Full text: (1995)

KULTUR 
FILMFESTSPIELE BERLIN : 
Kein Kinderkram 
Talent und Erfindungsgabe der Filmschaffenden sind chen . Trotz Routine , Skepsis und allen möglichen ten haben sie keineswegs die Fähigkeit verloren , neue Themen , neue Stilrichtungen und neue Ideen durchzusetzen . Mit diesem ebenso optimistischen wie nichtssagenden Fazit der jährigen Geschichte des Kinos eröffnete der künstlerische Leiter Moritz de Fladeln die 45 . Internationalen Filmfestspiele Berlin . 
Patrick Vonderau 
Das Kino lebt - obwohl es , wie der Spiegel flapsig anmerkte , immer eine Belästigung gewesen sei . Eine Belästigung , die sich wohl weniger hand der „ hemmungslosen Rührseligkeit , absurden Gags und Helden“ , als an der Vorherrschaft eines konventionellen geschmackes festmachen läßt , der die diesjährige Auswahl der mehr als 300 linalebeiträge in größerem Maße te als in den Jahren zuvor . „ Hollywood - das sind auch wir , und wenn es wood schlecht geht , ist die Krise überall zu spüren“ , sagte de Hadeln an anderer Stelle . Mit dem Rückgriff auf das te wollte das Festival , zu dessen sten Bereichen der Europäische markt gehört , die Angst vor einem Absturz der nationalen „ Box Offices“ überwinden . 
Das Kino lebt - in der Erinnerung . Dankbar akzeptierte das Berliner kum amerikanische Storyparadigmen und französische Reminiszenzen , Buster Kea - tons trauriges Spätwerk und die spielungen auf die Filmgeschichte in Les cent et une nuits von Agnès Varda . Vardas Film lebt von den Referenzen , der Vorführbarkeit von teilweise noch den Kinomythen und ist zugleich die schichte des jungen , farblosen chers Mica , der den alternden Monsieur Cinéma beerben will , um mit seinem Geld und seinem Ruhm einen Film zu machen , 
Patrick Vonderau ist schaftler und freier Journalist in Berlin . 
für den er keine Idee hat und obwohl er im Inneren seines Herzens eigentlich „ das Kino haßt“ . Wie Varda erkannt hat , ist die größte vorstellbare „ Belästigung“ die der Konventionen auf der Suche nach sich selbst . 
Die tionalen festspiele sind kein Festival des skandinavischen Films . Neben amerikanischen und schen Beiträgen lag der punkt 1995 auf kanadischen , mexikanischen und asiatischen Produktionen . 
Von den 22 wegischen , 15 dänischen und 17 schwedischen Spielfilmen , die im letzten Jahr hergestellt den , fanden nur zwei Filme den Weg in das offizielle gramm ; abgesehen von einem tär - und einem Kurzfilm blieb die tionelle Sektion für das nordeuropäische Kino ansonsten der Kinderfilm . Liz Car - neiro , zuständig für die internationalen Kontakte des Dänischen Filminstitutes , 
bewertete die skandinavische spräsenz mit insgesamt acht Beiträgen dennoch als zufriedenstellend - sen an der vergleichsweise geringen duktionkapazität und Größe der navischen Staaten . 
Erstaunlich ist trotzdem , in welchem Maße dem nordeuropäischen Mainstream gegenüber individuellen Themen und sätzen Vorrang gegeben wurde . Der gische Wettbewerbsbeitrag Ti kniver i hjer - tet von Marius Holst bot die Fabel von Otto , dem immer unberücksichtigten sten der Fußballmannschaft ; auch Sky - jahöllin , Thorsteinn Jönssons Geschichte über den kleinen Emil wirkte mehr wie ein Lehrstück für Erwachsene , dessen Personal ( zerstrittene Eltern , freundliche Polizisten , kinderliebe Alkoholiker und immer wieder : Hunde ) und Plot ( Ausriß von zu Hause ) phantasielos in Szene gesetzt wurden , bei man sich an Erzählkonventionen und am Sozialprogramm der 50er und 60er re orientierte . 
Dabei bieten die skandinavischen institute jungen Regisseuren möglichkeiten , die durch staatliche ventionen vom Druck des Kassenerfolges weitgehend binden . Die duktion von Spielfilmen wurde 1994 in mark mit 84 , 4 Millionen DKK , in Norwegen mit 82 Millionen NOK , in den mit 169 lionen SEK stützt . Fraglich bleibt , warum Lars von Triers Riget , Jan Röeds , Kristian Petris und Magnus En - quists tarfilm Atalanten oder Hans Peter Blads Hodiak - um nur einige Beispiele zu nennen - nicht in Berlin zu sehen waren . 
Zu sehen waren sie hingegen auf dem 18 . Göteborg Film Festival , das sechs Tage vor der Berlinale begonnen hatte . In Schweden wußte man den hundertsten Geburtstag des Kinos auch insofern origi - 
Ti kniver i hjertet ( cross my heart and hope to die ) 
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