Finnlandschweden :
„ Andere Sorgen "
Die Feiern zur 75jährigen gigkeit Finnlands sind für die landschweden kein Anlaß , sich über ihre Stellung als Minderheit zu schweren . Dagegen könnte die zeitige Wirtschaftskrise die Stellung des Schwedischen in Finnland fährden .
Monika Specht - von Bonsdorff
Dieses Jahr ist das Jahr der Jubiläen , wenn auch der 75 . Jahrestag der publik Finnland wesentlich bescheidener daherkommt als die fünfhundertste derkehr der Entdeckung Amerikas . noch würde man gern Vergleiche anstellen . Immer wieder konnte man in den gen Berichte lesen über Gegen - und nativveranstaltungen , auf denen nische Indianer und andere Minderheiten , die ihre Existenz nicht auf aktive „ Eroberer " zurückführen können , ihren eigenen , von der offiziellen Hurra - Stimmung den Standpunkt zu der Entwicklung nach 1492 zu finden suchten . Gilt Ähnliches auch für die schwedischsprachige heit in Finnland ? Verhält diese Gruppe sich ambivalent oder gar kritisch den offiziellen Feierlichkeiten und Festreden gegenüber ? Gibt es eigene Veranstaltungen , bemüht man sich , die eigene Rolle in den 75 Jahren der Selbständigkeit Finnlands ben ? Um es gleich vorweg zu sagen : Der Vergleich hinkt von vornherein .
Die schwedischsprachige Bevölkerung Finnlands - auch im Deutschen wird sich inzwischen der Begriff „ Finnlandschweden " eingebürgert haben - unterscheidet sich weder nach genetischen noch nach gen kulturellen Merkmalen von der rität im Lande , sondern nahezu lich durch ihre sprachliche Zugehörigkeit . Finnische Soziologen ziehen es deshalb vor , von einer sprachlichen statt von einer nischen Minderheit zu sprechen . dem genießt diese im europäischen gleich kleine Minorität - die schweden machen nunmehr knapp 6 Prozent der Gesamtbevölkerung aus - fassungsmäßige Rechte , die in anderen
Ländern als vorbildlich angesehen werden . Nicht umsonst gelten finnlandschwedische Vertreter in den sich neu formierenden tionalstaaten im ehemaligen Ostblock als Experten , wenn es um die normierte lung nationaler Minderheiten geht ; an Brandt , erster Sekretär des „ Svenska Fin - lands Folkting " , einer Art Mini - Parlament zur Vertretung finnlandschwedischer essen , war z . B . in diesem Jahr zu einem internationalen Symposium in Timisoara , Rumänien , über Demokratie und rechte als Sprecher geladen . Allerdings sind einige dieser Rechte auf spezifisch finnische historische Konstellationen zurückzuführen und sicher nicht ohne weiteres auf andere Länder zu übertragen .
Der oben begonnene Vergleich läßt sich nur mit angestrengter Gedankenakrobatik weiterführen : Man stelle sich vor , das Ge -
Finnen und Finnlandschweden
biet der Vereinigten Staaten von Amerika beschränke sich auf Neuengland . Erst zu Beginn dieses Jahrhunderts hat das kleine Land seine endgültige Unabhängigkeit halten ; bis dahin war Englisch die offizielle Landessprache , in der gelehrt , verwaltet , Handel betrieben wurde . Angehörige der indianischen Urbevölkerung , die in diese Bereiche aufsteigen wollten , mußten ihre Muttersprache und somit einen Teil ihrer Identität aufgeben und englische Namen annehmen . Die angelsächsische Besiedlung erfolgte früh , war bald beendet und schränkte sich weitgehend auf den streifen ; noch heute gibt es dort Gebiete , in denen fast ausschließlich Englisch sprochen wird . Die führende Schicht tierte ihre Mitglieder nur zum Teil aus ser traditionell lebenden Bauern - und
scherbevölkerung , Experten aus dem lischen Mutterland , Indianer und Zuwande - rer aus diversen anderen europäischen dern , meist mit Urbanen Berufen , gesellten sich dazu . Aber auch die englischsprachige Landbevölkerung lebte keinesfalls in ger Isolation von der Urbevölkerung , sodaß es infolge der Vermischung bald kaum noch möglich war , beide Gruppen anhand äußerer Merkmale voneinander zu scheiden . Die unterschiedlichen Sprachen und einzelne Sitten und Gebräuche blieben die Mittel , mit denen sie sich voneinander abgrenzen konnten . Schließlich erfaßte aber auch die Indianer die Mode , sich als geschlossene Nation aufzufassen , stigt dadurch , daß es bereits seit der mation Ansätze zu einer indianischen Schriftsprache gegeben hatte . Der lismus verstärkte sich noch in den hundert Jahren vor der Unabhängigkeit , als england infolge eines Krieges vom land getrennt und von einem anderen , sentlich fremderen Land verwaltet wurde . Eine Eigenart dieser Bewegung ist die sache , daß sie in nicht unerheblichem fang auch von Personen getragen wurde , die kein Wort „ Indianisch " sprachen - ge von ihnen gingen aber so weit , die Sprache nicht nur zu erlernen , sondern sie auch ausschließlich zu benutzen und ihre englischen Namen in indianische zu tragen . Obwohl sich die Angelsachsen nun plötzlich in der ungewohnten Situation ner Minderheit befanden und sich auch erst formieren mußten , gab es für sie lich eigentlich keinen Grund , die gigkeitserklärung nicht in gleichem Maße zu tragen wie die Majorität .
Aber der Vergleich ist trotz aller schen Eingriffe weiterhin an den Haaren beigezogen . Die nomadisierende indianische Urbevölkerung läßt sich nicht mit den seßhaften und mit der Völkerwanderung eingedrungenen Finnen vergleichen , das Verhältnis zwischen Schweden und Finnland war in der langen Zeit der Abhängigkeit ein wesentlich engeres und res als das zwischen England und seinen überseeischen Besitzungen . Die Situation der Finnlandschweden ist letztendlich unik . Ihre Sprache ist gesetzlich nicht die einer rität , sondern zweite Landessprache . Jedes Gesetz , jede Verordnung , jeder akt ist folglich in zwei Sprachen ausgeführt , im Kontakt mit staatlichen Stellen hat die schwedischsprachige Bevölkerung das Recht , ihre Muttersprache zu benutzen . In
Nr . 4 , 1992
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