BERICHTE & ANALYSEN
HAUSMÜLL :
Entsorgung und Recycling auf Island
Abfall wächst uns überall mehr und mehr über den Kopf , nicht zuletzt wegen der Flut an Verpackungsmüll . Die umweltfreundlichsten Arten , mit anfallenden Abfall - und Reststoffen zu verfahren , sind das Vermeiden , die Wiederverwendung und die derverwertung .
Hartmut Mittelstadt
n der „ Produktion " von Hausmüll , also
dem in Haushalt und Gewerbe den Abfall , liegen bekanntlich die USA angefochten an der Weltspitze : Pro wohner und Jahr kommen dort sage und schreibe 744 kg zusammen ! Deutschland folgt in dieser Statistik mit 318 kg erst an 8 . Stelle , doch zwischen diese beiden großen Nationen haben sich einige kleine und kleinste Staaten geschoben : Holland ( 449 kg ) , Dänemark ( 423 kg ) , Island ( 380 kg ) und Luxemburg ( 357 kg ) .
Zwar zählt Island bei einer Fläche von rd . 103 000 km2 gerade einmal 258 000 wohner ( 1991 ) , doch bereitet der in einer modernen Konsumgesellschaft de Hausmüll auch der Nordatlantikinsel wachsende Probleme , obwohl die belastungen insgesamt natürlich längst nicht so hoch sind wie in den USA oder im dichtbesiedelten West - und Mitteleuropa . Die für Island ermittelten 380 kg teilen sich etwa folgendermaßen auf :
135 kg Papier und Pappe 75 kg Küchenabfälle 40 kg Kunststoffabfälle 35 kg Glas 20 kg Holz 20 kg Eisen 10 kg Aluminium 10 kg Gummi 35 kg Verschiedenes .
Der größte Teil des auf Island den Mülls wird auf Deponien meist in der Nähe der Kommunen geschafft und dort letztlich mit Erdreich abgedeckt . Auch wenn die Abfälle aus dem Großraum
javik mit seinen 140 . 000 Einwohnern , also jährlich rd . 45 . 000 Tonnen , seit dem gangenen Jahr von einem ternehmen auf der Landzunge Gufunes vor den Toren der Hauptstadt nommen werden und man dort wertbares Bauholz und einige andere kundärrohstoffe aussondert , so wird der Restf der etwas weiter von den nächsten Siedlungen gelegenen Landzunge Álfsnes doch weiterhin in gewohnter Weise schoben . Mit der Inbetriebnahme des en Annahmekomplexes wurden allerdings die alten Müllkippen in Gufunes sen ; sie sollen nun in einen Golfplatz gewandelt werden .
Da die Mülldeponien oft nahe am Meer liegen , wird zwar das Grundwasser in der gel kaum belastet , dennoch bleiben Beeinträchtigungen für den Menschen nicht aus , wie das Beispiel der Kleinstadt Akranes in Südwestisland zeigt . Die 5 . 000 Einwohner zählende Stadt entnimmt ihr Trinkwasser nem offenen Reservoir im nahegelegenen Bergmassiv Akrafjall . Unweit davon am Fuße des Berges befindet sich die Mülldeponie des Ortes . In Akranes gibt es zahlreiche Fischverarbeitungsbetriebe , deren Abwässer direkt ins Meer geleitet werden . Der menhang dieser Dinge ist folgender : An den Hängen des Berges nisten unzählige Möwen , das Trinkwasserreservoir ist ihre Badestelle . Ihre Nahrung finden die Vögel auf den halden , am Strand und in der Nähe der Fischfabriken . Aus diesem Grunde muß das Trinkwasser in Akranes gesondert aufbereitet werden . Natürlich bieten Mülldeponien auch
- bzw . gerade - in der baumlosen schen Landschaft keinen schönen Anblick , und zudem verpesten sie nicht selten die Luft
- wie übrigens auch verschiedene der legal oder illegal betriebenen anlagen , die bislang über keine schadstoffmindernden Vorrichtungen gen . Derzeit wird etwa ein Viertel des lenden Mülls verbrannt , wobei vor allem die offene Verbrennung auf Müllhalden und die Verbrennung in gesondert angelegten gruben praktiziert werden . Allerdings soll die Müllentsorgung in technisch ten , umweltschonenden anlagen in den nächsten Jahren spürbar steigen .
Islands Probleme bei der Müllbeseitigung ergeben sich aber auch daraus , daß es - verglichen mit anderen westeuropäischen Ländern - nur sehr wenige Beispiele für das Recycling von Wertstoffen gibt . Von der
Firma „ Silfurtün " in Garöabaer nahe vik werden aus Zeitungspapier jährlich etwa 50 Tonnen Eierverpackungen stellt . Der verschiedentlich erwogene port von Altpapier in Papierfabriken des Auslands rentiert sich nicht , obwohl es im Zeitungsleseland Island täglich se anfällt . Dagegen führt man seit dem Sommer 1990 Kunststoffabfälle zur verarbeitung nach Spanien und Dänemark aus , nachdem sie zuvor in einem Betrieb in Akureyri / Nordisland zermahlen werden . In ähnlicher Weise kauft eine andere Firma Getränkeverpackungen aus Aluminium , Glas und Kunststoff auf und exportiert sie zur Wiederverwendung bzw . - Verwertung ins Ausland . Dabei bewährt sich das vor niger Zeit landesweit eingeführte stem . Aus Altgummi schließlich , das auf land vorwiegend in Form von alten Autoreifen anfällt , werden gleichfalls in Akureyri Fußbodenbeläge ster Art und andere Gummierzeugnisse hergestellt .
Ein wichtiger Markstein in der schen Umweltpolitik und zudem von trächtlicher volkswirtschaftlicher tung war die Errichtung der ersten Stahlschmelze des Landes in der Nähe von Hafnarfjöröur / Südwestisland . Die mit nem Kostenaufwand von 600 Millionen ländischen Kronen ( etwa 16 , 6 Millionen DM ) gebaute und für eine Jahreskapazität von 30 . 000 Tonnen ausgelegte Schmelze nahm im Juni 1990 ihren Betrieb auf . Die Anlage soll etwa 70 % des auf Island lenden Stahlschrotts verarbeiten , und das ist mit annähernd 17 . 500 Tonnen / Jahr ( rd . 70 kg pro Einwohner ) eine ganze Menge . Damit sollten Schrotthaufen und Autofried - höfe - jedes Jahr werden rd . 8 000 Autos verschrottet - sowie teure Maßnahmen zur Entsorgung metallischer Abfälle bald gültig der Vergangenheit angehören , so die bislang praktizierte Methode , wracks ( jährlich rd . 6 . 000 Tonnen ) einfach im Meer zu versenken . Erwogen wird sogar die Möglichkeit , Schrott aus dem Ausland einzuführen , um den Betrieb mit seinen etwa dreißig Arbeitskräften auszulasten .
An einer weiteren Verbesserung der Hausmüllentsorgung arbeitet das erst seit dem 23 . Februar 1990 bestehende sche Umweltministerium . Geprüft wird u . a . die gesonderte Erfassung der schiedenen Wertstoffe und ihre wendung , z . B . die Herstellung von tenpapier aus Altpapier . Isländische
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