Zum anderen wird trotz des schaftspolitischen Umbruchs in Osteuropa , einschließlich des Untergangs des mandosozialistischen Systems der union , das militärisch motivierte Interesse und Mißtrauen des Westens gegenüber ihren Nachfolgestaaten in Gestalt der GUS - vor allem gegenüber Rußland - ganz fenkundig aufrechterhalten . Wie anders sollten wohl die durch diesen stoß ruchbar gewordenen geheimen sionen amerikanischer U - Boote im biet vor Murmansk gedeutet werden ?
Von dieser sicherheitspolitischen „ Logik " vermögen sich anscheinend auch die außenpolitischen und militärischen Eliten in den Staaten Nordeuropas nicht ohne teres zu lösen .
Der ( fast schon mit Bedauern te ) Wegfall der angeblichen Kalkulierbarkeit der vormaligen Militärblockstrukturen in Europa dient nunmehr als Legitimierung für das lediglich modifizierte nationale drohungsbild der jeweiligen nordischen Länder .
So wird in weitgehend der Weise sowohl von Schweden und land als auch von den nordischen NATO - Mitgliedstaaten zwar der Rückzug des malig sowjetischen Militärpotentials um 600 - 900 km in östlicher Richtung - sondere im Zusammenhang mit den einbarten Regelungen zur deutschen dervereinigung - als klare sche Stabilisierung für die Situation in Zentraleuropa begrüßt . Zugleich wird doch beklagt , daß die in Mitteleuropa mit der bis 1994 schrittweisen Rückführung der ehemaligen Sowjettruppen verbundene Entspannung zu Lasten der nordischen cherheit gehe . Besonders mit Blick auf land wird auf eine unausbleibliche Nord - wärts - Konzentration konventionellen und nuklearen Militärpotentials im näheren Umfeld der Staaten Nordeuropas sen . Die größten Irritationen rufen das ballte nuklearstrategische Potential auf der Halbinsel Kola , der bis in die zweite Hälfte der 90er jähre vorgesehene Fortbestand der Stationierung russischer Truppen im Baltikum , sowie das Wiedererstehen nalistischer Ambitionen vor dem grund wachsender sozialer und ethnischer Konflikte auf dem Gebiet der GUS hervor . Unter letzterem Aspekt verweist man teren gern auf den russischen Populisten
Shirinowski . Immerhin forderte dieser die Wiederherstellung des Großfürstentums Finnland im Rahmen Rußlands , das 1917 im Ergebnis der Oktoberrevolution aus dem russischen Zarenreich von Lenin in die staatliche Unabhängigkeit entlassen den war . Auch halten Sicherheitsexperten ein Wiederaufleben traditioneller machtrivalitäten zwischen Rußland und den USA für nicht undenkbar . In einem derartigen Fall seien die nordischen Länder in einer besonders exponierten und prekären Situation , da sie sowohl zu Lande und Wasser als auch in der Luft in das tegische Interessenfeld dieser beiden Mächte geraten würden . Ein ler oder nuklearer Schlagabtausch zwischen den USA und Rußland würde unweigerlich auch eine zivilisierte Weiterexistenz für die Bewohner der europäischen Nordregion in Frage stellen .
Damit all dies nicht geschehe , werden die Hoffnungen letztendlich wieder mal auf die „ bewährten " Rezepte der litärischen Abschreckung gesetzt . Deren militärische Fragwürdigkeit steht nicht zur Disposition , wichtig bleibt allein die rantie für einen möglichst ten Fortbestand von Militärwesen und stungsprofiten . Die Perspektive einer teidigungspolitischen Zusammenarbeit im Rahmen der auf dem Maastrichter EG - Gipfel vom Dezember 1991 ins Auge faßten Europäischen Union inspiriert fenkundig auch in Nordeuropa eine wachsende Zahl von Politikern , Militärs und Wirtschaftskapitänen . Von den rungen der bisher neutralitätsorientierten Staaten Schweden und Finnland , die mehr um EG - Mitgliedschaft nachsuchen , wird dieser Trend hinter vorgehaltener Hand im Grunde genommen längst zeptiert .
Für ein Primat sozialer und cher sowie ökologischer und humanitärer Argumente im Sinne eines komplexen cherheitsverständnisses scheinen die chen der Zeit auch im Norden Europas nicht allzu gut zu stehen .
Gregor Putensen ist Professor für Politikwissenschaft in Creifswald .
Rezension :
Tango im Wartesaal
Frank - Michael Kirsch
Vorliegendes Buch erschien in den am zweiten jahrestag der schen Vereinigung . Es beschreibt , erinnert und verlängert einen Abschied . Der letzte Tango , getanzt vom wohl besten Kenner der Literaturszene des gewesenen Landes DDR : er findet statt , als die Gäste schon am Gehen , die Musiker beim Einpacken sind und die Veranstalter erste Vorbereitungen für die Superschau Deutsche Einheit fen .
jene Zeit vom Zusammenbruch der alten DDR bis zur Taufe von Neufünfland erlebte ich in Greifswald , Leipzig und Berlin als nen Strudel von Ereignissen , der einen jäh mitriß und nicht selten das eigene Denken lähmte . So ging es vielen , und die eilig fertigten Artikel , Broschüren und Bücher über jene Tage machten die Sache nicht besser . Die Turbulenz und Rasanz der ge war von viel zu großem Reiz für den kumentaristen , die eingefangenen Bilder en masse und häufig noch unbearbeitet an Betrachter und Leser vorbeizuhetzen .
Landin läßt sich nur einmal und noch dazu recht widerwillig mitreißen - am gen nach jenem Abend , an dem die Mauer fällt , besteigt er im Auftrag des teurs von Dagens Nyheter den D - Zug Stockholm - Berlin . Zwanzig Stunden später , nachdenklich und mit fragendem ausdruck vor dem Brandenburger Tor hend , ahnt er : „ Dieses historische Ereignis läßt sich nicht übersetzten . Es ist nur dem zugänglich , der seit jahrzehnten hinter ser Mauer lebte . "
In den hier gesammelten Artikeln und says über Deutschland Ost , entstanden ab November 1989 bis Dezember 1991 , wiegt denn auch ein zurückhaltender , wägender Ton . Wiederholt habe ich mich beim Lesen gefragt , wo die geradezu glaubliche Stimmigkeit dieses Buches herrührt , wahrt sein Verfasser doch zum rasch wechselnden Stimmungsbarometer jener Tage - himmelhochjauchzend , zu Tode betrübt - eine fast schon unterkühlt zu nennende Distanz . Landin schafft Stirn -
Nr . 4 , 1992
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