von oben , daß die Zeitung so aussieht . Aber das ist eine andere Geschichte .
Zum ersten Mal hat mein Schreiben Sinn und Zweck , und ich schreibe , daß Thorilds Grabstein so schnell wie möglich der Pflege bedarf . Um selber etwas Freude an dem Artikel zu haben , zitiere ich rilds Worte über „ den deutschen kel Greifswald " und , um deren Aktualität zu verdeutlichen , schreibe ich in mern „ Thorild 1796 " dazu .
Drei Wochen später werde ich zur teileitung der Universität bestellt .
Vor mir sitzt eine der bezahlten sekretäre , vier Jahre später Professorin für Politikwissenschaft . Ich habe draußen was eingekauft und halte ein Einkaufsnetz mit Brötchen in der Hand . Sie chen das Absurde , das während der genden Minuten passiert . Ich zitiere aus meinem damaligen Protokoll , unmittelbar nach der Audienz geschrieben .
„ Haben Sie eigentlich nachgedacht , als Sie für die Zeitung schrieben ? " „ lich , ich finde , daß es am schlimmsten ist , wenn man nicht nachdenkt , wenn man schreibt . " „ Da haben Sie recht . Also , Sie haben damals nachgedacht ? " „ Ja . Ich möchte , daß Thorilds Grabstein gepflegt wird . " „ Und Sie meinen , daß es der ge Weg war , darüber in dieser Zeitung zu schreiben ? " „ Ob es der richtige Weg war , weiß ich wirklich nicht , aber alle anderen Wege haben ja keine Wirkung gezeigt und Professor Arvidson beabsichtigt nun , die Schwedische Akademie zu informieren . " „ Das ist interessant , aber halten wir uns an die Fakten . Die Sache ist nämlich die , daß es einen innenpolitischen und einen außenpolitischen Fehler in der Zeitung gab . Für den innenpolitischen Fehler sind Sie nicht verantwortlich , dagegen aber für den außenpolitischen . Leider sahen wir den Fehler zu spät und waren gezwungen , die Zeitung in die Papiermühle zu schicken . Kosten : 4 . 000 Mark . Ihr Fehler kostete also 2 . 000 Mark . Aber die müssen Sie nicht bezahlen . "
„ Ein außenpolitischer Fehler ? mühle ? 2 . 000 Mark ? Ich verstehe nur nicht . . . " „ Sie wissen doch , daß wir im Mai Staatsbesuch von Olof Palme men ? " „ Ja . "
„ Wenn er nun die Universitätszeitung liest und erfährt , in welchem Zustand sich der Grabstein befindet . . . " Ich kann nicht anders , als laut zu lachen . Olof Palme , der den Uni - Bummi liest . Lächerlich .
dität hoch zwei . Aber ich muß wohl das Gedankenmuster akzeptieren und so sage ich : „ Da wird er sich sicher freuen , wenn er liest , daß wir uns so sehr um diesen ten Schweden kümmern . "
„ Wir sitzen nicht hier , um über nen von Politikern zu spekulieren . Haben Sie zu dem , was Sie getan haben , etwas zu sagen ? " Langsam begreife ich , daß das Ganze bitterer Ernst ist . Sie hatten das in der Partei - und Universitätsleitung tiert . Der Redakteur hatte sein Fett bekommen . Und nicht für das kleine che Zitat , begriff ich - das war ja der manist Thorild , der das gesagt hatte - über völlig andere Zeiten . . .
