Full text: (1995)

Norwegen abschiedet sich 
Das norwegische NEIN zur EU - Mitgliedschaft wird von manchen politischen Kommentatoren als Ausstieg aus dem len Engagement aufgefaßt . Der folgende Beitrag erschien ursprünglich in Aftenposten vom 28 . 3 . 1995 und löste in gen eine erhitzte Debatte aus . 
GEFÄHRLICHE ISOLATION : 
Nils Morten Udgaard 
Einige Monate sind ins Land gen , seitdem Norwegen die EU - Mitgliedschaft ablehnte . Die rung ist voll damit beschäftigt , die Nachteile für das Land einzudämmen . Die Welt jedoch geht unabhängig davon ihren Gang und konzentriert sich auf ihre nen Probleme . Wir sollten uns fragen , ob wir wirklich begriffen haben , wie schnell und brutal sich innerhalb dieser kurzen Zeit die Position Norwegens auf dem ternationalen Parkett verändert hat . Einen solchen Abrutsch außenpolitischen flusses in Friedenszeiten hat Norwegen noch nie erlebt . Jetzt sind wir auf uns selbst gestellt , wenn es darum geht , diese Talfahrt zu bremsen . Gleichzeitig stehen wir vor einem Paradox : Während wir diese dramatische Situation erleben , engagiert sich Norwegen mehr denn je bei der sung von Konflikten in der Feme . Unsere Diplomaten sind ständig auf Achse und versuchen , die Probleme anderer zu lösen . 
Einige Veränderungen wurden sofort nach dem Referendum sichtbar : In hington mußten norwegische Diplomaten am Morgen nach dem Volksentscheid alle neun Arbeitsgruppen verlassen , die die EU - Mitgliedsländer für wichtige Fragen der Zusammenarbeit über den Atlantik 
Nils Morten Udgaard ist Chef des landsressorts bei derOsloer tung Aftenposten . 
hin errichtet hatten . In der gleichen Nacht versiegte auch der Strom von grammen , der eine Weile lang über das Kommunikationsnetz der EU direkt im Außenministerium eingegangen war . mit fiel nicht nur der Austausch der schen Information weg , sondern auch die Möglichkeit Norwegens , an der laufenden Koordinierung der Politik in nahezu allen Bereichen in diesem Teil der Welt nehmen . Die Norweger mußten nach und nach in den verschiedenen Hauptstädten von den jeweiligen EU - Kontaktstellen Abschied nehmen . Das Leben dort wird nun ohne Norwegen weitergehen . gische Politiker und Diplomaten stellen inzwischen fest , daß das Interesse an Norwegen abnimmt . Der Faktor Zeit spielt ständig eine entscheidende Rolle , wenn politische Beschlüsse gefaßt den . In dem Zusammenhang liegt es in der Natur der Sache , daß norwegische Auffassungen hintenangestellt werden . 
Informationsquellen versiegt 
Andere Veränderungen haben sich nach und nach gezeigt , vor allem im den . Während des Kalten Krieges wurde Norwegen als aktives und relativ ges NATO - Land angesehen . Das war im historischen Zusammenhang eine wöhnliche Situation . Dänemark war seinerzeit mit den eigenen Fußnoten in 
der NATO beschäftigt . Schweden hatte von den Industrieländern Abschied nommen , um mit den bündnisfreien dern in der Dritten Welt beiten . Finnland hingegen tanzte in tracht des riesigen Nachbarn im Osten einen wahren Seiltanz . Heute stehen wir vor einer völlig neuen Situation . Jetzt findet sich Norwegen in einer Sonderrolle draußen vor der Tür , und zwar sam mit Island . Die anderen nordischen Nachbarn engagieren sich im Zentrum europäischer Politik . Das Schlüsselwort heißt „ Politik“ . 
Es besteht nämlich kein Zweifel daran , daß es der norwegischen Regierung im Laufe von ein paar Wintermonaten gen ist , den Rahmen für das neue nis zu „ den 15“ in der EU abzustecken . Das , was sich jetzt abzeichnet , spiegelt das Ergebnis des Referendums wider , und insofern auch das Schlagwort der EU - Gegner : „ Ja zu Europa , - Nein zur on“ . 
Norwegen ist fast überall dabei . Wir werden uns voraussichtlich sogar am Schengener Abkommen beteiligen und werden die EU - Außengrenze vom tik im Westen bis zur russischen Grenze im Nordosten bewachen . Die zung ist , daß die EU dem zustimmt . 
Dabei und doch nicht dabei . . . 
Die Forschungszusammenarbeit geht im großen und ganzen so weiter wie her . Norwegen ist assoziiertes Mitglied der Westeuropäischen Union ( WEU ) und hat hierfür Truppen eingeplant . In der WEU können wir an einer Reihe von cherheitspolitischen Gesprächen men . Außerdem treffen wir die meisten EU - Länder im Rahmen der NATO . Die uns besonders interessierenden nien sind in das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum ( EWR ) übernommen worden . Hier ist Norwegen dabei . Der EWR schafft die gen für eine enge wirtschaftliche menarbeit zwischen EU und Rest - EFTA . Die beiden Bereiche , die in Norwegen im Verlauf des EU - Streits Probleme sachten , nämlich Landwirtschaft und scherei , sind aus dem EWR mert . In ferner Zukunft besteht sogar die Möglichkeit , daß die norwegische Krone beim europäischen Währungssystem dabeisein wird . 
Nr . 3 , 1995 
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