Full text: (1995)

SCHWEDISCHE PRESSE : 
Sovjet - Tyskland 
Die Sowjetische Besatzungszone spielte in der schwedischen Presse kein Mauerblümchen - Dasein . doch die Wiedergabe der Ereignisse im Osten Deutschlands ist äußerst differenziert . 
Die Untersuchung , eine 1993 von der Universität angenommene tion , werden nicht nur diejenigen mit winn lesen , die sich über den Widerhall der Sowjetischen Besatzungszone ( SBZ ) in der schwedischen Tagespresse mieren wollen ; die zur historischen le gewordenen Pressebeiträge sind ebenso für diejenigen von Belang , die sich mit der Vorgeschichte der DDR beschäftigen . Henrike Girmond geht es „ nicht darum , wie oft bestimmte Themen , Worte oder Symbole in den schwedischen Zeitungen im Zusammenhang mit der Darstellung der SBZ verwendet wurden oder wie die Artikel präsentiert bzw . plaziert waren , sondern ob die SBZ überhaupt nommen wurde , wie sie rezipiert wurde , ob sich die Einstellung und die Tonlage im Laufe der fünf Jahre veränderten , und wenn ja , warum eine Veränderung fand“ ( S . 19 ) . Dabei wird ihr Zugriff vom „ heutigen Forschungsstand zur te der SBZ / DDR“ ( S . 21 ) bestimmt . Vier Stockholmer Morgenzeitungen , die nungsbildend agierten und weit über die schwedische Hauptstadt hinaus tiert wurden , dienen als Folie einer „ litativen Textanalyse“ : die liberale Dagens Nyheter ( DN ) , das konservative Svenska Dagbladet ( SvD ) , die sche Morgon - Tidningen ( MT ) sowie der kommunistische Ny Dag ( NyD ) . 
Henrike Girmond 
„ Sovjet - Tyskland“ . Die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands im Spiegel der schwedischen Presse 1945 - 1949 
( Europäische Hochschulschriften ; he 3 , Geschichte und ihre schaften , Bd . 614 ) 
Frankfurt am Main et . al . : 
Peter Lang , 1994 361 S „ DM 95 , - 
Die Studie gliedert sich in zwei Teile , die von einer Einleitung und einer sammenfassung verklammert werden . Im ersten und kürzesten Teil beschreibt die Autorin die Politik und das Pressesystem Schwedens . Der zweite , sechs Kapitel umfassende Teil geht dann in medias res . Er beginnt mit der Einstellung der dischen Presse gegenüber Deutschland und den Deutschen nach 1945 , setzt sich als nächstes mit der Sowjetunion als satzungsmacht auseinander , beschreibt die politischen , wirtschaftlichen und turellen Entwicklungen der SBZ bis zur DDR - Gründung und untersucht lich die Beziehungen zwischen Schweden und der SBZ . 
Girmonds Fazit lautet , daß die SBZ in den untersuchten schwedischen zeitungen kein „ Mauerblümchen - sein“ geführt habe . Bei der Durchsicht der rund 6 . 580 Ausgaben , die die mit Ausnahme des NyD siebenmal pro che erschienenen vier Zeitungen schen dem 1 . Mai 1945 und dem 31 . zember 1949 produzierten , ergab sich ein Konvolut von 2 . 695 Artikeln , die sich in irgendeiner Weise mit der SBZ befaßt haben ( S . 336 ) . Diese intensive Wahrnehmung ist durchaus schend , das Bild freilich , das liberale , konservative und sozialdemokratische Presse auf der einen und sche Presse auf der anderen Seite neten , war höchst unterschiedlich . So wurden beispielsweise die Leser von DN und SvD über die politische und schaftliche Entwicklung des östlichen Teiles Deutschlands durchaus ziert informiert , während die NyD - Leser einer unreflektierten und unkritischen Wiedergabe sowjetischer bzw . SED - Sichtweisen ausgesetzt waren . NyD gegen berichtete zumindest framenta - risch über kulturpolitische Maßnahmen der Sowjetischen Militäradministration und der SED , das Verlagswesen und die DEFA , die von den anderen völlig riert wurden . Umgekehrt wiederum lief die Berichterstattung über die dienlandschaft der SBZ , die die nichtkommunistischen Zeitungen als „ unfrei“ , „ kommunistisch dirigiert“ und „ gleichgeschaltet“ bewerteten . Dem dichotomischen Pingpong der stattung hätte die Autorin jedenfalls mit der additiven Analyse des von der Sveri - ges Arbetares Centralorganisation 
ausgegebenen Arbetaren entraten nen . Im Gegensatz zu den ten Presseorganen verfügte diese zeitung über „ Korrespondenten“ in jeder größeren Stadt der SBZ und zudem in seinem Redakteur Helmut Rüdiger über einen exzellenten Kenner der deutschen Verhältnisse . 
Die Darstellung gerät überaus gesättigt ; die Dichte des als ist ebenso beeindruckend wie die gemerkte Forschungsliteratur . Der Chor der zitierten zeitgenössischen Stimmen verharrt jedoch zu oft auf der Ebene der Beschreibung . Die Veranschaulichung von Ereignissen und Entwicklungen setzt nicht die Analyse . Da wünscht man sich manchmal doch ein wertendes Wort der Autorin . Die ab 1946 zende schrittweise Veränderung der Tonlage in allen vier Zeitungen ist nicht nur ein Tribut an den Kalten Krieg ( S . 342 ) . Er forcierte zwar die Einbeziehung der Zonen in die jeweiligen blöcke und damit die Spaltung lands . Und die deutsche Politik in Ost und West , die diesen Prozeß noch schärfte , konnte und wollte die wicklung kaum in eine andere Richtung lenken . Die veränderte Tonlage wächst aber auch aus der zunehmenden stalinistischen Verfaßtheit der SBZ . Während Bodenreform oder form 1945 und 1946 noch von fast allen politischen Kräften getragen wurden , haben bei der Durchführung der „ reform“ und der Verstaatlichung der dustrie eindeutig die Kommunisten miniert . Es gab eben keine kratische Vorgeschichte der DDR , dern nur demokratische Ansätze , die bald oppressiv überformt werden ten . Die eingangs formulierte Antwort heischende Frage , ob die von den tungen wahrgenommene Realität der Wirklichkeit entspreche oder derische Darstellungen dominieren ( S . 21 ) bleibt dem Leser überlassen . 
Insgesamt gibt das Buch einen tiven Einblick in die schwedische weise auf die Entwicklungen in der SBZ . Allerdings hätte es sichtlich an Substanz gewonnen , wenn die analytische on nicht so häufig hinter die Zitation zurückgetreten wäre . Ärgerlich sind das Fehlen eines Personen - und Sachregisters und die vielen Druckfehler . 
Andreas Graf , Berlin 
Nr . 2 , 1995 
65
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.