schaft mit Napoleon wich schnell dem Mißtrauen . So unterstützte der Zar Schweden bei dem Erwerb Norwegens , das von Dänemark abgetrennt wurde , und gab die ein Jahrhundert früher eroberten te um die alte Festung Wiborg an das Großfürstentum Finnland zurück - so wie er vielleicht Wilna wieder an Polen geben könnte . Ein neutrales Schweden und ein Polen , das Rußland nicht feindlich genüberstand , waren der Effekt der schen Finnlandpolitik und zugleich der Rahmen für Finnlands Wohlergehen halb des russischen Einflußbereichs - mals , und wohl genauso noch heute .
Die Beamten des Großfürstentums teten aber von Anfang an zäh daran , daß Finnland so regiert wurde , als habe der I . tatsächlich die schwedische sung bestätigt . Hier zeigte sich , was eine gute Theorie wert war . Langsam bildete sich nämlich ein Gedankengebäude heraus , mit dem die Lehre vom Staat Finnland über den Finanzstaat hinausging . Nur dann blieb die Auslegung dieser Gesetze in der Hand der Rechtsgelehrten und Beamten Finnlands , war jede neue Errungenschaft für Finnlands Eigenständigkeit bar festgeschrieben . Richtig in Schwung gekommen war dieser Prozeß dann mit den regelmäßigen Landtagen , die der II . , der Held auf dem eingangs schriebenen Denkmal , ab 1863 einberief . Er hatte nach dem Schock der Krimkrieg - Niederlage in seinem ganzen Reich men angesagt - und es ging ihm ähnlich wie Gorbatschow : Die nichtrussischen biete sahen auch in der Perestroika von mals vor allem ein Mittel , sich vom Reich abzusetzen . Die Finnen legten ein tempo vor , das in wenigen Jahren die Basis für einen modernen bürgerlichen Staat mit Eisenbahnen , Gewerbefreiheit und Schulen schuf . Der Zar war froh , wenigstens in nem Teil seines Reiches keine Querelen zu haben und prüfte alle Vorschläge lend nach dem Motto „ Warum eigentlich nicht ? " statt von russischem se her zu fragen : „ Warum eigentlich soll Finnland schon wieder eine lung haben ? " Als der Zar dann hoffte , land werde die allgemeine Wehrpflicht , die er in Rußland einführte , auch akzeptieren , bekam er von den Ständen nur die mung zu einem Gesetz , das eine völlig parate Armee vorsah , die außerhalb lands nicht eingesetzt werden durfte . Dafür paradierte sie , wenn Denkmäler für Siege
der Schweden über die Russen aus dem Krieg von 1808 enthüllt wurden . Der sche Staat hatte nun die letzte Zierde langt : eine Armee und einen krieg zur vaterländischen dung !
Dieser Erfolg war freilich nicht unverdient für die finnische Nation . Die Russen hatten 1808 / 09 den Widerstandswillen und die tief verwurzelte Antipathie der gesamten Bevölkerung doch so deutlich erfahren , daß es ihnen immer ratsam erschien , lieber den „ vernünftigen Politikern " ausreichend weit entgegenzukommen , als neben jede finnische Hütte einen russischen Posten und hinter jede Schäre ein Kanonenboot
Denkmal für Zar Alexander II . ( 1855 - 1881 ) auf dem Senatsplatz in Helsinki .
stellen zu müssen . Zu dieser gie gehörten aber auch disziplinierte sche Politiker , mutig genug , mit der friedenheit des Volkes zu drohen , aber klug genug , sie nie auf die Probe zu stellen .
Aber taktisches Geschick allein war nicht der Schlüssel des Erfolges . Auch die Deutschbalten waren loyal zu Rußland , pflegten ihre Verbindungen nach St . tersburg - und doch wurde ihre waltung ab 1881 abgebaut . Ein Grund war , daß in der entscheidenden Phase die Esten und Letten auf die Russen als Befreier und Reformer setzten und sich gegen die Deutschen ausspielen ließen . In Finnland dagegen hatte Snellman gerade der dischsprachigen Bildungsschicht fen : „ Schweden sind wir nicht mehr , sen wollen wir nicht werden , also laßt uns Finnen sein ! " Kein Dorpater Professor , kein livländischer Pfarrer - und hätte er noch so viele Volkslieder gesammelt - hätte sich je
auffordern lassen , sich als Lette oder Este zu fühlen . So blieb die baltische Autonomie der Staat der Herren , dessen Untergang mit Gleichmut betrachtet wurde . In land aber fand die russische Politik , so sehr sie zeitweise die Gleichberechtigung der finnischen Sprache förderte , niemals einen echten Bundesgenossen . Die finnische tei wollte diesen allmählich gewachsenen Staat für ihre eigenen Ziele , und deshalb mußte er intakt bleiben .
Die selbstbewußte Nation
Und so stellte sich heraus , daß die nen , die die Petersburger Oberschicht in ihren Reiseberichten als so arm und ehrlich dargestellt hatte , in einem knappen hundert zu einer selbstbewußten Nation geworden war , die sich lieber auf phen einer Verfassung als die Wohltaten des Zaren verlassen mochte . " Die sung Finnlands " , hatte zwar ein finnischer Politiker gemahnt , „ ist wie das Verhältnis eines verheirateten Mannes - alle wissen darüber Bescheid , alle tolerieren es , und je weniger man darüber redet , desto cher leben alle Beteiligten miteinander . " Aber das ging nicht unbegrenzt so weiter , denn aus diesem Verhältnis wuchs der nische Staat , erfolgreich , dynamisch , bersehbar mit seinem eigenen Geld , seinen eigenen Soldaten , seinen eigenen stellungspavillons - wie wenn dies se Verhältnis von diesem verheirateten Manne plötzlich schwanger geworden wäre . Und man redete darüber : Leo Me - chelin schrieb in der Weltsprache sisch ein Buch über Finnlands Verfassung , als wenn sie bestätigt worden wäre - er war nicht nur Professor , sondern auch ker und wußte , daß die Bonität seines des für internationalen Kredit von einer schriebenen Verfassung abhing - und wenn er sie selber schreiben müßte !
Nun schaute Mütterchen Rußland doch sehr zornig , was ihr Mann , der Zar , dem jungen blonden Ding in ihrem Haus gönnte und ihr selbst vorenthalten hatte . Ein Zar mit einem dicken Fell wie der III . bekam die Situation noch einmal den Griff : er schaffte die finnischen marken ab , über die sich die Petersburger Touristen so ereifert hatten , signalisierte nach Finnland „ Ende der Fahnenstange " für weitere Konzessionen an den anspruch und hörte sich das Gezeter in
Nr . 4 , 1992
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