Full text: (1995)

richtige Probleme habe , gehe ich dort hin und bitte um juristischen Rat . Dort wird mir nicht erzählt , für wen ich bei der nächsten Wahl stimmen soll . Ich komme einen Brief von einem tenten Rechtsanwalt , der Verträge klärt , zum Beispiel . Nun ist es natürlich so , daß im schwedischen verband kaum richtige Autoren sind . Er ist ein Verein , der im wesentlichen aus schreibenden Amateuren besteht . Sie merken , daß ich richtig gesprächig de , wenn es um den band geht . Ich finde es viel spannender , über ihn zu schimpfen , als Die Sache mit dem Hund zu erklären . So kommt mein Blutkreislauf in Gang . 
NORDEUROPAforum : Doch wie ist es mit dem Roman Die dritte Rochade des Bernard Foy ? Sie schreiben , daß , Sie ihn als Ihr zentrales Werk betrachten . 
Gustafsson : Bernard Foy ist vor allem ein Roman über die Sprache , über kation , über die Frage , was es bedeutet , auf der Welt zu sein . Das Buch ist für mich das , was Sein und Zeit für ger ist . 
NORDEUROPAforum : Beim Lesen des Romans kommt man kaum umhin , an das Schlagwort Postmodernismus zu denken . 
Gustafsson : Ich glaube , es ist postmodern in seiner Vermischung von Stilen und Kulturen . Und es ist ein sehr ter Roman . Wenn man sich Foy I , Foy II und Foy III - so nenne ich sie - anschaut , nehmen wir also Foy I , so kann man sehen , daß es während der Szenen in Worpswede einen sehr starken Einfluß von Rilke - Gedichten gibt . Und wenn wir dann nach Paris kommen , sind es laire - Gedichte . 
NORDEUROPAforum : Verspüren Sie 
eine gewisse Nähe zu anderen Autoren , die als Gallionsfiguren der stischen Literatur gelten , zum Beispiel Umberto Eco oder ltalo Calvino ? 
Gustafsson : Calvino habe ich sehr mocht . Ich mag ihn immer noch , aber er ist ja tot . Eco kenne ich gut als sehr tigen Semiotiker . Den Namen der Rose fand ich vorzüglich . 
NORDEUROPAforum : Das sche Pendel nicht ? 
Gustafsson : Nein . Das Buch ist zu pliziert , ein Professorenroman . Ja , aber Bernard Foy hat vielleicht postmoderne Züge . Es hat Spaß gemacht , ihn zu ben . Wissen Sie eigentlich , wie alles fing ? Ich saß zusammen mit einem sophen , dem Briten Marc Sacks im Pub im King’s College , Cambridge , und derten . Wir sprachen davon , daß es möglich ist , zu erkennen , daß es sich um Fiktion handelt , wenn man sich innerhalb des Systems befindet . Meine Bücher sen zum Beispiel nicht , daß sie von mir geschrieben wurden . 
NORDEUROPAforum : Genau dieses Problem behandeln Sie ja auch in Ihrem Essay Der Literaturwissenschaftler aus der Sicht des Schriftstellers . 
Gustafsson : Aber letzten Endes geht alles zurück auf Gödel , der sagt : Für die sten Algebren ( es wäre doch schick , wenn man die arabische Pluralform wüßte . Al - gebrahin ? Oder vielleicht Algebrott ? ) gilt , daß es eine unmögliche Forderung ist , von ihnen Entscheidbarkeit innerhalb des Systems zu verlangen . In Klartext tet das , daß es innehalb eines Systems Axiome gibt , die nicht mit den Mitteln des Systems bewiesen werden können . Gödel steht also am Anfang . 
NORDEUROPAforum : Einer Ihrer 
Freunde , Max Frisch , publizierte ein Buch mit dem Titel Fragebögen . 
Gustafsson : Ja , das ist sehr lesenswert . 
NORDEUROPAforum : Eine der Fragen im Buch lautet : „ Wo möchten Sie ben und begraben sein ? “ Darf man Lars Gustafsson eine solche persönliche ge stellen ? 
Gustafsson : Ja ( lacht ) . Wo ich will ben ? Im Bett , ( auf deutsch ) 
NORDEUROPAforum : Ich meine , in welchem Land möchten Sie am liebsten sterben und begraben sein ? 
Gustafsson : Das muß nicht unbedingt in Schweden passieren . Außerdem besteht eine Schwierigkeit darin , daß ich zum Ju - 
dentum konvertiert bin . Ansonsten würde ich gern auf dem Friedhof in Väster Vâla begraben sein . Der ist sehr nett gelegen und es stehen so hübsche Hagebutten - sträucher um ihn herum . Dort würde man zwischen västmanländischen Schiffern und Bauern begraben sein . Ich erzählte das einer Bekannten , die direkt neben dem Friedhof wohnt . Sie ist sehr nett und im Herbst hilft sie mir immer bei meinem Segelboot . Und so standen wir an der Friedhofsmauer und ich sagte zu ihr : „ Hier müßte man begraben sein“ . Und meine Bekannte : „ Niemals ! Ich will nicht diese Massen von Reisebussen um mich haben . “ Das finde ich lustig . Aber an die Fragebögen erinnere ich mich gut . Ich war dabei , als es um einen Abschnitt ging . Die Berliner Malerin Gisela Breitling war da . . . 
NORDEUROPAforum : War das rend Ihrer Berliner Zeit als DAAD - Sti - pendiat ? 
Gustafsson : Ja . Wir saßen und spielten ein wenig und fragten : „ Was möchtet ihr am liebsten sein ? “ Und ich sagte : „ Ich will eine Schwalbe sein . “ Und Gisela Breitling wollte ein schöner Jüngling sein , und Max Frisch sagte : „ Ich möchte ein ganz schwerer Stein auf dem Grunde nes tiefen Sees sein . “ Max Frisch war überhaupt ein angenehmer Mensch . Wir wurden gute Freunde in Berlin , und nach besuchte ich ihn manchmal eine Woche im Herbst . Wir saßen in denen Teilen seines Hauses und ben , und hin und wieder spielten wir Tischtennis . Er war sehr , sehr gut , auch noch zwischen sechzig und siebzig . Er war ein schneller und gefährlicher tennisspieler . Er hatte unglaubliche xe . ■ 
Das Interview führten und übersetzten aus dem Schwedischen Stephan Muschick und Oliver Siebold . 
JB 
Nr . 2 , 1995
	        
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