ESSAY
Vorbereitung . Sonntags um 15 . 00 Uhr - auch eine gute Zeit - kann ein Wagen ins Gleichgewicht kommen , mit einer müden Kleinfamilie am einen Ende , einem mentalen Trunkenbold am anderen und in der Mitte : ein Punk - Mädchen ber einem Schichtarbeiter , in dessen tiger Hand ein viel zu klein geratenes Täschchen baumelt . Frühmorgens , so gen sechs , sind die unterwegs , die ber die Gesellschaft auf ihren Schultern tragen sollen . Da herrscht tiefe Müdigkeit , eine schicksalsvolle Ergebenheit , die trotz allem Anflüge von Stolz und Würde sitzt . Zu keiner anderen Tageszeit strahlt die U - Bahn eine solche Geborgenheit
barn wahrzunehmen . Man steigt zu , als fände man sich in einer Zwangslage , sucht uninteressiert nach einem Sitzplatz , und greift dann ohne hinzusehen nach einer Haltestange . Alles folgt bestimmten stern . Man kann sich laut mit einem kannten unterhalten - vorzugsweise mit nem Kollegen , aber sachlich oder geschäftsmäßig muß es sein ; oder auch gekehrt : unwillig , als bearbeite man einen Kaugummi . Es gibt eine Todsünde während der Rush - hour : interessiert zu ken . Die Blicke auf die Mitfahrenden sen hastiger , mehr im Vorübergehen sein als gewöhnlich . Dies ist die Zeit derjenigen , die auf natürliche Weise unberührt bleiben
aus . I . S . kann , wenn er so früh unterwegs ist , nur schwer verstehen , wie Menschen Kriege anzetteln können .
Der Sommer bringt natürlich seine ländischen Touristen , die stets in Sport - und Regenmode dastehen , die weder für Leibesübungen geeignet , noch ein diges Unwetter abzuwehren in der Lage sind . Sie haben eine überraschend bleiche Gesichtsfarbe und scheinen ein Interesse für intellektuell Kurioses zu pflegen . Wenn sie sich laut durch die Namen der Haltestellen buchstabieren , ist das klingend und die Wörter erhalten eine neue , fremde Bedeutung .
In der Hauptverkehrszeit sind die te unerbittlich . Da man so eng aufeinander gedrängt steht oder sitzt , ist es wichtiger denn je , respektvolle Distanz zu den Nach -
und der öffentliche Großstadtmensch sein können , wie er betrachtet werden will : nym , abgesondert , in vorübergehender Ruhe kurz vor dem Sprung ins Private .
Das Gegenstück zum Berufsverkehr sind die späten Freitag - und Samstagabende . Da wird dem Privaten erlaubt , mit viel Getöse in den öffentlichen Raum dringen . Auf einmal gilt ein neues stem , Unberührbarkeit wird durch ne wildgewachsene Gestik ersetzt . Um 24 . 00 Uhr ist alles erlaubt - innerhalb der Grenzen der Jargons und modischen chenbarkeiten . Drei junge Männer , einer mit Pferdeschwanz , einer mit Stoppelkopf und einer mit Gardienenmähne geben ein rhythmisches Konzert : Trommelschläge aufs Gitarrenfutteral , Fußtritte an die Wand , Schläge auf die Oberschenkel , außerdem eine Fistelstimme , die ein paar Takte aus einer Rockmelodie summt . Don -
Lennart Hagerfors geboren am 4 . 3 . 1946 in Eskilstuna Studium der Philosophie , der schen Sprachen und der Literatur 1979 Promotion „ Pä väg in i femtiota - let " und literarisches Debut mit dem Roman „ H / ärnbarken tur och retur " wie der Gedichtsammlung „ Gruss och vitt line "
1985 internationaler Durchbruch mit dem Roman „ Valarna i Tanganyikaön " 1990 Durchbruch auch in Schweden mit dem Roman „ Livet är det som pàgàr medan vi sysslar med annat "
Ende der siebziger und Anfang der achtziger jähre Literaturkritiker bei Aftonbladet und Bonniers Litterära Magasin sowie 1982 - 1988 Herausgeber des letzten .
Übersetzt von Norbert Götz .
nerndes Lachen , zusammenprallende sten ( alle scheinen zu lange Arme und ne zu haben ) und Köpfe , die hin - und pendeln in dem Versuch , mitzukriegen , wer einsteigt und wer den Wagen verläßt . Jetzt ist es wichtig , die Mitfahrer zu achten , jetzt ist es auch erlaubt , sie starren oder anzusprechen . Es ist fend , wie viele sich kennen . Man trifft einander mit lautem Geschrei . Ein paar stark geschminkte Teenager schlüpfen mit versteinerten Mienen herein und lassen sich mit voll aufgedrehtem Signalsystem nieder : Seht uns ! Die Kommunikation stellt sich unfehlbar ein . Der Bursche mit dem Pferdeschwanz lümmelt sich neben sie und die Gesichter der Mädchen hen sich widerwillig zu einem Lächeln , das zeigt , daß die Schminke irgendwo Reste ner Konfirmandenfreizeit verbirgt .
Alles ist im Fluß , alles kann passieren . Die nächste Station kann das erotische Spiel durch eine Prügelei abgebrochen werden . Das geschieht nicht oft , aber wenn es geschieht , schnappt der sene Raum wie eine Falle zu . Die angst , ohne Fluchtmöglichkeit an die Wand gestellt zu sein , schafft eine sivität , die sich nur durch den Schrecken nährt . Sobald der Zug an einer Station hält und sich die Türen öffnen , hört die Schlägerei normalerweise auf .
Es gibt auch Situationen in denen sich Menschen , die sich vorher noch nie hen haben , zusammen aus einem Wagen stürzen in der Angst , sich sonst für immer
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NORDEUROPA
fbrutn

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