FINNLAND 1944 - 1948 :
Planmäßige Neutralisierung
Die Empfindungen , die die Implosion der Sowjetunion vom vergangenen Jahr in Finnland ausgelöst hat , sind von einem finnischen Beobachter mit denjenigen der Bewohner eines Einfamilienhauses verglichen den , welches Wand an Wand mit nem einstürzenden Wolkenkratzer steht .
Stefan Troebst
Das Verhältnis zwischen der on und Finnland , deren dung in beiden Fällen auf die russische volution des jahres 1917 zurückgeht , ist ein spannungsreiches Nebeneinander , dessen Brisanz von den vierziger Jahren an durch politische Sprachregelungen sowie eine tensive Zusammenarbeit vor allem im schaftlichen Bereich gemildert worden ist .
Nach dem sowjetischen Überfall auf land , der den „ Wlnterkrleg " von 1939 / 40 auslöste , und der finnischen Revanche im Zweiten Weltkrieg , dem „ Fortsetzungskrieg " 1941 - 1944 , waren die sogenannten „ jähre der Gefahr " vom finnisch - sowjetischen fenstillstandsabkommen 1944 bis zum teralen Beistandspakt 1948 eine der sten Phasen im wechselseitigen Verhältnis der beiden Nachbarstaaten . Warum jedoch ist das Land an der sensiblen ze der Sowjetunion sowohl dem Schicksal , das die baltischen Staaten 1940 / 41 und neut 1944 erlitten , als auch demjenigen der übrigen Staaten Ostmittel - und pas im Zeltraum 1944 - 1989 entgangen ? Wie ist es zu erklären , daß allein Finnland von seinem übermächtigen Nachbarn im Osten weder annektiert noch sowjetlsiert wurde , sondern vielmehr sein politisches stem wie auch - mit gewissen gen - seine Souveränität behalten konnte ? War mit anderen Worten das Ausbleiben ner mit Mitteln direkter oder indirekter flußnahme herbeigeführten mation das Ergebnis einer Art Betriebsunfall sowjetischer Hegemonlalpolitlk oder aber Resultat eines bewußt differenzierenden gehens ?
Bestimmungsfaktoren sowjetischer Außenpolitik
Hinsichtlich der sowjetischen litik lassen sich trotz ihrer abrupten wechsel - Hitler - Stalin - Pakt , Anti - Hitler - Koalition , Kalter Krieg - eine Reihe langfristig wirksamer ren ausmachen . Der prägendste dabei war der Primat der Innenpolitik - vor dem Krieg die Notwendigkeit einer chen Modernisierung des ehemaligen renreiches , nach dem Krieg Wiederaufbau und gesellschaftliche Rediszlplinierung . Sowjetische Außenpolitik zielte daher In erster Linie auf Sicherheit nach außen . Die Formen , die die Erfüllung dieses Seku - ritätsbedarfes annahm , waren dabei nicht immer defensiver Natur , sondern sen Macht - und Hegemonialpolitik , die Durchsetzung eines breiten Sicherheitsgla - cis sowie eine aggressive , ideologisch tivierte Propaganda mit ein . Dieses beneinander unterschiedlicher linien macht die Beurteilung der gen Zielstellungen sowjetischer litik - zumal bei noch immer erschwertem Zugang zu den Primärquellen - so rig .
Optionen sowjetischer Finnlandpolitik
Hinsichtlich der sowjetischen politik in den vierziger jähren lassen sich daher gleich mehrere Optionen chen , für deren zeitweilige - auch parallele - Verfolgung Indizien zu finden sind :
1 ) Der Anschluß Finnlands an die union in Form einer Finnischen republik - das könnte man mit Blick auf die Ereignisse In Estland , Lettland und Litauen 1940 als „ baltisches Modell " zeichnen .
2 ) Die Schaffung eines unabhängigen „ wjetfinnland " unter der Kontrolle der finnischen KP - das wäre das „ ropäische Modell " indirekter Herrschaft , wie es nach dem Krieg in Ostmittel - und Südosteuropa Anwendung gefunden hat .
3 ) Ein unabhängiges , neutrales Finnland mit eingeschränkter Souveränität in der Außen - und Verteidigungspolitik und weitreichenden Sicherheitsgarantien für die Sowjetunion - das wäre das „ sche Modell " , wie es sich 1948 dann endgültig durchgesetzt hat .
Aus sowjetischer Sicht nicht in Betracht kam eine Teilung Finnlands , dessen Annäherung an eine andere Großmacht oder ein anderes Bündnissystem , aber auch eine politische Anbindung an die drei bis 1949 sämtlich neutralen skandinavischen Staaten war aus Moskauer Perspektive nicht akzeptabel . Insofern wäre also die dritte der obengenannten , hier als „ sches Modell " bezeichnete Option in tung auf eine isolierte und wohlwollend - prosowjetische Teilneutralität - wenn es so etwas gibt - zu präzisieren : also das , was in Finnland die „ Paasikivi - Kekkonen - Llnie " heißt und was Franz - Josef Strauß in einem mehr als hinkendem Vergleich zur Brandt - schen Ostpolitik mit dem pejorativen griff „ Finnlandisierung " belegt hat .
Das Waffenstillstandsabkommen von 1944
In deutlichem Unterschied zur schen Kriegszielpolitik gegenüber dem tikum zeichnete sich bereits kurz nach der Kriegswende von Stalingrad ab , daß die UdSSR den Erhalt eines finnischen Staates mit ihren Sicherheitsinteressen auch künftig für vereinbar hielt . Stalins Verzicht auf eine bedingungslose Kapitulation ebnete daher Finnland den Weg aus dem Krieg . fühler zwischen Moskau und Helsinki men allerdings erst konkrete Form an , nachdem die finnische Armee eine sche Offensive im Juni 1944 nur mit ter Mühe hatte stoppen können .
In den Waffenstillstandsverhandlungen in Moskau vom September 1944 , die die Sowjetunion auch im Namen ihres schen Verbündeten führte , wurde ein peltes Ziel angesteuert : Zum einen sollte der Sekurltätsbedarf der UdSSR durch erliche Gebietsabtretungen sowie den griff auf eine große Flottenbasis nahe sinki gestillt werden , und zum anderen sollte der finnische Staat zumindest seiner äußeren Form nach erhalten bleiben , wenngleich möglicherweise mit neuem , „ volksdemokratischem " Inhalt gefüllt . Daß sich die sowjetische Seite im finnischen Fall nicht wie andernorts in Europa unter alliiertem Druck und folglich in Zugzwang wähnte , lag nicht zuletzt an der dentlichen Zurückhaltung der kaner hinsichtlich der Einzelheiten des fenstillstandes . Sowohl der Text des alliierten Waffenstillstandsabkommens mit
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