BERICHTE & ANALYSEN
migkeit durch das Erzähltempo . Es verläuft merkwürdig synchron zum Tempo des des dessen Untergang er beschreibt , zur Ruhe in jenem Wartesaal DDR , in dem Zeit nicht gleich Geld hieß , in dem die Leute noch Zeit hatten , sich umeinander zu mern , in dem man noch Tango tanzte , als der Tanz ums Goldene Kalb schon längst begonnen hatte .
Insofern liegt etwas Nostalgisches über dem Text , und Landin scheut sich nicht , sich zu den guten Seiten der DDR zu kennen . Nach verstreuten Wanderungen durch den Osten Berlins im November 1991 ist er sich sicher : „ Früher war es ser . " Und als ihm auf der einst fast berührten Insel Rügen der Camel - Sonnen - schirm und die neu eröffnete Pizzeria entgegenleuchten , entschließt er sich schweren Herzens , nie mehr dorthin zu fahren : „ Ich will die Erinnerung an mein tes Rügen behalten . "
Derartige Bekenntnisse suggerieren Nostalgik . Doch eine solche ist Landin fremd . Ihm geht es um ein bei aller lichen Färbung gerechtes Bild , das tigkeiten meidet . Post festum schreibt er : „ Die DDR war nicht nur eine stalinistische Kommandodiktatur mit schießwütigen Grenzposten , sondern auch ein Land , in dem die Mehrzahl der Menschen ganz mal lebte . Es war nicht nur ein sowjetischer Satellitenstaat , sondern auch ein Stück Deutschland mit Wurzeln sowohl in der Kommunistischen Partei der Weimarer publik und des Preußentums der Kaiserzeit . Es bestand nicht nur aus steifen tionären und hurraschreienden den am Ersten Mai , sondern beherbergte auch oppositionelle Nischen und ren . Es war nicht nur eine hierarchische ziehungsanstalt , die Anpassungswillen und unkritisches Denken belohnte , sondern auch ein Kulturland mit vielen den Schriftstellern . "
Gerade letzteres Thema nimmt wie in seinen bisherigen Arbeiten auch in „ Sista tangon . . . " den breitesten Raum ein . din edierte 1982 in Göteborg eine Lyrik - und Prosaanthologie mit Texten kritischer DDR - Autoren ; sein 1989 herausgegebener Essayband „ Tyska samtal - en resa genom fyra litteraturer " machte herangereifte dingungen für einen Gesellschaftswandel in der DDR einsichtig .
Hier nun zeigt er Momentaufnahmen vom letzten DDR - Schriftstellerkongreß im März 1990 , befaßt sich mit dem Schicksal des Stalinismus - Opfers Walter , sucht Falladas Witwe Anna Ditzen kurz vor ihrem Tode in Feldberg , analysiert stellerzeugnisse über frühere lung und zieht Parallelen von der DDR - zur schwedischen Literatur . Ein informativer Anhang verzeichnet die in Schweden schienenen ca . sechzig Werke der DDR - teratur - auch dies ein Forschungsfeld Lan - dins , der 1990 mit einer Arbeit zur Rezeption deutscher Literatur in Schweden promovierte .
Vierzig Jahre DDR läßt Landin in einem Gespräch mit Stephan Hermlin Revue sieren - dieses Gespräch zählt in seiner nerationen überbrückenden und te anschaulich machenden Einfühlsamkeit zum überzeugendsten des Buches . Ein teil , das ebenso für den Beitrag „ Christa Wolf och kritiken " ( Christa Wolf und die
Sista tangon i DDR . ETT PS ( Der te Tango in der DDR . Ein PS ) . Brutus Östlings Bokförlag Symposion AB . Stockholm / Stehag 1992
Kritik ) gilt . Die westdeutsche Kritik , die aus ihrem früheren Freiheitsengel heute eine Mitläuferin macht , ist nach Landin nicht mehr wert als jene Literaturkritik in deutschland , die permanent die Freiheit der Dichtung bedrohte . Was bleibt , sind Christa Wolfs und die Werke anderer deutscher Autoren , und mit ihnen „ die Würde einer vergangenen Zeit " , die mit den 500 Tonnen verbrannter Bücher auf Leipziger Müllhalden des Jahres 1992 nicht das geringste gemein hat .
Abgesehen von Moeller / Maaz' „ Die heit beginnt zu zweit " kenne ich kein Buch zum Thema deutsche Einheit , das mir so nahe geht und aus dem Herzen spricht wie dieses . Nur ein einziges Mal fühlte ich mich zum Widerspruch herausgefordert : als der Verfasser die 1989er „ Leihe " von satten 100 Millionen Mark aus dem fonds der DDR - Einheitsgewerkschaft FDGB an die „ minder bemittelte tion FDJ " als Bagatelle darstellt . Nie hätte ich - und viele andere mit mir - auch nur einen Pfennig für die alljährliche Jubelparty der FDJ zur Selbstbefriedigung der tonköpfe im Politbüro gespendet . Wohl
aber gaben wir einen nicht geringen Teil unseres bescheidenen Gehaltes lich für die Solidarität mit der Dritten Welt . Dieses Geld wurde ohne unser Wissen für die endlosen Aufmärsche der FDJ det , die einen faden Geschmack von ter - Reich - Hörigkeit hinterließen : Betrug an uns und an den Hilfsbedürftigen der ten Welt .
In seiner Nachschrift entschuldigt sich Landin dafür , die Ereignisse nicht aus der Perspektive des heutigen Tages geschildert zu haben . Ich meine , daß es einer solchen Entschuldigung nicht bedarf . Das Nach - denklich - Abwägende seiner Darstellung kontrastiert mit einem Einigungsprozeß , der mit einer Paraphrase auf das Ulbricht - Motto „ überholen ohne einzuholen " länglich charakterisiert werden kann : stürzen ohne einstürzen . Zahlen wie jene , wonach die reale Arbeitslosigkeit in deutschland heute 40 Prozent beträgt ( Der Spiegel 34 / 1992 ) , es 82 Prozent der Frauen heute deutlich schlechter geht als vor der Wende ( „ Freitag " 23 / 1992 ) und die burtenrate im Osten 1991 um 39 Prozent zurückging , machen Landins Wertungen aktueller denn je . Sein Buch sollte stens ins Deutsche übersetzt werden .
BARENTSREGION :
Abschied von der Peripherie
Die europäischen Staaten stehen bei der Verwirklichung ihrer Außen - und Sicherheitspolitik fundamental neuen Rahmenbedingungen ber . Diese Situation führt zu sätzlichen Fragen über die Rolle der nordischen Länder im neuen Europa .
Helga Hernes
Die Drohung eines umfassenden Angriffs auf Westeuropa existiert nicht mehr . Gleichzeitig aber sind an die Stelle des ten Drohbildes aus dem Kalten Krieg neue Risikofaktoren getreten . Die neue sche Sicherheitsarchitektur , die aus vielen verschiedenen Organisationen besteht , ( wie zum Beispiel der NATO , der WEU , der
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NORDEUROPA
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