Bezeichnung ) . Gleichzeitig ist jedoch eine steigende Verknüpfung mit der internationalen Forschung und wicklung im militär - industriellen Bereich zu beobachten . 
Björn Hagelin ist Wissenschaftler am Department of Peace and Conflict arch der Universität in Uppsala . 
Ein neuer Abschnitt begann für dens Waffenexportpolitik im Januar 1993 , als die bürgerlich - liberale rung unter Carl Bildt die gegenwärtige Waffenexportpolitik etablierte . Bereits seit 1992 lag ein Gesetzentwurf der Regierung vor , in dem die Grundsätze für eine schwedische Beteiligung an der tionalen Forschung und Entwicklung im Rüstungssektor erläutert wurde . Die nehmende internationale Verknüpfung in diesem Sektor kann als neuer Military dustrial Complex ( MIC ) bezeichnet den , in dem nationale Forschungs - und Entwicklungsprojekte miteinander diniert , zukünftige Projekte Umrissen und ausländische Märkte geschaffen werden . Ein gängiges Argument der Befürworter schwedischer Aktivitäten im MIC sind , daß Exporte notwendig sind , um sche Potentiale zu erhalten . Somit spielen internationale Bedingungen eine stens genauso wichtige Rolle wie die ländische Situation , wenn es darum geht , über die Zukunft des schwedischen stungssektors zu entscheiden . Diesem teil schließen sich sich sowohl die strie als auch ein Großteil der Gewerkschaften an . 
Die in diesem Sinne handelnde neue Politik stellt somit eine wichtige Zäsur dar : Die Bedeutung internationaler operation wird nicht länger unter den Teppich gekehrt . Sie wird sogar als teil präsentiert . Der schwedische zeughersteller Saab erklärt heutzutage in 
aller Öffentlichkeit , daß der neue , tige JAS 39 Gn'pen - Kampfjäger ein „ zellentes Beispiel für die internationale Arbeitsteilung“ ist . Fast über Nacht wurde der Verteidigungssektor zu einem tionalen Industriesektor . 
Die traditionelle schwedische politik betonte die Unabhängigkeit und Universalität der militär - industriellen sis . Dagegen wurden keine formalen litärischen Importrestriktionen aufgestellt . Die Folge ist : Obwohl 70 Prozent des litärischen Gesamtwertes in Schweden entwickelt und / oder hergestellt werden , ist dennoch vieles von ausländischen novationen abhängig . Eine der wichtigen Angestelltengewerkschaften Schwedens formuliert aufgrund dieses hanges , daß bei der Genehmigung von militärischen Importen aus einem stimmten Land auch Verkäufe an dieses Land möglich sein sollen . 
Diese Exportproblematik ist in erster Linie vom Charakter des zu den Materiales abhängig . Im chen unterscheidet man zwei Kategorien von Kriegsmaterial , deren Unterteilung einem funktionalen Kriterium basiert . Dieses Kriterium unterscheidet zwischen Material mit destruktiver Wirkung ( wie Raketen , Bomben , Granaten und fensysteme - kurz : Waffen im engeren Sinne ) und Material ohne destruktive Wirkung , das jedoch aufgrund seiner Konstruktion und Eigenschaften falls zur militärischen Ausrüstung gehört . Beispiele sind spezielle Radio - und kommunikationsgeräte , elektronisches Zubehör , unbewaffnete Fahrzeuge und Sicherheitsausrüstungen . 
Seit 1993 wurde mehr Kriegsmaterial denn je in die nicht - destruktive rie eingeordnet . Da Material dieser gorie weniger restriktiven len unterliegt , ist wohl kaum erstaunlich , daß sich unter den neun neuen materialempfängern der Jahre 1993 und 1994 auch fünf Länder aus dem ren Osten befanden - ein Gebiet , das lang für schwedische Waffenexporte tabu war . 
Die Kategorisierung von Kriegsmaterial in destruktives und nicht - destruktives Material soll angeblich eine Anpassung an die neue europäische Realität sein . Was in der Exportpolitik als al definiert wird , wird sich in der Zukunft in Verbindung mit technologischen Ent - 
Nr . 3 , 1995 
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