Rationalismus andererseits . Man erinnere sich : Die ganze Weisheit der Aufklärung , so Grundtvig , ließe sich in einer Stunde auswendiglernen , gar einem klugen Hund beibringen . Aber „ sein " Konzept einer Verschmelzung zwischen Poesie und sen , zwischen Fühlen und Denken te eben gerade auf seiner romantischen Vorstellung von der Welt als organisch ( und von der zentralen Rolle der lichkeit bei der Versöhnung der beiden Bildungssäulen ! ) .
Ein Grundtvigianismus wird den gen drängenden Fragen sicherlich nicht mehr gerecht - und würde wohl auch Grundtvigs eigenen Intentionen , seiner Betonung der Wechselwirkung , laufen . Wenn Grundtvig heute für uns eine Bedeutung haben kann , so wurde auf der Tagung deutlich , dann als ber , als Inspiration - und so hat er ja auch historisch zumeist gewirkt , wenn man z . B . seine geplante zentrale Volkshochschule in Sora mit den real entstandenen und wahrscheinlich weit effektiveren len Zentren einer alternativen Bildung vergleicht . Henning Schroer äußerte auf der Konferenz ( und Theodor Jorgensen hat es aufgegriffen ) , man solle nicht von , sondern an Grundtvig lernen . Oder gar an anderen , entsprechenden Traditionen : Senghors Konzept der „ Négritude " oder das Denken des Inders Rabindranath Ta - gore waren in Köln ebenfalls das Thema von Beiträgen .
Grundtvigs Denken hat sich , verstünde man es fälschlicherweise als Ideologie , storisch längst überlebt , als Verpflichtung zur Auseinandersetzung jedoch nicht . Man ist versucht , Lundgreen - Nielsens zitierte These zu spezifizieren : Grundtvig braucht Deutungen , diese wiederum brauchen texte , mit denen sie in „ lebendige wirkung " treten können und müssen . Erst dann läßt sich die heutige Aufgabe der „ Volklichkeit " bestimmen als chung der Gemeinschaft des ganzen Volkes in politischer , sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht , wie dies Poul Engberg damals 1988 tat ( und wie man es sicherlich gerne vernimmt in den neuen Bundesländern ) . Erst dann kann Grundtvig zur Inspiration für Befreiungsbewegungen , für Basken , Iren und Palästinenser werden , wird sein zept einer national - kulturellen stimmung „ revolutionär " ( Engberg ) - und zugleich immer auch zu einer Verpflichtung gegenüber den anderen .
Die neue Grundtvig - Übersetzung
Wahrscheinlich hat eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Denken Grundtvigs in Deutschland gerade erst gonnen , da sie z . Zt . noch gehemmt ist durch das Fehlen einer brauchbaren setzung einer Auswahl seiner Werke . Seit 1987 ist eine solche jedoch in Arbeit ; ihr Erscheinen ist für 1995 geplant . Das Ziel des ambitionierten Projektes , das von ner deutsch - dänischen Gruppe von setzern und Fachleuten aus den denen Bereichen getragen wird , soll eine dreibändige Auswahl mit Einführungen , Kommentaren und Anmerkungen sein , wobei jeweils ein Band den schen , den theologischen und den gisch - mythologischen Grundtvig vorstellt .
Gerade letzterer kam in Köln deutlich zu kurz , wie man am Tagungsband sen kann : 151 Seiten beschäftigen sich mit der pädagogischen Sektion , 62 Seiten immerhin noch mit der theologischen , aber nur knappe 39 Seiten mit der logischen ( wovon wiederum 15 Seiten lein die isländische Rezeption Grundtvigs beschreiben ) . Und das , obwohl die che in Grundtvigs Denken eine zentrale Stellung einnimmt . Letzten Endes ist sie es , die - wie bei Herder - eine volkliche Nation konstituiert : „ Ein Volk ohne tersprache ist wie ein König ohne Reich . " Vaterland und Muttersprache sind für Grundtvig zwei Seiten einer Medaille . Der Mensch ist durch seine Sprache niert ( und da diese immer sozialen rakter hat , hat schon deshalb das duum eine schwache Stellung bei Grundtvig ) . Auch seine Gottesebenbild - lichkeit liegt laut Theodor Jorgensen vor allem in seiner Sprache , in seinem Sprachvermögen und in seiner konkreten Anwendung dieser volklich - sakralen Sprache , die immer letztlich ter Herkunft ist , deren Bedeutung sich also nie im wittgensteinschen Gebrauch erschöpft .
In seiner Sprachverwendung ist vig ( National - ) Romantiker . Hatte er 1805 seinem Tagebuch noch anvertraut , daß sich ihm die Sprache , „ als ein endliches Produkt " , der „ Assimilation an das re zu widersetzen " scheint , so fand er ter durch den nationalromantischen xus zwischen Sprache , Volk und Kultur eine weitgehende Lösung für sein blem . Inhalt und Form , auszudrückender
Gedanke und Medium dieser Mitteilung sind für ihn nicht isolierbar - er spricht jetzt vom „ Geist der Sprache " , den er z . B . in den Sprichwörtern eines Volkes findet . Setzt man Grundtvigs Auffassung hier als absolut , wäre eine Übertragung seiner ja nur sprachlich fixierten Ideen auf andere sprachliche Organismen kaum möglich . Man könnte sich nur der Hoffnung hinge -
Grundtvig eine Woche vor seinem Tode
ben , daß diesem Volk ein eigener vig aus seiner Mitte erwüchse .
Auch eine Übersetzung seiner Werke wäre dann ein hoffnungsloses gen , zumal Grundtvig den Reichtum der dänischen Sprache als unübertroffen schätzte . 1834 schrieb er : „ Ich glaube mit wirklich , daß sich alles Schöne und Gute ins Dänische übersetzen läßt , ohne das Geringste zu verlieren , während das Beste in dänischer Sprache sich nicht in irgendeine andere Sprache übersetzen läßt , nicht einmal ins Englische , ohne nigstens die Hälfte einzubüßen . " Soweit er seine eigenen Schriften dazu zählt , hat er hier recht . Denn ein spezifisch Grundtvig - sches Übersetzungsproblem ist sein prägt sprachschöpferisches Schreiben , so daß er bei den Belegzitaten im gen Ordbog over Dei danske Sprog ( terbuch der dänischen Sprache ) wohl der meistgenannte Autor sein dürfte .
Wie läßt sich dann dennoch das Wagnis einer Übersetzung begründen , gar fertigen , außer mit der enormen kungsgeschichte des Grundtvigschen kens ? Paradoxerweise eröffnet gerade die romantische Übersetzungstheorie , wie sie z . B . von Schleiermacher artikuliert
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