seits wurden auf dem Cediminas - Boulevard von Vilnius Barbie - Puppen für 1200 Rubel als Weihnachtsgeschenke für Litauer boten , die offenbar schon alles haben . Der Preis liegt - bei Addition aller aktuellen flationszuschläge - immer noch höher als ein durchschnittliches Monatsgehalt , aber dennoch waren nach kurzer Zeit alle diese begehrten Plastikgeschöpfe verkauft .
Die Wechselkurse und das heißt , die flation ziehen weiter an . Für den Besucher ist das nicht zuletzt dadurch unübersehbar , daß in Ausländerhotels und Devisenläden Schieber und Schwarzhändler unter den Augen der Polizei auf Touristen warten und Phantasiekurse für die Deutsche Mark , den Schweizer Franken oder den US - Dollar ten , worauf die Staats - und Handelsbanken wiederum nur mit einer weiteren sung des offiziellen Wechselkurses ren können und wohl auch müssen .
Eines ist klar : In die baltischen Länder wie auch in andere Ex - Sowjetrepubliken kann man gegenwärtig nicht mit dem Impetus reisen , jene Erklärungsmuster bestätigt zu kommen , die man der Lektüre der deutschen Presse entnommen hat . Weder stehen - so die rechte Variante - nationale Demokraten gegen Altstalinisten , noch trifft das linke Schema von guten Reformern versus wordenen Nationalisten zu . Feststellbar ist zunächst , daß die Euphorie der letzten Jahre , die noch bis zu den Aktionen der schen Sicherheitskräfte im Januar 1991 hielt , im größeren Teil der Bevölkerung fensichtlich nicht mehr vorhanden ist . Die Menschen aus sehr verschiedenen sozialen und politischen Gruppen , denen wir net sind , haben insofern resigniert , als sie sich inzwischen klar darüber geworden sind , daß eine Verbesserung ihrer unmittelbaren Lebenssituation auf absehbare Zeit wohl nicht zu erwarten ist und sich die se eher noch verschlechtern werden .
Zweckoptimismus der Politiker
Anders dagegen ist der mus der von uns befragten Politiker noch ziemlich ungebrochen . Er dürfte auch druck der Tatsache sein , daß keine klaren Vorstellungen darüber bestehen , wie die anstehenden Probleme von Wirtschaft und Politik in den baltischen Republiken gelöst werden sollen . Einige Beispiele mögen das
verdeutlichen : Die Rezepte zur Anpassung der baltischen Volkswirtschaften an die neuen Verhältnisse sind teilweise von dezu verblüffender Naivität . „ Im Bereich der Ökonomie wollen wir von der schaft abgehen , die schon ein Sechstel der Welt zugrunde gerichtet hat " , erläuterte uns Herr Dringeiis von der siebten Fraktion des litauischen Parlaments und : „ Beim Übergang zur Marktwirtschaft wollen wir den Menschen das zurückgeben , was nen irgendwann weggenommen wurde - aber auf eine solche Weise , in der wir bei anderen Menschen so wenig Schaden richten wie möglich " . Unser Hinweis , daß solche einfachen Regeln schon bei der deutschen Wiedervereinigung in der Praxis - gelinde gesagt - auf erhebliche rigkeiten stießen , wurde durchaus tiert , aber auch relativiert . „ Der Unterschied ( liege ) darin " , sekundierte ein tenkollege , „ daß die ehemalige DDR eine sehr starke Stütze in der Bundesrepublik hat , einem Land mit starker gut ter Wirtschaft sowie Finanzen . Wir haben heute keine solche Stütze . . . " . Litauens schaft wolle man daher „ . . . mit Hilfe rer Länder auf die Beine stellen und in das Weltsystem integrieren " .
Offenbar dieser Perspektive nicht so ganz sicher ergänzte ein weiterer Abgeordneter , daß zunächst wohl die intensiven und fassenden Kontakte zur sowjetischen schaft weiter eine beachtliche Rolle spielen müßten : „ Wir kaufen in der SU Rohstoffe ein und verkaufen ihr unsere te . Bisher war es so , das wir nichts kaufen brauchten : Es wurde uns manches gegeben und dann wieder men . Jetzt wollen wir alles auf der chen Ebene regeln - wenn wir etwas kaufen , so verkaufen wir unsere fertigen Produkte " . Nur - in jener anvisierten Praxis liegt genau die Crux dieses Verfahrens , denn die litauischen Politiker wollen lich keinen einfachen Tausch Ware gegen Ware .
„ Wir sind bereit , zu internationalen sen zu handeln " , konkretisierte Saulius Pe - celiunas , der stellvertretende Vorsitzende der Demokratischen Partei Litauens die wartungen in Vilnius ; „ wenn wir für die Rohstoffe in Dollar zahlen müssen , fen wir unsere Produktion auch in Dollar " . Aber kann das die Perspektive sein ? Weder Rußland bzw . andere Ex - Sowjetrepubliken
einerseits noch die baltischen Republiken andererseits werden ein Interesse daran ben , zu Weltmarktpreisen und auf basis relativ veraltete und technisch ständige Produkte der jeweils anderen Seite zu kaufen , wenn die Möglichkeit besteht , High - tech - Ausrüstungen und hochwertige Konsumgüter in Westeuropa , Japan oder den USA zu erwerben .
Die litauischen Parlamentarier verwiesen uns immer wieder darauf , daß es re Fragen gebe : „ Dieses Problem lösen wir nicht , wenn wir weiter bei der SU bleiben . Bei uns , in einem kleinen Staat , können wir dieses Problem viel besser lösen . . . " . Also vereinfacht gesagt , mit der Unabhängigkeit würden , nein müßten sich zwangsläufig auch die Wirtschaftsprobleme lösen . Die Konkretisierung einer solchen neuen schaftspolitik war dann aber nichts weiter als der Katalog jener Maßnahmen , an nen schon Gorbatschow scheiterte . Joint - ventures gelte es zu organisieren : „ Wir ben beispielsweise in Suwalki ein Werk , welches bereits einen Vertrag mit chen Firmen abgeschlossen hat ; es stellt Teile für Videokameras her , die in den sten geliefert werden . Das ist ein kleines Beispiel , um zu zeigen , auf welchen Wegen wir gehen können " . Ob zu erwarten sei , daß sich diese Tendenz in einer schaftlich bedeutenden Größenordnung fortsetzen würde , konnte uns Herr Peceliu - nas nicht sagen . Ein Blick in die Statistik zeigt , daß davon in der Tat keine Rede sein kann . In Riga erlebten wir unbeabsichtigt den Abschluß von Verhandlungen eines westdeutschen und eines lettischen nehmens mit , und der Haupteindruck war , daß alles ziemlich unverbindlich blieb .
Allerdings sollte man nicht davon hen , daß baltische Politiker einfach nicht wissen , mit welchen Folgen ihre schaftspolitischen Vorstellungen verbunden sind . Sie sind sich deren sehr wohl bewußt , allerdings scheint bei maßgeblichen tern die Meinung vorzuherrschen , daß es die »große Lösung« erfordere , für me , wenn auch nicht ganz absehbare Zeit einige Unbill im nationalen Interesse zu tragen . „ Das einzige Problem " , so erneut Peceliunas , „ besteht darin , wieviele beitslose es gibt und wie hoch das standsminimum im jeweiligen Lande ist . . . Ich hoffe doch , daß unser Staat die beitslosen versorgen kann , aber vielleicht
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