Der mangelnde Dialog zwischen dem , der die Macht hat , und dem , der vorsteht , führt leicht zu einer zugespitzten Konfliktsituation , in der derjenige , der die Macht hat , von der keit der anderen spricht und diejenigen , die außenvorstehen , mit der Zeit jegliches Vertrauen in die Leute an der Macht lieren .
Die wirklichen Klüfte in Finnland sind auch größer geworden . Während es 1987 noch den Hauch einer Konsensgeseilschaft gab , die gewisse Zeit sogar funktionierte , erscheint die Zersplitterung jetzt größer als zu irgendeinem Zeitpunkt nach 1945 .
Die Tradition , daß die Machthabenden es besser zu wissen glauben als das Volk , hat lange Wurzeln in unserem politischen Leben . Unsere Präsidenten seit Paasikivi , vielleicht mit Ausnahme von Koivisto , ben zeitweise starke Kritik an der Freiheit geübt , die sich einzelne nehmen , etwas , das zu verblüffender intellektueller Stille führen konnte . Aber da die Grenze schen Außen - und Innenpolitik eine im Wasser gezogene Linie ist und der rende Präsident die vorwiegende wortung für die Außenpolitik hat , kann fast jede Äußerung als Kritik am denten verstanden werden .
Das hat auch mit der geringen Größe des Landes und seinem monolithischen Charakter zu tun , und in der Politik mit der Angst vor Sanktionen durch die , die den Apparat beherrschen . Leute in der Sauna oder in der Kneipe können sagen , was sie wollen , und danach handeln , aber in der großen Politik ist man mit Stillsein erfolgreicher . Mit gewissem Erstaunen lebte ich vier Jahre lang die Karriere von Eeva Kuuskoski in den gen , obwohl sie praktisch nie Ansichten äußerte , jedoch für einen Teil der kerung eine Art neuen Wert zu sieren schien , der nicht zu definieren war .
Die Parteien , die Reichstagsfraktionen und ihre Führungen sind sehr kritisch genüber individuellen gen , wenn sie auf irgendeine Art und se gegen den Strom des Konformismus gehen , der für Politiker so bezeichnend ist . Das bedeutet nicht , daß Opposition und abweichende Meinungen fehlen den .
Eine davon betrifft Europa .
Der Verdacht liegt nahe , daß die ner einer weiteren Integration , die die Mitgliedschaft in der Europäischen
meinschaft beinhaltet , in Wirklichkeit die geschlossenen Sektoren innerhalb der nischen Wirtschaft , allen voran die wirtschaft , erhalten wollen .
Europa ist jedoch nicht in erster Linie ein wirtschaftliches Projekt . Ginge es nur um technische Handelshindernisse , könnte man genauso gut die deutschen DIN - Nor - men , die die Entwicklung bestimmen und die wir in vielerlei Hinsicht nachgeahmt haben , übernehmen .
Europa ist unser Schicksal , im Guten wie im Bösen .
Eine Beobachtung , von der ich im Finnlandbuch von 1967 schrieb und auf die ich besonders stolz bin , ist das kenntnis zu Europa , das mit Sicherheit damit zu tun hatte , daß ich zu der Zeit ner der wenigen im Lande war , sten und Politiker eingeschlossen , die durch Europa gereist waren , die Bücher über Europa geschrieben hatten und die gesehen hatten , was die politische Teilung Europas bedeutete .
In der Nachfolge Thomas Manns schwebte mir ein Europa in Würde und Verantwortung vor , in einer Synthese aus sozialer Gerechtigkeit und Möglichkeiten der Individuen , sich zu behaupten , einander zu wetteifern und sich selbst zu übertreffen .
Das gründet auf der Überzeugung , daß nur im Rahmen stabiler Vertragssysteme und starker Volkswirtschaften die Chance besteht , mit der Zeit die große Kluft schen arm und reich in Europa etwas zu mildern .
In einem System der europäischen sammenarbeit wird es für Finnland leicht möglich , alle Chancen zu nutzen , die in einer Zusammenarbeit mit dem neuen Rußland und den baltischen ten liegen , fußend auf Traditionen , die nie richtig verschwunden sind . Das setzt doch voraus , daß wir an der schreitenden Zusammenarbeit men , die die EG ausmacht , und daß wir den logischen Schritt hin zum EWR - Ver - trag tun .
In seinem klassischen Buch Der Weg zur Knechtschaft schreibt F . A . Hayek : „ Die Planung , gegen die all unsere Kritik gerichtet ist , ist ausschließlich die nung gegen Konkurrenz - die Planung , die die Konkurrenz ersetzen soll " . Solche Planung ist genau das , womit sich die Ideologie in Finnland , staatlich und munal , befaßt . Man braucht nur daran zu
denken , wie die alte Regierung versuchte , die Entwicklung in den dynamischsten Großstadtregionen zu bremsen , oder an die großen Unterstützungszahlungen an weniger entwicklungsfähige Gemeinden . Die Vorstellung einer geplanten , absolut gleichmäßigen und gleichen Entwicklung in allen Teilen des Landes , die der Grund für Gunnar Myrdals Auseinandersetzung mit Indien nach dem Zweiten Weltkrieg war , wurde später von ihm selbst ben , weil er einsah , daß eine „ ungleiche " wirtschaftliche Entwicklung und sche Wachstumszentren auch in Indien dazu beitrugen , verstärkte Nachfrage auch in den angrenzenden Provinzen zu schaffen .
Der Reichtum Finnlands , sein netz , Verbindungen , Krankenhäuser und soziale Institutionen sind abhängig von einer funktionierenden Wirtschaft und den Steuereinkünften , die sich der Staat in unterschiedlichen Formen verschafft . Der Substanzwert Finnlands ist hoch , aber der Ertrag ist gering .
Dieses Volk ist nicht dümmer als re Völker und erhob sich 1945 - 52 zu ner gesammelten nationalen gung , dem Wiederaufbau nach den Verwüstungen des Krieges , und es gelang ihm damals , eine große aus Karelien flüchtete Bevölkerung zu assimilieren . Ein Teil der Probleme rührt aus dieser Zeit , unter anderem die Dominanz der landwirtschaftlichen Kleinbetriebe , aber es ist auch nicht völlig undenkbar , daß eine junge , offenere Generation sich zu einer neuen nationalen Kraftanstrengung sammeln kann .
Die Zeichen stehen zur Zeit jedoch schlecht . In einer Zwangsjacke von gelsystemen könnte diese Generation mit den Füßen wählen und sich in das pa aufmachen , das dynamischer ist als es unsere Gesellschaft zur Zeit ist . ■
Dieser Artikel zvurde zuerst in Moderna Tider , Heftnummer 16 , Febr . 1992 , veröffentlicht und ist Teil von Jörn Donners neuem Finnlandbuch „ Huset dar jag bor " , das im Oktober bei Brombergs bokförlag in Stockholm erscheint . Übersetzt von Krister Hanne
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