KULTUR 
wurde im Schweden der achtziger Jahre trotz horrender Buchpreise mehr gelesen als je zuvor , doch beklagten viele Autoren die einseitige Ausrichtung gerade junger , zuweilen anmaßend auftretender Kritiker auf experimentelle , postmoderne Texte . „ Der mondäne akademische gon " , so der Lyriker Jaques Werup , „ giert als effektive Sperre für Leser , die von der Literatur Wärme , Humor und lismus erwarten . " Als von der führenden schwedischen Literaturzeitschrift BLM - eine Festung der genannten Kritiker - schließlich nur noch 40 bis 50 Exemplare im Handel verkauft wurden , griff der lag Bonniers ein . Der Chefredakteur , der das Profil der Zeitschrift auf eine Gruppe Eingeweihter ausgerichtet hatte , mußte den Hut nehmen . Die Gefahr , daß wendige experimentelle Literatur durch nige tonangebende Kritiker sehr schnell zum Trend erhoben wird , ist in einem kleinen Sprachgebiet wie dem schen natürlich besonders groß . Dem steht entgegen , daß in Schweden 2 . 000 Schriftsteller und Übersetzer leben , von denen etwa 30 Prozent zuweilen oder gelmäßig Rezensionen in Tagespresse und Bibliotheksdienst schreiben . Insofern ist eine Breite vorhanden , die die ten der Reichszeitungen Svenska Dagbla - det , Dagens Nyheter , Expressen und Aftonbladet jedoch nicht immer spiegeln . 
Während der Wahlen zum schen Reichstag waren Kultur und tur so gut wie kein Thema . Woran liegt's ? frage ich den Chef der Übersetzersektion des Schriftstellerverbandes . Der spricht zwar von manchen Aktionen se zur Erhöhung des Bibliotheksgroschens für die Schriftsteller , aber spektakuläre Resultate bleiben aus , sieht man einmal vom „ längsten Büchertisch der Welt " ab , der nun ins Guinness - Rekordbuch soll . Bibliothekare , Schriftsteller und Verleger errichteten ihn am 1 . September auf der 700 Meter langen Stockholmer schäftsstraße , der Drottninggatan , um Bücher zu verkaufen und auf sche Probleme aufmerksam zu machen . Nostalgisch verklärt wirkt die Erinnerung an die Bibliotheksaktion vor nunmehr 22 Jahren , als Schriftsteller und ihre thisanten für mehrere Wochen sämtliche schöngeistige Literatur aus Bibliotheken „ entliehen " hatten , um soziale gen durchzusetzen . Heute scheint nur die 
Tat des einzelnen zu zählen . Im värmlän - dischen Hagfors hängte der chef einen riesigen Fesselballon über seine Einrichtung , und als alle Einwohner schließlich wußten , wo die Bibliothek lag , erweiterte er sie um ein Schwimmbad und ein Café , wo es für Bibliotheksleser Rabatt gab . Mancher mag dies vielleicht als ernfängerei empfinden . Aber die len in Hagfors sind heute die höchsten in ganz Schweden - auch ohne Rabatt . 
Eine ganz besondere stin lernen wir in Mariefred kennen . Britt Schölin , die Buchhändlerin des Ortes , ist über 70 Jahre alt und schwer dert . Vor 20 Jahren übernahm sie nach nem Autounfall das für sie neue Ressort . Heute kennt sie jeder mit der Branche Vertraute in Schweden , bewies sie doch , daß auch bei einer schwierigen Marktlage der traditionelle Buchhandel Chancen und Vorzüge gegenüber den Buchclubs besitzt . Britt Schölins Haus ist ein scher Salon , in dem sich Schriftsteller , Übersetzer und Bibliothekare zu Debatten und Lesungen treffen . Einen solchen Abend erleben wir , rührig vorbereitet von Freundinnen der Gastgeberin . Der sche Salon , das zwanglose Fachgespräch bei Wein und Kerzenschein - hier lebt eine Tradition fort , die ich nur aus Büchern und Erzählungen meiner tern kannte . 
Das Buch als Medium bewahren , seine Verbreitung auf alle nur denkbare Art dern - davon spricht auch Magnus Bro - hult , Kritiker bei Svenska Dagbladet . Er prognostiziert für die schwedische tur der neunziger Jahre eine weitere stärkung romantischer Trends und das endgültige Aus für die Postmodernen . Das Pendel wird sich zudem auf einen neuen , dokumentarisch gestützten Realismus bewegen , in dem die in den achtziger ren so gescholtenen Utopien wieder Chancen erhalten . Männliches und ches Schreiben wird sich stärker als bisher voneinander abheben . Brohult prophezeit eine Frauenliteratur , die in ihrer Klarheit und bewußten Kunstlosigkeit an die Neue Einfachheit ( nyenkelheten ) in der dischen Lyrik eingangs der sechziger Jahre erinnert . 
Bleibt abzuwarten , ob die Literatur tatsächlich einige der ihr vorausgesagten Wege einschlägt oder eher neuen schungen den Weg bereitet . ■ 
Meinhard Hilf / 
Christian Tomuschat ( Hrsg . ) 
EG und Drittstaats - beziehungen nach 1992 
Aus rechtlicher und wirtschaftlicher Sicht werden die künftigen schaftlichen Beziehungen der EG nach Vollendung des Binnenmarktes delt . Die am Binnenmarktmodell probten Regeln zu Marktöffnung sowie zur rechtlichen Absicherung te Regeln können für andere Regionen wie auch die Weltwirtschaft insgesamt beispielgebend sein . Die Europäische Gemeinschaft bleibt auf einen freien Welthandel mit Waren und stungen angewiesen . Die Offenheit oder aber auch Geschlossenheit des Binnenmarktes wird sich auf die form des GATT ( Uruguay - Runde ) wirken . Im einzelnen wird die gestärkte außenwirtschaftliche Rolle der EG aus der Sicht Deutschlands ( Kühn ) und aus der Sicht der Gemeinschaft ( Krenzier ) dargestellt . Weitere Beiträge befassen sich mit dem Abbau der internen zen ( Kuyper ) , mit dem künftigen recht ( Vaulont ) , mit Normen und dards ( Bruha ) sowie mit dem grundlegenden Prinzip der tigkeit im Völkerrecht ( Dolzer ) . schat untersucht die künftigen rechtlichen Rechte und Pflichten der Gemeinschaft , Pelkmans die wirtschaftlichen Entwicklungen nach 1992 und Petersmann die gen des Binnenmarktes auf die ay - Runde . 
1991 , 215 S „ brosch . , 79 - DM , ISBN 3 - 7890 - 2383 - 3 ( Schriftenreihe des Arbeitskreises Europäische Integration e . V . , Bd . 31 ) 
Nomos Verlagsgesellschaft 
56 
nordeuropa 
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