KOLUMBUS - JAHR :
Das Geheimnis der alten Karte
1992 - 1492 . Zum 500 . Mal wird sich am 12 . Oktober dieses res das Datum der Entdeckung Amerikas durch Christoph lumbus wiederholen . Angesichts der Kolumbus - Welle , die da über uns hinwegschwappt , kommt es dem Nordeuropaforum zu , gemeinsam mit seinen Nachbarn vom nördlichen Rand der Welt bescheiden bis nachdrücklich darauf aufmerksam zu chen , daß deren Vorfahren schon lange vor dem Entdecker des 15 . Jahrhunderts die Neue Welt gesichtet und betreten haben .
Karl - Ludwig Wetzig
1965 trug der amerikanische Präsident Lyndon B . Johnson ihrem Anspruch Rechnung und erklärte den 9 . Oktober zum nationalen Gedenktag für einen ser vermeintlichen früheren Entdecker , den Grönländer Leif Eriksson , der noch einmal rund 500 Jahre vor dem Genuesen um das Jahr 1000 amerikanischen Boden betreten haben soll . Aus welchen den Präsident Johnson sich in der Periode gewaltsamer Rassenkonflikte zuhause und der militärischen Eskalation in nam auch immer zu diesem Schritt schlossen haben mag , wissenschaftlich bewiesen war der Aufenthalt des gers in Amerika damals nicht , und bis heute gibt es Zweifel an der mung der archäologischen Funde mit den literarischen Zeugnissen .
Nur zwei Tage nach der Feier des sten Leif - Eriksson - Tags 1965 und genau einen Tag vor Columbus - Day wurden der Öffentlichkeit allerdings Dokumente sentiert , die die Entdeckung Amerikas durch skandinavische Seefahrer vor lumbus eindeutig belegen sollten . - In der amerikanischen Presselandschaft nierte eine Bombe . Allein in den drei fol -
Karl - Ludwig Wetzig , M . A . , ist Skandi - navist in Göttingen .
genden Jahren erschienen über 170 Zei - tungs - und Zeitschriftenartikel , die sich zustimmend oder ablehnend mit der Echtheit der vorgelegten Dokumente faßten . Die Wissenschaftler , die die chen Manuskripte herausgaben , hatten also gut daran getan , sie vorher einige Jahre lang in der Stille ihrer Studierstuben eingehend zu prüfen . Dennoch blieb die Fundgeschichte der Manuskripte bis te mindestens ebenso lückenhaft , voll und spannend wie sie ein ler vom Format eines Umberto Eco nur erfinden könnte .
Geheimnisvolle Manuskripte
An einem Herbsttag des Jahres 1957 suchten zwei Bibliothekare der mierten Yale Universität an der Ostküste der Vereinigten Staaten einmal mehr das Antiquariat von Laurence Witten , das nur wenige Meter von ihrem Campus entfernt lag . Die Herren Marston und Vietor ren von Berufs wegen gute freunde und häufige Kunden Wittens , doch an diesem Tag hatte er ihnen etwas ganz Besonderes zu zeigen . Als versierten Kennern mittelalterlicher Handschriften legte er ihnen einen unauffällig schmalen ,
in Kalbsleder gebundenen Oktavband vor , dessen Inhalt ihnen so unglaublich erschien , daß die beiden ihn trotz einer überzeugend ausfallenden Begutachtung von Papier und Pergament , chen , Tinte , Handschrift und anderen Merkmalen zunächst nicht für echt halten wollten . Der Hauptteil des Manuskripts bestand aus einem bis dahin völlig kannten Bericht von der Reise des Fran - ziskanerfraters Giovanni da Pian del pine zu den Mongolen 1245 - 47 , rund dreißig Jahre vor Marco Polo . Diesem richt vorgebunden war eine che Weltkarte , auf der nicht nur Stationen der Mission Fra Giovannis eingezeichnet waren , sondern zur grenzenlosen schung der Wissenschaftler auch Umrisse von Grönland und Amerika . Natürlich schlug das geheimnisvolle Buch die den Experten in seinen Bann , und sie wollten versuchen , seine Rätsel zu lösen . Eingehende Untersuchungen in den genden Jahren ließen Marston , Vietor und den im Stillen hinzugezogenen Kartenexperten des British Museum , leigh Skelton , zu der Überzeugung gen , die Karte müsse etwa aus der Mitte des 15 . Jahrhunderts stammen . Sollte se Hypothese stimmen , hielten die drei enthusiastischen Büchersammler die ste kartographische Darstellung Amerikas in ihren Händen , gezeichnet 50 Jahre vor Kolumbus Amerika erst entdecken sollte .
Woher mochte der unbekannte ner sein Wissen bezogen haben ? Aus gener Anschauung gewiß nicht , war doch beispielsweise die Nordküste Grönlands auch damals unter ewigem Eis begraben , und die mittelalterlichen Kartographen gingen noch von einer festen Landbrücke zwischen Grönland und Skandinavien aus . Grönland entgegen dieser gängigen Vorstellung als Insel zu zeichnen , war für die damalige Zeit „ ein kühnes gen , das der Realität näher kam , als jede Polarexpedition vor 1907 " , bemerkte ter Robert S . Lopez , Professor für alterliche Studien in Yale . War die Karte entgegen allen äußeren Anzeichen also vielleicht doch eine moderne Fälschung ?
Solche Zweifel wurden für Marston und seine Kollegen endgültig ausgeräumt , als er im Frühjahr 1958 einen weiteren Zufallsfund machte . Bei einem Londoner Buchhändler erstand er für seine private Sammlung ein Exemplar des Speculum
NORDEUROPA
fortini
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