FINNLAND - DEBATTE :
Alte Jahrgänge - neues Denken ?
War Ulla Skoglunds Essay „ Rentiere , Monopoleis oder wie Finnland lich zu Europa gehören soll " ( NORD - EUROPAforum Nr . 1 / 1992 ) zurück - wärtsgewandt ? Oder war er Vorbote einer überfälligen finnischen stroika ? Zwei Meinungen :
Ulla Skoglund und die alten Jahrgänge
Alte Menschen - und zu denen gehöre ich langsam - haben immer Freude , wenn sie an frühere Zeiten erinnert werden . Eine ganz besonders große Freude hat mir jetzt Ulla Skoglund mit ihrem Artikel „ Rentiere , Monopoleis oder . . . " gemacht . Ich fühlte mich richtig in die 60er Jahre setzt .
Ulla Skoglund hat in den ersten beiden Spalten ihres Artikels wirklich keine einzige Schablone jener Zeit ausgelassen : Alkohol , Skilanglauf , deutsche Allesmitgehenlasser , der kurze Sommer , der liebe Alkohol , keine Rentiere in Helsinki und endlich mal wieder eine Definition des rätselhaften Wortes sisu .
Und die Sache mit Paasikivi , der den müpfigen Abgeordneten nach Haus zur Landkarte schickt , die durfte natürlich auch nicht fehlen . Nur , Ulla Skoglund , es war nicht Paasikivi als Staatspräsident , sondern derselbe als Ministerpräsident . Finnlands Staatspräsident darf auf diese Art in ten des Hohen Hauses nicht eingreifen .
Aber auf ein paar Ungenauigkeiten kommt es wohl nicht an , wenn man witzig sein will . Doch : Ist es noch witzig , wenn man ganz im Vorbeigehen den finnischen Politikern - dings ohne es klar zu sagen - unterschiebt , sie hätten „ das Abschlachten friedlicher denten in Peking " als innere Angelegenheit der VR China achselzuckend hingenommen ? Das ist , Frau Skoglund , starker Tobak .
Wenn die finnischen tionen den Europäer in der Gemeinschaft herzlich wenig interessieren sollten , dann würde das eher gegen die anderen ropäer als gegen die Finnen sprechen . Was nur noch fehlt , ist Ihr Ratschlag , Finnland sollte sich tunlichst einem potenten EG - Land ( wie wäre es mit Deutschland ? ) als Protektorat anschließen . Dann könnten die politischen Parteien Finnlands sich
hin vor klaren Aussagen zu Europa zieren , „ wie die Jungfrau vor der Hochzeitsnacht " .
Sie sollten mal aufhören , immer nur in den alten Jahrgängen der finnischen Presse herumzublättern . Wie wäre es mit Heisingin Sanomat oder Hufvudstadsbladet 1991 und 1992 ? Da finden Sie auch andere ten als die , daß „ Europa ohne Finnland ein sowohl wirtschaftlich als auch politisch vollständiges Gebilde wäre " .
Reinhold Dey
Nordisches Instituí , ctor Universität Kiel
75 Jahre Finnland - Am Anfang oder am Ende ?
Endlich mal ein Artikel , in dem versucht wird , Finnland und finnische Politik auf neue Art und Weise zu behandeln !
Finnland steht an einem Wendepunkt - nichts ist mehr wie es war : Die on , seit Jahrzehnten Orientierungspunkt finnischer Politik , existiert nicht mehr , das Land befindet sich in der tiefsten schaftkrise mit den höchsten zahlen seit dem Zweiten Weltkrieg und - last but not least - die ( west - ) europäische Integration hat derartig an Dynamik wonnen , daß nunmehr alle dabei sein len ; auch Finnland hat in diesem Frühjahr einen Antrag auf Mitgliedschaft in den ropäischen Gemeinschaften gestellt .
Aber wie steht es mit der Reflexion über diese Prozesse ?
Glasnost und Perestroika führten nächst dazu , daß existierende Schemata und Mythen der sowjetischen Gesellschaft in Frage gestellt wurden , eine Debatte gann . Im Sommer 1989 bemerkte der nische Friedensforscher Jyrki Käkönen , daß es einen großen Fortschritt für die finnische politische Kultur bedeuten würde , wenn auch in Finnland eine Perestroika beginnen würde . Er war allerdings sehr skeptisch , ob die verkrustete und hierarchische finnische Gesellschaft zu einer solchen Revolution fähig sei .
Erst als die Agonie der Sowjetunion nach der Niederschlagung des Putsches im mer 1991 ihr letztes Stadium erreichte , den auch schrittweise die Finnen den Mut , in eine Debatte um die Zukunft ihres des einzusteigen . Wie Ulla Skoglund ganz richtig bemerkt , erforderte aber auch diese Debatte die Genehmigung von Präsident Koivisto . Die nur ein paar Monate de öffentliche Diskussion um die zukünftige finnische EG - Politik im Frühjahr dieses
res beschränkte sich aufgrund der len Erlaubnis vor allem auf die che Dimension der Integrationspolitik . lungnahmen und Beiträge zur zukünftigen Außen - und Sicherheitspolitik Finnlands gab es deshalb kaum - obwohl ja lich die EG seit Maastricht auf eine sche Union mit gemeinsamer gungspolitischer Komponente abzielt .
Die Zukunft der finnischen Neutralität und eine mögliche zukünftige finnische Mitgliedschaft in WEU und NATO wurden nur in Regierungskreisen und von einigen wenigen in der Wissenschaft und den dien Tätigen thematisiert . Eine wirkliche Debatte über diese Fragen hat im Lande nicht stattgefunden , man kann den druck gewinnen , daß das Volk für zu dumm befunden wird , sich mit derart schwierigen Fragen zu beschäftigen . dessen standen vor allem Fragen wie die Zukunft der hochsubventionierten wirtschaft und des Sozialsystems im dergrund . Die Angst großer Teile der völkerung vor einem Sozialabbau als Konsequenz einer EG - Mitgliedschaft lands wurde deutlich . Allerdings wurde kaum einmal offen ausgesprochen , daß der finnische Wohlfahrtsstaat aufgrund der ökonomischen Krise und der Austeritätspo - litik der Regierung sowieso am Ende ist .
Zurück zum Essay von Ulla Skoglund . Zu unkritisch nimmt sie die Mythen von „ sisu " , „ teurem Chemiebier " und " klugem Schweigen der Finnen " auf . Das ist aber lativ unwichig angesichts ihrer Leistung : Sie praktiziert „ neues Denken " , indem sie ihre Unzufriedenheit mit diversen gen der finnischen Gesellschaft öffentlich ausspricht . Deutsche im Ausland kritisieren ihr Vaterland offen ( wenn auch mit mender Tendenz , denn heutzutage ist man ja wieder „ stolz darauf , ein Deutscher zu sein " ) . Aber von Finninnen und Finnen ist man so etwas noch nicht gewohnt . Ein falsches Finnlandbild und die Reproduktion von Vorurteilen war besonders in land das Ergebnis .
Auch von den deutschen „ Freunden Finnlands " gab es bisher leider wenig zu sen , was über das schöne Bild von dem Land der 1000 Seen hinausgeht . Oder irre ich mich da ? Ich lasse mich gern eines seren belehren und hoffe , daß diese schrift für eine solche Debatte ein Forum bieten kann .
Burkhard Auffermann
NORDEUROPA
forw "
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