THEMA 
TV IN FINNLAND : 
Fluch oder Segen ? 
Ganz Europa ist verkabelt . Anglo - amerikanischer Einheitsbrei à la Dallas oder Denver beherrscht die Mattscheiben . Auch die wohner der entlegensten Gebiete Finnlands können , dank bel - und Satellitenfernsehen , aus einer Vielzahl von men ihre Wahl treffen . Droht der finnischen Gesellschaft dadurch ein Kultur - bzw . Identitätsverlust ? 
Heiner Schönecker 
Zu Beginn der achtziger Jahre setzte in Finnland wie generell in europa ein Strukturwandel der dienlandschaft mit schwer abschätzbaren Folgen auf Alltagskultur und Lebensweise ein . Das öffentlich - rechtliche Fernsehen ( Yleisradio , YLE ) , das seine Programme auf zwei Kanälen ausstrahlt , verlor sein bis dahin faktisch unangefochtenes nopol . Die Neuen Medien , namentlich kommerzielle Satelliten - und hen , bieten mittlerweile eine Überfülle an Programmen an , die von transnationaler Unterhaltung dominiert sind . Der damit verbundene übermächtige Nivellierungs - druck beschwört die Frage nach Chancen und Grenzen kleiner nationaler kulturen herauf , sich in ihrem kulturellen Eigensinn zu behaupten . Um es vorweg zu nehmen : Die in Finnland während der achtziger Jahre in dieser Hinsicht nenen Erfahrungen lassen auf eine staunliche Resistenz des nationalen sehens gegen kulturelle Identitätsverluste schließen . 
Noch vor zehn Jahren bestimmte das einheimische Fernsehen weitgehend das gesamte landesweite Programmangebot . Kabelfernsehen , das in einigen finnischen Großstädten Mitte der siebziger Jahre kam , blieb in seiner Wirkung zunächst 
Dr . Heiner Schönecker war Mitarbeiter am Nordeuropainstitut Greifswald im Bereich Kulturwissenschaft . Davor war er lange Zeit als ADN - Korrespondent in Finnland tätig . Er lebt heute in Berlin . 
ziemlich begrenzt . Der Einfluß des sehens benachbarter Staaten fiel bis dahin kaum ins Gewicht . 
Lediglich finnlandschwedische kerungsgruppen in Österbottnien ( Pohj - anmaa ) und die Bewohner der Äland - In - seln bevorzugten bei gutem Empfang reichsschwedische Programme . Trotz knapper Ressourcen bei einer rungsgrundlage , die nur wenig mehr als die der Hälfte von Paris entspricht , terte das finnische Fernsehen Jahr für Jahr sowohl seine finnisch - als auch dischsprachigen Sendezeiten : Von 1970 bis 1985 ist der jährliche fang von 3 . 353 auf 5 . 235 Stunden wachsen . Rund ein Fünftel der von TV 1 ( Ykkönen ) und TV 2 ( Kakkonen ) strahlten Sendungen wird jedoch nicht von YLE selbst , sondern von dem kommerziellen Reklamefernsehen ( Mai - nos - TV , MaTV ) produziert . Dieser sich aus Reklameeinnahmen finanzierende gleichaltrige „ Zwillingsbruder " besitzt eine unabhängige Stellung , mietet aber bislang noch die Sendenetze , die sich in Finland im Besitz des öffentlichen hens befinden . Es deckt mit den chen Einnahmen , die von MaTV fließen , etwa ein Fünftel des eigenen Budgets . Diese Symbiose beider ler Anstalten verbesserte nicht nur den Spielraum für die sich stetig verteuernden eigenen Programmproduktionen , sondern ermöglichte auch ein pluralistisches grammprofil : eine Mixtur aus fiktionaler Unterhaltung und informativem 
gramm , dessen aufklärerische Intention in der skandinavischen Bildungs - und Volksbewegungstradition wurzelt . 
Das öffentlich - rechtliche Fernsehen 
Die Sendungen des öffentlich - chen Fernsehens berücksichtigten unter dieser Prämisse traditionell in starkem Maße Sachprogramme - Nachrichten , portagen , Dokumentarisches , richte . Fiktionale Unterhaltung vor allem der Kategorien Spielfilm , Serie , gungsprogramm dominiert hingegen tiv stabil zu etwa drei Fünftel die zeit des privaten Reklamefernsehens . Alles in allem sind die Sendeanstalten mehr durch Kooperation verbunden als durch Konkurrenz entzweit . 
Besonders über dem öffentlich - chen Fernsehen liegt noch immer die Ende der sechziger Jahre , in der Amtszeit des gendären YLE - Generaldirektors Eino S . Repo , verbreitete Aura eines zeitkritischen Programmanspruchs und ten Medienbewußtseins . Unabhängig von Einschaltquoten erhielten solche Segmente wie Naturdokumentation , Kulturprogramm , Reportage und Meinungsbildung auch und gerade zu besten Sendezeiten feste grammplazierungen . So schärften auf diese Weise Rapporte über Kriegsschauplätze , wie sie seit den Schreckensbildern über den Vietnam - Krieg und aus Biafra in die abendliche Familienidylle drangen , bei aller Wirkungsambivalenz das globale bewußtsein und erhöhten das allgemeine Informationsniveau . 
Wie aus kultursoziologischen chungen hervorgeht , verfolgt se auch ein Großteil der schaft regelmäßig TV - Informationssen - dungen . Weltsichten formen sich mehr unter dem Eindruck dieser Sendungen als in gewohnter unmittelbarer Abhängigkeit von Arbeitskollegen im eigenen kreis . So trugen etwa die Sachprogramme von YLE dazu bei , tabuisierte nen der Gesellschaft aufzubrechen , täre Tendenzen zu stärken und einem bleiernen Traditionalismus Boden zu ziehen . 
Die Unterhaltungssendungen des mefernsehens wiederum gewannen tionell ihre Popularität als gramm , das sich an einem größten gemeinsamen Nenner orientiert . Während 
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NORDEUROPA 
fnrum
	        

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