Reise durch Lettland und Litauen im Jahre 1991 
Die jungen Staaten Lettland und Litauen stehen vor großen schen und politischen Problemen . Welche Lösungen peilen die Politiker dort an ? 
Manfred Kerner / Felix Weiland 
m August 1991 brachte der such in der UdSSR endgültig das morsche Gefüge des Riesenreichs zum bruch , die neue »Gemeinschaft ger Staaten ( GUS ) « ist nur noch die che Bestätigung dafür . Bereits unmittelbar nach den August - Ereignissen kamen die drei Ostseerepubllken Estland , Lettland und Litauen im Gefolge einer allgemeinen kennungswelle wieder als eigenständige Völkerrechtssubjekte in die europäische litik zurück . Politisch orientieren sie sich , Aussagen ihrer politisch Verantwortlichen zufolge , nach Westen und dabei dere nach den anderen Ostseeanrainern , ohne daß sie dabei - teilweise recht willige - Vorstellungen aufgeben wollen . 
Im Mai , September und Dezember 1991 hatten wir Gelegenheit , Lettland und en zu besuchen , dort Eindrücke zu meln und baltische Politiker zu nen aktuellen Themen zu befragen , andererseits aber auch die profanen Schwierigkeiten kennenzulernen , wie sie die Bevölkerungen der baltischen ken zur Zeit täglich massiv erleben und mit denen sie , mehr oder weniger erfolgreich , fertig zu werden versuchen . 
Zunächst : Die baltischen Republiken sind zwar juristisch unabhängig , aber die alte Sowjetunion ist immer noch da : Die Züge fahren bei Grodno über die Grenze der UdSSR ( bzw . GUS ) und werden vom chen Personal kontrolliert , das schon seit Jahren dort tätig ist . Auf die Tatsache neuer Staatsgrenzen wird man zumindest bei senbahnfahrten bislang noch nicht durch Hoheitsakte litauischer oder lettischer Staatsorgane aufmerksam gemacht ; aus der Sicht des nachtschlafsuchenden giers eine durchaus angenehme Regelung . 
Nur auf der Rückfahrt erlebten wir auf dem Hauptbahnhof von Vilnius eine tion litauischer Grenzkontrolle , die sich lerdings für nicht aus Polen oder gen Sowjetrepubliken stammende Reisende als belanglos erwies . Anders gesagt , sie schränkte sich auf das Stempeln der ausweise durch den litauischen Zoll . Zwar hat Litauen inzwischen Kupons für die mische Bevölkerung als vorläufigen Ersatz für eine eigene Währung eingeführt , aber faktisch wird nach wie vor in allen schen Republiken noch in Rubel gezahlt und abgerechnet . 
Die Bevölkerungen und ihre politischen Vertreter suchen die Sowjetarmee so gut es geht zu ignorieren , aber die Truppen sind tatsächlich immer noch in großer Zahl im Lande und machen bislang auch gar keine Anstalten , die baltischen Staaten zu verlassen . 
Und schließlich ist da die ganz persönliche rung : Unsere schen Voranmeldungen wurden über das sche Netz abgewickelt und noch am Tage , als die baltischen ken in die keit entlassen wurden , stellte die sowjetische sastelle in Berlin - Dahlem ein Visum für Riga und Vilnius aus , das übrigens in beiden Ländern standslos akzeptiert und - siehe oben - mit deseigenen Stempeln versehen wurde . 
Winter bereits der mangels Gefäßen auf Bierflaschen gezogene Wodka oder brand im öffentlichen Verkauf , ebenso die billigen einheimischen Zigarettensorten . Bei Besuchen unserer Freunde war freilich festzustellen , daß offenbar jeder über seine privaten Kanäle verfügt , um seine cher , der sprichwörtlichen baltischen freundschaft entsprechend , zu alimentie - ren . Und dabei stößt der Besucher unweigerlich auf eine zweite Seite : In den Valutaläden und - Restaurants ist das bot uneingeschränkt wie in alten Zeiten und auf den freien Märkten gibt es alles zu kaufen , wenn man bereit ist , dort die überhöhten Rubelpreise zu zahlen . Im von uns besuchten Kooperativen - Restaurant im lettischen Sigulda bogen sich die Tische radezu unter erlesenen Delikatessen , die auch einem deutschen Lokal alle Ehre ge - 
Lenin - Denkmai in Vilnius , Litauische SSR ( Nov . 1989 ) . . . . und im unabhängigen Litauen ( Sept . 1991 ) 
Die Versorgungslage 
In Riga und Vilnius hat der Besucher gemischte Eindrücke : Von einem anstehenden winter ist nichts zu ken . Allerdings ist vieles , was im Mai 1991 in den staatlichen Läden boten wurde , inzwischen nicht mehr zu ben . Brot , eingemachter Kohl , Fisch , gentlich ein oder zwei Sorten Käse , seltener Wurst - und Fleischerzeugnisse fanden sich in den Geschäften ; andererseits fehlten im 
macht hätten . Die Preise für ein menü betrugen für unsere Verhältnisse zwei bis drei Mark , für Einheimische sind freilich Preise von dreißig bis fünfzig Rubel auf die Dauer unerschwinglich . Anderer - 
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