scher Einwanderer bejubelten die Vinland - Karte als Siegerurkunde im Rennen um die Entdeckung des neuen Kontinents und verachteten Kolumbus als Zuspätgekom - menen , während die Spanisch sprechende Welt den neuen Fund meist kurzerhand als Fälschung vom Tisch fegte .
Im November 1966 veranstaltete das Smithsonian Institute in Washington eine Konferenz , auf der eine internationale Versammlung namhafter Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen die Karte eingehend studieren und anschließend ihr Urteil abgeben sollte . Die Meinungen ben jedoch geteilt .
Anfang des nächsten Jahres ging das sensationelle Fundstück auf tournee . Während der Ausstellung im British Museum unterzog man es einer mikroskopischen Analyse , die erhebliche Zweifel am Alter der für die nung verwendeten Tinte aufkommen ließ . Obwohl das Pergament der Karte im ter mit den übrigen Blättern des kripts übereinstimme , sei es anscheinend später nochmals einem künstlichen rungsprozeß ausgesetzt worden , teten die britischen Laborexperten . Vor allem aber habe man unter der Tinte dierte Spuren eines im 15 . Jahrhunderts noch ungebräuchlichen Bleistifts deckt , und die Tinte selbst weiche in rer Zusammensetzung von der der gen Texte ab .
Als die Karte nach Abschluß ihrer pareise wieder in Yale eintraf , beauftragte man dort ein Speziallabor mit einer mischen Mikroprobenanalyse . Das nis war eindeutig : Die Tinte des Speculum und des Tatarenberichts ist eine typisch mittelalterliche Eisengallustinte . Der Hauptbestandteil der Tinte auf der Vin - land - Karte besteht hingegen aus Titanium - dioxyd oder Anatase in einer chemisch reinen Form , die frühestens seit 1917 gestellt werden kann .
Die Vinland - Karte , die fast zehn Jahre lang die Forschung in Atem gehalten und zu erneuter , fruchtbarer Beschäftigung mit der Vorgeschichte der neuzeitlichen deckungen angeregt hat , muß als eine schung des 20 . Jahrhunderts angesehen werden .
Raleigh Skelton hat den Nachweis , daß er gründlich an der Nase herumgeführt worden war , nicht mehr erleben müssen . 1970 kam er bei einem Autounfall ums ben . George Painter aber quittierte das
gebnis bitter : „ Ich fühle mich , wie sich Spezialisten auf anderen Gebieten fühlen mögen , wenn ihnen mitgeteilt wird , daß eine Untersuchung der Tinte ergeben te , Leonardo da Vincis Tagebücher seien von Charlie Chaplin geschrieben worden . "
Die Phantasie eines Fälschers und der über sein Produkt spekulierenden schaftler hatte in der Zwischenzeit zwei dicke Abhandlungen und Unmengen von Zeitschriftenaufsätzen hervorgebracht ; die Veröffentlichung des Laborberichts im Geographical Journal ( 2 / 1974 ) umfaßt hingegen nicht mehr als drei engbedruckte Seiten . So kraß kann das quantitative Mißverhältnis zwischen erfinderischer Imagination und nüchterner Wahrheit aussehen . Und auch dieser Artikel droht den Verlockungen eines Freiraums für die spekulative Phantasie zu erliegen , indem er sich größtenteils mit einem lediglich gierten Manuskript befaßt , während er doch zunächst den Anspruch erhob , vom nachweislichen Besuch europäischer decker in Amerika vor Kolumbus handeln zu wollen .
Dem bislang überzeugendsten Nachweis ihrer tatsächlichen Landung muß darum ein kurzes Schlußwort gewidmet werden , denn es ist eine der gravierendsten Begleiterscheinungen der Vinland - Karte , ein Unternehmen zeitweilig fast völlig deckt zu haben , das die eigentliche tion in der Wikinger - Forschung der ziger Jahre darstellt . Ebenso wie das Falsifikat der Vinland - Karte verdankt sich auch diese Sensation letztlich der Imagi - nationskraft eines Einzelnen .
Wikinger in Amerika . Endlich gesichert .
Seit einer ersten Reise zu den siedlungen auf Grönland im Jahr 1953 war der Norweger Helge Ingstad von der Idee besessen , die baulichen Reste ihrer in den Sagas tradierten Überwinterungen in Nordamerika finden zu wollen und so den archäologischen Beweis für eine lumbianische Entdeckung zu liefern . stad glaubte an die Historizität der Sagas wie Schliemann an die Verläßlichkeit mers . Bestärkt wurde er in diesem ben durch einige unerklärliche Funde auf Grönland . In den dreißiger Jahren hatte man dort auf dem Hof eines lichen Siedlers eine als indianisch tete Pfeilspitze aus dem Boden geholt und
einen Klumpen Anthrazitkohle gefunden . Anthrazit kommt aber laut Ingstad weder auf Grönland noch auf Island vor ; dafür aber auf Rhode Island an der schen Ostküste , wo darüberhinaus die Wachstumsgrenze für wilden Wein läuft .
Im Frühjahr 1960 begann Ingstad dort zu Schiff und mit Hubschraubern eine stematische Erkundungsfahrt entlang der Küste nach Norden und hielt nach neten Anlegeplätzen für ein flachgehendes Wikingerschiff Ausschau . Zweitausend lometer nördlich wurde er fündig . An der Nordspitze Neufundlands , genau dort , wo er es aufgrund seiner theoretischen legungen vermutet hatte , zeigte ihm ein ortsansässiger Fischer einige unnatürliche , überwachsene Bodenerhebungen .
Im Jahr darauf kehrte Ingstad mit einer Gruppe skandinavischer und kanadischer Archäologen in die Bucht von L'Anse aux Meadows zurück und begann zu graben . Schon dicht unter der Oberfläche stieß man auf die Reste einer Mauer aus den und legte bald den Grundriß eines 4 x 3 , 5 m großen Gebäudes frei . Mithilfe einer Kohlenstoffuntersuchung konnten die Überreste auf die Zeit um 1030 n . Chr . ± 70 Jahre datiert werden . In den monaten 1961 - 64 unternahmen die Ing - stads jährlich eine Grabungskampagne in L'Anse aux Meadows und brachten so eine Siedlung von insgesamt acht den samt einer Schmiede für die tung von Raseneisenerz ans Tageslicht . Die schwierige Technik der nung und - Verarbeitung beherrschten in der fraglichen Zeit aber weder die in der Region ansässigen Indianer noch die mos . Außerdem fand man in den den allerlei Kleinteile wie Eisennägel , Nähnadeln und Spinnwirtel , die passende nordische Gegenstücke im Fundmaterial Grönlands und Islands hatten .
Nach vorherrschender Ansicht der senschaftler ist damit als erwiesen hen , daß sich im 11 . Jahrhundert schen skandinavischer Herkunft für einen gewissen Zeitraum an der Nordspitze Neufundlands aufhielten . ■
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