I
KOLUMNE
29 . 2 . 2004
Lieber Björn ,
Í Du hast mal wieder mehr Fingerspitzengefühl gezeigt als die hie - i sigen Mächtigen . Deine feinfühligen Worte auf der 5 . Pan - eu - i ropäischen De - Industrialisierungs - Konferenz auf Usedom haben I hier ein gutes Echo gefunden . Daß du trotz des Brüsseler Snus - i Verbotes die Pfeife endgültig mit dem schwedischen Kautabak i getauscht hast , wurde als politisches Signal in die richtige Rich - : tung gedeutet . Wie hätte es auch anders sein können nach den i Turbulenzen , die die schwedische Initiative für eine Einbezie - i hung des alten Memellandes in das schwedische Interessensge - i biet um Königsberg hervorgerufen haben . Man hat in einschlägi - i gen Kreisen zwar viel Verständnis dafür , daß die Schweden eine I Kompensation für all ihre fehlgeschlagenen Investitionen im : nördlichen Ostpreußen möchten - und sei es nur eine geogra - i phisch - politische , eine optische sozusagen . Wie froh können wir : doch sein , daß sich die ostpreußischen Vertriebenen nicht i durchgesetzt und daß statt uns Deutschen die Schweden das i preußische Kernland zugesprochen bekommen haben .
Daß nach dem Abzug der ehemals sowjetischen Truppen aus I Kaliningrad in der verbliebenen Restbevölkerung Hungerrevol - ! ten ausbrachen und die Busse der deutschen Heimattouristen i überfallen wurden , machte eine politische Lösung dringend , i Gräfin Dönhoffs seinerzeitige Idee , die Stadt Kants statt den i deutschen Revanchisten den schwedischen Wohlfahrtsgeschä - i digten zuzusprechen , war insofern einfach genial . Stell Dir vor , i wie die armen Polen reagiert hätten , wenn wir einen „ Korridor " i nach Ostpreußen hätten verlangen müssen ! !
Aber bleiben wir beim Näherliegenden . Hier in Roskilde , dem i neuen Provinzzentrum Schwedisch - Seelands beruhigt und stabili - i siert sich die Lage . Der logische Zwang der Ereignisse läßt ja auch i keine Alternativen zu , nachdem die Bevölkerung des ehemaligen i Dänemark sich in elf ( ! ) Volksabstimmungen einer europäischen : Gesamtstaatslösung stur widersetzt hat . Zwar hat man 1992 , bei i der Abstimmung gegen die Maastrichter Verträge - Du erinnerst ! Dich noch : 46 . 000 Dänen wollten 350 Millionen Europäern vor - i schreiben , wo's langzugehen hat , wollten sich dem europäischen Zug in den Weg stellen - schon erkennen können , daß die Dänen i ihren nationalen Provinzialismus zum europäischen Maßstab erhe - ! ben wollten , doch hat niemand die Phantasie zu so kreativen Lö - : sungen gehabt , wie Du sie dann vorgelegt hast .
Man hätte damals bereits darauf hinweisen sollen , daß schon i bei den Wikingerzügen die Dänen merkwürdig zurückhaltend i gewesen waren . Die europäische Dimension überließen sie lieber ! den Schweden und den Norwegern - oder konnten sie nur ganz i einfach nicht schwimmen ? Hunderttausende haben 1992 in Pa - I ris und in Berlin die Wikinger - Ausstellung gesehen , aber
mand ist auf diese Parallele gekommen ! Aber so ist das mit der ¡ Geschichte : Sie wiederholt sich ständig und niemand merkt es !
Nun , die Aufteilung Dänemarks scheint die Gemüter inzwi - j
sehen nicht mehr so zu beschäftigen , wie noch vor fünf Jahren . ¡
Daß die Schweden so bereitwillig - an den Frieden von Roskilde i 1658 anknüpfend - die politische und wirtschaftliche Macht auf i
der Insel Seeland übernommen hatten , und daß im Gegenzug für j
die definitive ökonomische deutsche Vorherrschaft Schleswig - i
Holstein mit Jütland wiedervereint wurde , Billund mit seinem !
wunderbaren Flugplatz zum Sitz der zentralen Verwaltung erho - j
ben werden konnte , das war wirklich einer der genialsten Akte j
der politischen Neuzeit . Der Name des neuen Staates „ Schles - wig - Legoland " verweist treffend auf die gewaltige europäische Dimension dieses national - regionalen Zusammenschlusses . Daß Johan Galtung wie die Vulkangöttin Pele im fernen Hawaii mer mal wieder durch Eruptionen auf sich aufmerksam macht , muß man heute nicht mehr ernst nehmen . Die Jugoslawisierung des Nordens konnte auf diese Weise verhindert werden .
Nachdem durch den inzwischen rundlaufenden mus selbst die ödesten Flecken der jütländischen Heide zivilisiert werden konnten , und wieder Wohlstand und Stabilität eingekehrt sind , spielt das Argument überhaupt keine Rolle mehr , land hätte Schleswig - Holstein an Jütland abgegeben , die Abstim - i mung von 1920 sozusagen revidiert . Nein , die Verhältnisse sind so i nicht mehr . Schläfrig - Holstein ( die landesspezifische Langsamkeit i mußte in Deiner Regierungszeit ja nicht erst entdeckt werden ) hat i mit Billund wieder sein Hinterland bekommen .
Es bleibt für die nahe Zukunft das leidige Problem Fünen und I
Anholt . Anholt kann man ja durchaus weiterhin für Mittsom - j
mer - Aktivitäten der dänischen Nationalisten freihalten . Geister - !
beschwörung hat schon immer die Gemüter beruhigt , und för - i
dert übrigens auch den Tourismus . Die Sache mit Fünen ist aber i
ernster zu nehmen , denn wir können uns kein weiteres Korsika !
im Norden leisten . Denk allein an die Attraktivität Odenses und i
die auf 14 Meter vergrößerte Kopie der Andersenschen Meer - ;
jungfrau aus Kopenhagen . Das zieht Massen an , die vergnügt i
sein und nichts mit den Turbulenzen politischer Desperados und i
Separatisten zu tun haben wollen . Laß doch mal von Deiner i
Denkfabrik in Wandlitz herausbekommen , ob man nicht den i
Norwegern Fünen als Protektorat anbieten sollte . Als Anreiz i
könnte man ihnen vielleicht anbieten , De Forenede Danske ! Spritfabriker von Aalborg nach Kerteminde zu verlegen .
Herzlichst ,
Dein Henning
NORDEUROPA
forum

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