Ich hätte Bußfertigkeit und Respekt gen müssen , konnte es aber nicht , das surde der Situation hielt mich gefangen . Nur ein Blick auf meine Brötchen im kaufsnetz reichte aus , um alle keit zu zerstören . Weil mir nichts besseres einfiel , fragte ich , ob sie denn ein plar der nun eingestampften Zeitung säße . Die Antwort war einfach und schön , mit den leicht errötenden Wangen fast sympathisch natürlich : „ Ja . "
Ich konnte es nicht lassen , ihr zu sagen : „ Dann heben Sie sich das auf . Vielleicht wird es einmal wertvoll . " Ich gebe zu , daß ich anschließend unruhig wurde . Die surdität ist unberechenbar . Zwei sammlungen fanden am Institut statt , zu der von der Parteiorganisation nen wurde ich eingeladen . Vor fünfzig Teilnehmenden tobte der verantwortliche Sekretär eineinhalb Stunden über „ verfehlungen von Mitarbeitern der Ernst - Moritz - Arndt - Universität " . Mit Rücksicht auf anwesende Studierende wurden keine Namen genannt .
Daß die Zusammenkunft eigentlich mir galt , bekamen besonders ausgewählte nossen in der Pause zu wissen .
Die Auflage , alle ideologischen stände aus dem Weg zu räumen , führte zu einer extra anberaumten lung für die Parteigruppe der Mitarbeiter . Ich war nicht geladen . Erst drei Jahre später entdeckte ich das offizielle koll , das nun in einem Hefter bei mir zu Hause liegt . Für einige Stalinisten war mein Fall ein gefundenes Fressen . lich eine Chance , diesen arroganten Assistenten in seine Schranken zu weisen . Andere verteidigten mich , so auch ein guter Freund , dent am Institut . Meine Kollegin und
frühere Lektorin im schwedischen statierte schroff : Diese Art von Zeitungen pflege ich sowieso nicht zu lesen .
Die ideologischen Mißstände gärten weiter , sie verschwanden nicht von selbst . Genau so wenig verschwanden Thorilds Grabstein und die damit verbundenen Probleme . Ein ausreichender Grund für die Parteileitung , politisch die Sache in die eigene Hand und einen Steinmetz in die Pflicht zu nehmen . Zeugen wollen wissen , daß die Genossen der Parteileitung meinsam zu Thorild hinausfuhren , um sich das Ergebnis anzusehen , aber es gibt keine schriftlichen Beweise dafür . Spielt das eine Rolle ? Ich glaube , daß der Stein Beweis genug ist : Erhaben über alle schen Sorgen steht er nun mit lesbarer Schrift auf Thorilds Grab . ALLES hatte man restauriert , es lag sogar neuer Kies auf den Wegen . An dem Tag , an dem me kommen sollte , tauschte der meister den Kranz gegen einen noch größeren aus . Junge Pioniere mit blauen Halstüchern standen um Thorilds Grab bereit , um Friedenslieder zu singen . der „ Till Thorilds grav " hatte man stellt . Aber vergebens . Palme kam nicht .
Ob Thorild sich in seinem Grab dreht hat ? Eine berechtigte Frage , die man am besten an einige Repräsentanten der damals allwissenden Parteiführung stellen sollte . Vor allem sollte man aber auf die Antwort hören . Auch einige von denen haben sich gewendet .
Für den Schluß dieser Geschichte te ich , daß deren Antwort zu vage und schwammig ausfallen würde , und ich fürchte auch , daß die Gefahr von lichkeit und Heuchelei besteht .
Schließen wir stattdessen mit etwas Handfestem und folgen Thorilds digen Zeilen „ Jede Sache soll auf ihre Art beurteilt werden . Jede Sache soll nach ihren Verdiensten , nicht nach ihren geln , beurteilt werden " .
Palme ist nicht dagewesen . Aber im Spätsommer 1984 steht Stellan Arvidson wieder vor Thorilds Grab . Der Himmel ist blau und die Natur grün und klar . Die Sonne scheint auf das Grab und auf ein Gesicht , das nichts anderes als Freude ausdrückt . Und in das Blaue , Grüne und Gelbe hinein sagt ein gerührter fessor : „ Da muß die Schwedische mie hier gewesen sein . " ■
Übersetzt von Katharina Bahr
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