Full text: (1995)

neller zu feiern , als man Ingmar Bergman eine Retrospektive mit Filmischen sterwerken zusammenstellen ließ . Solch organisatorische Freiheiten können sich die Berliner Festspiele nicht erlauben - liebäugeln sie doch zum einen mit den Konventionen des Filmmarktes , zum deren mit denen des Geschmackes des deutschen Publikums . Daß dieses gläubig ist , bewiesen nicht nur entweder übertriebene oder ausbleibende nen an Kassen wie in Kinosälen ; im feld der Filmfestspiele hatte die Premiere von Oie Bornedals Nattevagten gezeigt , wie die Trendsetter der Berichterstattung auf unbekannte Größen antworten . 
Ein Stadtmagazin schrieb über den in Dänemark außerordentlich erfolgreichen Thriller , er entspräche dem , was sich „ ver - muffte Kleinbürger“ im „ schen Emanzipations - Eldorado“ über das 
ISLÄNDISCHE FILMKUNST : 
Peter Zander 
Reykjavik 1964 . Im „ Gamla Bio“ , dem „ Alten Kino“ in der Ingölfs - strseti , läuft ein amerikanischer Film über das Leiden Christi . Der jährige Thomas darf seine Eltern begleiten . Das ist etwas Seltenes und fast so feierlich wie ein Kirchgang . Die Kreuzigungsszene fällt allerdings so brutal aus , daß der Vater 
Peter Zander ist freier Journalist und Filmwissenschaftler in Berlin . 
Böse denken , dies sei von „ kleinkarierter Geschmacklosigkeit“ geprägt , im Prinzip also „ Kinderkram“ - womit wir wieder da wären , wo die Filmfestspiele den ropäischen Film abgestellt haben . lich ist Bornedals Krimi ein Spiel mit Film - und Alltagskonventionen , die in wechselseitiger Ironisierung unter dem harmonischen Kopenhagener Dasein eine beängstigende , aber durchaus ziehbare Bodenlosigkeit aufspüren . Offen bleibt , inwieweit sich die Geschichte von den Jurastudenten Jens und Martin , denen auf der Suche nach ein wenig Harmonie im Alltagsleben ein Serienkiller begegnet , in die deutsche Synchronisation retten konnte . 
Die Berliner Filmfestspiele sind kein Festival des skandinavischen Films , aber die periphere Position der schen Filmemacher auf dem zentralisier - 
seinen Hut vor Thomas Augen hält : zensur pur . . . 
Movie Days , der neue Film des schen Regisseurs Friörik hör Friöriksson , ist eine Liebeserklärung an das Kino , zählt aus der Sicht eines Jungen . Er und seine Freunde laufen den bewegten dern nach : Sie drängeln in die stellungen des Kinos oder drücken sich am Fenster des Nachbarn , der den ersten Fernseher der Stadt besitzt , die Nase platt . Und einmal tritt Thomas mit Hilfe eines 
ten europäischen Filmmarkt kann auch eine Chance sein . Unabhängig davon , ob ihre Filme - wie das bei Ti kniver i hjer - tet der Fall war - einen europäischen car gewinnen oder nicht , begründet sich ihre künstlerische Freiheit ja in der hältnismäßig offenen Produktionsform und der Beschränktheit der te . 
Der skandinavische Film ist jung und weit weniger konventionell als man ihn sehen will . 1995 feiert er tatsächlich nicht seinen hundertsten , sondern erst seinen neunundneunzigsten Geburtstag ; die sten Filmvorführungen in Skandinavien fanden 1896 statt , ein erster Spielfilm stand 1897 . 
Der skandinavische Film braucht die Erinnerung nicht . Hoffen wir , daß es so bleibt . ■ 
Diagerätes sogar selbst als Kinoerzähler auf . 
Das nimmt den späteren Regisseur weg . Denn hinter Thomas verbirgt sich kein anderer als Friöriksson selbst . Auch er ist mit dem Kino großgeworden - und blieb ihm treu : 1973 gründete er einen Hochschulfilmclub , 1978 das val in Reykjavik , ab 1980 bis 1983 war er Mitherausgeber des monatlich nenden Filmbladiö . 1981 drehte er schließlich seinen ersten film Eldsmidurinn . Der Film ist die eine große Leidenschaft Friörikssons , sein Land die andere : „ Island ist meine mat . Deshalb möchte ich hier drehen , nicht in Hollywood . “ Das glaubt man dem Mann gerne . Seine Filme erzählen Geschichten seines Landes . In zwei kumentationen porträtierte Friöriksson die hiesige Musikszene : Rockgruppen in Rock in Reykjavik ( 1982 ) , Country & Western - Sänger in Kürekar Nordursins ( 1984 ) . Bei letzterem machte er seine zweite Erfahrung mit der Zensur : Weil die Musiker sich ungezwungen über Drogen , Sex und Politik äußerten , wurde der Film in Island verboten . 1985 schließlich folgte ein höchst ger Experimentalfilm . Mit der Kamera auf dem Beifahrersitz fuhr Friöriksson die 1400 Kilometer lange Island - straße ab . Kringurina läuft aber nur 80 Minuten : also mit einer Geschwindigkeit von 1250 km / h . 
Reykjavik ist Rimini 
Der isländische Film boomt - allein in diesem Jahr wird es zehn neue Titel geben . An sechs davon ist der Filmregisseurs Friörik Pör Friöriksson beteiligt , von seinen Landsleuten liebevoll „ Federico " genannt . Ein Portrait des erfolgreichen Filmemachers von 
Nr . 2 , 1995 
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