KOLUMNE
BJÖRN ENGHOLM :
Fahr'n , fahr'n , fahr'n auf der Autobahn
Reinhold Wulff
Müde schleppt sich der Wahlkampf In Schleswig - Holstein hin . Für Aufregung sorgt am meisten noch die Bundes - SPD mit ihren Querschlägen und ihrem Vorstoß , Björn holm schon vor der Landtagswahl zum Kanzlerkandidaten für 1994 zu küren . Die Hektik , Spannung und Feindseligkeit des letzten , ter dem Eindruck der Barschel - Affäre geführten Wahlkampfes spürt man heute nicht . Ottfried ( Who ? ) Hennig ist als Gegenkandidat so blaß , daß selbst schleswig - holsteinische CDU - Anhänger nicht sen , für welches Programm er steht . Die graue Belanglosigkeit des Wahlkampfes wird nur mäßig bunter durch einige Konfliktpunkte wie die Abschaffung der Zeugnisnoten oder die Zulassung zum Studium ohne Abitur . Ein Thema rückt dadurch ins feld , das auch für uns als Beobachter des nordischen und mare baltischen Raums wichtig ist : Die geplante Ostseeautobahn A 20 mit Anbindung an Lübeck .
In den Wahlkampf vor vier jähren ging die SPD noch mit der Forderung : Keine neuen Großprojekte im Straßenbau ! Schon vor der Vereinigung aber besann man sich eines anderen . Der Ministerpräsident aus Lübeck stellte sehr schnell fest , daß die Deutsche Bundesbahn für die nur 80km lange Strecke von Kiel nach Lübeck in der Regel etwa neunzig Minuten benötigt . Fast alle Züge halten nämlich auch in den schönen Kurorten der steinischen Schweiz und zudem muß jeweils der Gegenverkehr gewartet werden . Diese Bahnstrecke zwischen den beiden größten Städten Schleswig - Holsteins ist nämlich einspurig . Nun dachte man in der schleswig - holsteinischen SPD - Regierung nicht etwa daran , dem Herrn Ministerpräsidenten eine schnellere Bahnverbindung zu verschaffen . Man vergaß , wie wir Wählervolk es ja gewohnt sind , die Sprüche im Wahlkampf und versorgte das ländliche Holstein mit dem vierspurigen Ausbau der Bundesstraße zwischen Kiel und beck . Es raucht sich halt im Auto besser Pfeife als in der Bahn .
Ähnlich erging es dem unsinnigen Prestigeprojekt Flughafen Kiel - Holtenau . Natürlich braucht eine Landeshauptstadt einen fen , schon Uwe Barschel war ja gern geflogen . Zwar lohnt sich ses Unternehmen kaum , die Flugverbindung nach Kopenhagen ( die Björn Engholm mit seinem auch im Nordeuropaforum tierten Hang nach Norden doch besonders am Herzen liegen te ) wurde längst wieder eingestellt , die nach Bonn und Berlin waren schon am Ende bis dann Björn Engholm zum SPD - Vorsitzenden wählt wurde und auf dieses schnelle Fortbewegungsmittel zwischen Kiel und Bonn ( und seit der Regierungssitzentscheidung auch lin ) angewiesen zu sein glaubt . Busse und Bahnen für den Nahver -
lin ) angewiesen zu sein glaubt . Busse und Bahnen für den kehr ? Die SPD Schleswig - Holstein setzt trotz anderer Parolen de facto wohl mehr auf Mercedes - Stern und Lufthansa - Kranich .
Zu welchem Nutzen also eine neue Magistrale am südlichen Rand der Ostsee ? ( Engholms Verkehrsminister Froschmaier behauptete in einer Rede zur Autobahn übrigens : „ Björn Engholm prägte den griff Mare Baltikum " - Leser unserer Zeitschrift wissen , daß dieser griff einige hundert jähre älter als der Ministerpräsident ist . ) Über dreißig Bürgerinitiativen , mehrere Gemeinden und deren ster wehren sich inzwischen gegen den Bau einer Autobahn , die , wie
auch von allen Parteien zugegeben , wertvollste ökologische Gebiete ten würde . An mehreren Uferstellen der Trave stehen deshalb auch Schilder : treten verboten . Die Autobahnbauer werden diese Schilder als erstes reißen . Selbst der Bund Junger nehmer protestiert gegen die Autobahn und weist , wie auch BUND und peace , darauf hin , daß stadtnahe bahnen regelmäßig zu Staubildungen führen , da auch Pendler und sten diesen Verkehrsweg nutzen und nicht nur der West - Ost - Fernverkehr . Herr Froschmaier hingegen behauptet das Gegenteil : Keine Autobahn sei eine variante . Herr Froschmaier betätigt sich auch auf anderem Gebiet als Wahrsager und sagt den baldigen EG - Beitritt von Norwegen und Finnland voraus . Auch hier wissen Nordeuropaforum - Leser mehr .
Warum also die Autobahn ? Angst , im Wettbewerb mit burg - Vorpommern zu gewinnen ? Industrieansiedlungen oder neue Fährverbindungen nicht einfangen zu können ? Hoffnung , mit dem direkten Anschluß an die erträumte Via Baltica den Kampf um die Rolle als Hauptstadt des EG - Nordens ( so eine Spekulation von Thord Erasmie in Dagens Nyheter vom 27 . 4 . 1991 ) gegen Stockholm oder Rostock zu verlieren ? Ich kann hier wieder den Wirtschafts - und kehrsminister zitieren : " Hier gab es bisher nur unbefriedigende worten . " ( Rede auf der 91 . Sitzung des Landtags )
Dieses Heft wird erscheinen , wenn die politische Entscheidung reits gefällt ist . Aber der Wahlkampf wird noch stattfinden . Vielleicht fragt man im Landeshaus Kiel einmal nach , was aus der Förderung von ÖPNV , Bahn und Schiffsverkehr in den letzten vier Jahren den ist . Für die A 20 sind 3 , 19 Milliarden DM geplant . Bei diesen sten verwundert es nicht , wenn selbst das offizielle Organ " Der tag Schleswig - Holstein " feststellen muß : " Dabei mehren sich in der Bevölkerung die Stimmen , die einen völligen Verzicht auf die Autobahn fordern . "
NORDEUROPA
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