FINNLAND - 75 JAHRE UNABHÄNGIG :
Estland und Karelien - Nachbarn Finnlands
Die Sowjetunion ist zerfallen .
Finnland entdeckt in dieser Situation seine nächsten Nachbarn und Verwandten . Selbst eine Forderung nach Fiückgabe des 1944 von der Sowjetunion annektierten lichen Kareliens ist kein Tabu mehr .
Johanna Heimonen
Das Schicksal der baltischen Länder berührt aus geographischen und rischen Gründen alle skandinavischen der , am meisten aber wohl Finnland .
In der Lage , in der sich die baltischen publiken jetzt wieder befinden , war auch Finnland in den Jahren 1917 - 1918 : von Rußland losgelöst , selbstbewußt , tert , aber arm und etwas ratlos . Im ber 1917 hatte sich Finnland unabhängig erklärt und wartete auf Anerkennung durch andere Staaten , vor allem durch die navischen Länder . Doch damals hieß es , Rußland müsse die Unabhängigkeit lands zuerst anerkennen , was auch schnell geschah , am 31 . 12 . 1917 . Erst danach ten die skandinavischen Länder .
Auch Estland erklärte sich erstmals 1917 unabhängig . Aber erst nach der russischen Anerkennung im Februar 1920 erkannten andere Länder das selbständige Estland de jure an . Seit diesen Tagen hat sich viel geändert . Jetzt wurden die baltischen publiken sofort anerkannt , ohne einen sten Schritt der Sowjetunion abzuwarten .
Bis zum Zweiten Weltkrieg waren die ziehungen zwischen Finnland und Estland genauso eng und vielseitig wie die schen Finnland und den anderen vischen Ländern , aufgrund der schaft des finnischen und estnischen Volkes sogar eher noch enger . Beide gehören zum ostseefinnischen Stamm der finnisch - schen Sprachfamilie . Beide Völker leben seit Jahrtausenden in ihren Ländern , hatten aber bis zu diesem Jahrhundert keine nen Staaten . Die Sprachen sind einander so ähnlich wie etwa Deutsch und
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disch . Obwohl Estland zu den baltischen Republiken gehört , sind die Esten ethnisch keine Balten und ihre Sprache ist keine tische Sprache .
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die regen finnisch - estnischen Kontakte auf Eis gelegt . Es gab natürlich noch gen , beispielsweise im kulturellen Bereich , sie waren aber vorsichtig und durch viele Vorschriften beschränkt .
Als sehr hilfreich erwies sich in dieser riode das Fernsehen . Helsinki und Tallinn sind über den Finnischen Meerbusen nur 80 Kilometer voneinander entfernt , sehsendungen können auf beiden Seiten gut empfangen werden . Die Esten lernten aus dem finnischen Fernsehen Finnisch und konnten so den Programmen folgen . Das Interesse für die finnische Sprache ist in land sehr groß und viele Esten sprechen fließend Finnisch . Die Estnischkenntnisse der Finnen sind dagegen nicht sonderlich gut und auch das estnische Fernsehen war in Finnland nie beliebt .
Jetzt gibt es wieder aktiven Gebrauch für die Finnischkenntnisse der Esten . semöglichkeiten bestehen , bald auch ohne Visum . Es steht außer Frage , daß das erste Land , mit dem die alten Kontakte belebt werden , Finnland ist .
Ganz ohne Probleme läuft das nicht . Der estnische Lebensstandard ist niedrig und die Versuchung groß , in Finnland schwarz zu arbeiten . Im Bau - oder werbe arbeiten die Esten beispielsweise für die Hälfte des finnischen Lohns - und dienen in einem Monat so viel wie zu se innerhalb eines Jahres . Den Finnen fällt das natürlich nicht , zumal in Anbetracht der derzeitigen wirtschaftlichen Tiefkonjunktur , in der viele Finnen los sind .
Über den Zustrom der Esten und Balten , Karelier und Ingrier nach Finnland sind recht wilde Prognosen vorgelegt worden . Zweierlei ist dabei zu bedenken . Einerseits ist Finnland anders als die übervölkerten mitteleuropäischen Länder eher völkert . Ein Bevölkerungszuschuß wäre gentlich wünschenswert . Die Finnen halten sich zu den ( „ Brudervölkern " , die meistens auch finnisch sprechen , durchaus positiv . Es handelt sich schließlich nicht um
Asylbewerber . Die Ingrier , Angehörige nes südlich von St . Petersburg ten finnischen Volksstamms , können schon seit einigen Jahren frei nach Finnland hen , ihr Status ist ähnlich dem der ler in Deutschland . Da die betreffenden Gruppen alle sehr klein sind , wäre eine übermäßige Völkerwanderung ohnehin nicht zu erwarten . Es gibt ungefähr eine Million Esten , 130 . 000 Karelier und 20 . 000 Ingrier .
Die andere Seite der Medaille sind sche Schwierigkeiten : Woher Arbeit und Wohnungen für Neuankömmlinge men ? Die derzeitige wirtschaftliche Lage verspricht nicht viel . Einige Organisationen der Ingrier sorgen sich außerdem darüber , wie es der eigenen Kultur ergehen soll , wenn die kleine Volksgruppe zerstreut in Finnland lebt .
Finnland und die anderen schen Länder müssen mehr dazu gen , daß die baltischen Republiken schnell auf die Beine kommen . Die Esten haben den Wunsch geäußert , Mitglied im schen Rat zu werden . Einige skandinavische Länder waren dagegen . Warum eigentlich ? Wenn sich ganz Europa ändert , warum nicht auch der Norden ? Die Esten halten sich für Skandinavier . Sie haben dertelange , engste Beziehungen zu land und Schweden . Wenn Finnland zu Skandinavien gehört , warum nicht auch Estland ? Das Interesse Lettlands und ens an der nordischen Zusammenarbeit ist verständlicherweise geringer entwickelt .
Ein zweites für Finnland gegenwärtig teressantes Gebiet ist Karelien . Das weite Gebiet zwischen dem Ladoga - See und dem Weißen Meer kann zweigeteilt werden . Das frühere Ost - Karelien mit der Hauptstadt Pe - trozawodsk bildet zur Zeit eine autonome Republik innerhalb Rußlands . Dieses Gebiet gehörte niemals zu Finnland , aber die wohner , die Karelier , sind ein finnischer Volksstamm . Die karelische Sprache ist dem Finnischen ungefähr so nahe wie chenes Schweizerdeutsch dem schen . Karelisch wird auch nicht ben , Schriftsprache ist Finnisch .
Das südwestliche Karelien gehörte gen bis 1944 als Provinz zu Finnland . Die gesamte Bevölkerung , etwa 500 . 000 schen , wurde nach Finnland evakuiert . Die
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