westlichen Ozeans gesegelt seien und dort neues Land gefunden hätten , das sie Vin - land nannten , weil dort Wein wachse . Vinland , oder in anderer Schreibung Vin - land , gleich Weinland .
Der früheste Beleg für diese Bezeichnung stammt aus Deutschland , aus der um 1075 verfaßten Hamburgischen schichte . Ihr Autor , der Domkanoniker Adam von Bremen , hatte sich bei dem schen König Sven Estridsen persönlich nach den Verhältnissen in den seiner che unterstellten nördlichen Regionen kundigt und dabei von dem fernen Land am äußersten Rand der Erdscheibe erfahren .
Ebenfalls erwähnt wird Vinland bereits in dem ältesten bekannten erzählenden Prosatext in einer skandinavischen che , der knappen Geschichte Islands von der Besiedlung um 874 bis ins 12 . dert ( Islendingabók ) , geschrieben um 1125 von dem Isländer Ari Thorgilsson , der mit aller Berechtigung den Beinamen „ der lehrte " trug . Sorgfältig wie ein moderner Historiker gab Ari auch seine Quellen an . Und so erfahren wir , daß sein Onkel einen Mann kannte , der mit dem ersten decker Grönlands , Erik dem Roten , von land ausgefahren war und bei seiner kehr zu berichten wußte , daß man dort verlassene Wohnplätze und Gerätschaften von Menschen vorgefunden hätte , die vor aus Vinland herübergekommen wären . Ari sah es als überflüssig an , dieses Land genauer zu beschreiben , weil er offenbar voraussetzen konnte , daß es seinen leuten bekannt war . Das bestätigen sche Annalen , in denen Fahrten nach land mehrfach verzeichnet sind .
Datierungsprobleme
Identifiziert wurde Vinland seit dem 18 . Jahrhundert mit den verschiedensten Punkten an der Ostküste Kanadas und der Vereinigten Staaten . Einig waren sich die Forscher jedoch darin , daß sie alle dem amerikanischen Kontinent angehören mußten . Die Vinland - Karte in Yale hielt also allem Anschein nach „ die ste kartographische Wiedergabe nes Teils der Amerika " , wie die Herausgeber stolz verkündeten . Wie früh war aber diese Wiedergabe anzusetzen ?
Mit einer Datierung in die Zeit und das Umfeld des Konzils zu Basel ( 1431 - 1449 ) verfielen sie auf eine sehr plausible
sung des Problems , wie denn das Wissen von Grönländern und Isländern des 11 . - 13 . Jahrhunderts auf eine nach schem Vorbild gezeichnete Karte des 15 . Jahrhunderts gelangt sein könnte .
Auf Grönland starben um diese Zeit die letzten Nachkommen der europäischen Siedler . Ob die anderen ihre Siedlungen willentlich aufgegeben hatten und wandert waren ( vielleicht ins wärmere und fruchtbarere Vinland ? ) oder ob sie alle dem Klima und Mangelkrankheiten oder der Pest erlagen , ist der Forschung heute noch ein Rätsel . Fest steht falls , daß die Insel im 15 . Jahrhundert von Verbindungen mit Europa gänzlich schnitten war , so daß von dort keine de über ein noch entfernteres Land auf den Kontinent gelangen konnte .
Bliebe also noch Island mit seinem meßlich reichen Schatz an schriftlicher Überlieferung . Die Insel selbst lag zwar mer am Rande des europäischen zonts ; doch seine mittelalterlichen ner waren von einer Mobilität , die in der damaligen Zeit nicht ihresgleichen hatte . Ihr kollektives geographisches Wissen reichte von den subarktischen Gebieten Nordamerikas bis zum Kaspischen Meer , von Spitzbergen bis Bagdad . Sie bewahrten es in mündlicher Erzähltradition , in ternen „ Sachbüchern " wie dem mebuch oder dem sogenannten phischen Traktat und nicht zuletzt in den einzigen Prosaromanen der europäischen Literatur des 13 . Jahrhunderts , den zum Teil sehr umfangreichen und komplexen ländersagas . Eines aber taten sie nach tigem Kenntnisstand das ganze Mittelalter hindurch nicht : sie zeichneten weder Land - noch Seekarten . Somit mußten die schaftler einen Kontinentaleuropäer als Zeichner der Vinland - Karte annehmen , dem das geographische Wissen der leute irgendwie zugänglich gewesen war .
Ein möglicher , jedoch heftig ner Vermittler hätte der dänische Kleriker Claudius Clavus sein können . 1388 auf Fünen geboren , später in der berühmten Klosterschule von Sora tätig , reiste er 1424 nach Rom und machte die dortigen Gelehrten erstmals mit der Existenz lands bekannt . Auf seine Angaben geht es zurück , daß Grönland auf chen Karten als eine Halbinsel westlich von Irland erscheint , die durch eine brücke unter dem ewigen Eis im Norden mit Europa verbunden ist . Die Lage der
Südspitze Grönlands konnte er sehr genau angeben . Bei der Benennung von ihm fundener Orte zeigte er sich der Nachwelt jedoch als verschmitzter Komiker , indem er die geographischen Bezeichnungen kurzerhand den Anfangsversen einer pulären skandinavischen Ballade entlieh . Von Vinland aber wußte Clavus nichts .
So blieb als weiterer Brückenschlag schen Nord und Süd in der fraglichen riode noch das Großereignis des Baseler Konzils , seinerzeit unbezweifelbarer melplatz abendländischer Gelehrsamkeit . Mehr als 3500 Teilnehmer besuchten es insgesamt während seiner gen Dauer . Auch die nordischen Länder , damals in der Kalmarer Union zu einer Gesamtmonarchie vereint , waren mit ner Delegation vertreten . Mit einer in den Konzilsakten überlieferten , denkwürdigen Rede ihres obersten Gesandten Niklas Ragnvaldsson , später Erzbischof von sala , über Skandinavien als vagina natio - num ( 12 . November 1434 ) läßt sich nicht nur die Anwesenheit von Skandinaviern auf dem Konzil belegen , sondern hinaus auch ihr ( recht diffuses ) bis in die Völkerwanderungszeit zurückreichendes Interesse an der eigenen Geschichte .
Solche inneren Textkriterien schienen den äußeren Befund der suchungen überzeugend zu bestätigen . Darum ließen Skelton , Marston und ter schließlich am 11 . 10 . 1965 , dem ersten Werktag nach dem Leif - Eriksson - Tag , in den USA die Bombe platzen .
Zwiespältige Aufnahme
Die Fachwelt spaltete sich ebenso wie die interessierte Öffentlichkeit gemäß rasch in skeptische Zweifler und begeisterte Gläubige . Während der weit einzige Inhaber eines Lehrstuhls für Geschichte der Kartographie , Professor Armando Cortesäo von der Universität Coimbra in Portugal , stellvertretend für viele Kollegen mutmaßte , die Wissenschaft könne Opfer eines „ nasty swindle " den sein , unternahm der Journalist John Anderson vom Manchester Guardian im Frühsommer 1966 auf den Spuren der kinger mit einer Segeljacht eine Reise nach dem vermeintlichen Vinland . chäologen und Hobbyhistoriker in den USA wedelten wie Sportfans mit ihren tionalflaggen : Nachkommen skandinavi -
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