lisierung : eine weitere Verschlampung des Universitätsinterieurs .
In Dänemark ging man einen ganz deren Weg , sowohl was die sparungen betraf als auch die Reinigung . In meinem Büro in Dänemark konnte ich es tatsächlich wagen , meinen Pullover in die leeren Stellen des Bücherregals zu gen , weil ich wußte , daß diese gesäubert werden , und ich mußte damit rechnen , am nächsten Tag einen leeren Papierkorb zufinden . Man mag das übertrieben den , aber schließlich werden in Dänemark auch die Fußböden von Kirchen und thedralen feucht gewischt !
Die ganz praktische Folge dieser schiedlichen Einrichtungspolitiken ? : Der deutsche Professor / Assistent / Lektor / dierende verläßt so schnell wie möglich die Universitätsgebäude , um zuhause zu arbeiten , weil er es in all der sen Schäbigkeit nicht aushält . Wie anders können auch über 1 , 6 Millionen rende in der ( alten ) Bundesrepublik auf ca . 800 . 000 Studienplätzen Platz haben ? Oder ist die soziale Innenausstattung der deutschen Universität so schäbig , weil man es vorzieht , zuhause zu arbeiten und sich nicht kümmert ? Immerhin fällt auf , daß - mit Ausnahme von einigen wissenschaftlichen Instituten - die sche Universität am Abend und am chenende ausgestorben ist , von den Semesterferien ganz zu schweigen ( fünf Monate im Jahr ) . Der Kontrast zu manch einer amerikanischen Universität ist pierend , wo mindestens die Studierenden die Möglichkeit nutzen , die ganze Nacht durchzuarbeiten ; die skandinavischen gen irgendwo zwischen den beiden Polen .
Wohl eher zum Zynismus deutscher versitätsorganisation als zur keit in bezug auf die soziale Organisation ist zu rechnen , daß in Deutschland die richtung der Büros streng nach Hierarchie verordnet ist : Die billigsten Möbel stehen im Sekretariat , die teuersten beim Professor . Das heißt , der Drehstuhl der Sekretärin , der den ganzen Tag benutzt wird , darf nur nen Bruchteil des professoralen Stuhles sten , der in der Regel nur für Stunden sessen wird . Und so verhält es sich mit der übrigen Einrichtung ; Sekretariate sind her üblicherweise auch kleiner als die Büros der Wissenschaftler / innen .
Die dänische Antwort auf die politische Forderung nach Einsparungen war eine andere , man hat an manch einer sität eine große Zahl von len abgeschafft und die Unterschiede schen den Mitarbeitern beseitigt ( auch deshalb wird jetzt in Dänemark ein licher Nachwuchsengpaß für die nächsten Jahre beklagt ) ; ein Lektor , immer schon etwas ganz anderes als bei uns , scheidet sich nur durch den Titel vom Professor : Anforderungen , Ansehen und Funktionen sind dieselben . Wichtiger aber ist wohl , daß alle auf den gleichen Möbeln sitzen - es gibt auch niemanden , der das verkehrt findet .
Kommunikationsverhinderungs - strategien
Ganz und gar grotesk geht es auf dem Feld der direkten Kommunikation zu : Spart man schon an der Reinlichkeit , so wird die Handhabe des Telefons ganz de beschränkt - im Zeitalter der nikation und Information . Wer länger als zehnminütige Ferngespräche führt oder wer länger als zehn Gebühreneinheiten pro Gespräch braucht , der muß sich ( schriftlich ! ) rechtfertigen . An der Freien Universität kann man überhaupt nur über die Vermittlung Ferngespräche führen , und das nicht mehr nach 19 Uhr und nicht übers Wochenende und in der Regel nach sehr langen Wartezeiten . Der ler einer Universität mußte zurücktreten , weil er eine als zu teuer eingeschätzte lefonanlage gekauft hatte . Hier wird auf eine Weise die Arbeitsorganisation der Mitarbeiter gestört , bisweilen Arbeit und Leistung verhindert , wie man sich das heute nicht mehr vorstellen sollte . - Ganze Fachbereiche haben bis heute die Erfindung des Telefaxgerätes und des sonalcomputers verschlafen , Handarbeit steht vielfach immer noch höher als tronik .
Ganz undenkbar für einen dänischen Hochschullehrer - übrigens auch für einen amerikanischen - ( die Ausnahmen gen die Regel ) ist die Ausstattung , die ein deutscher ( immer noch ) hat : Studentische Hilfskräfte , zugeordnete Sekretärin , senschaftliche Mitarbeiter , Bücheretat . Verglichen mit einem dänischen muß es ihm sehr gut gehen , der mehr oder
ger ganz auf sich gestellt ist , seine Arbeit selbst erledigen muß , die Hilfsdienste geschlossen , selber bibliographieren und Bücher aus der Bibliothek holen muß .
Vor dem Hintergrund dieser deutschen Ausstattungsnorm sollte man annehmen , daß der deutsche Wissenschaftler ver arbeitet , sein Output müßte optimal erwirtschaftet worden sein . Ist er das ? Sind die deutschen Universitäten nach rer Produktivität wirklich effektiver , also auch billiger als die amerikanischen und dänischen / skandinavischen ? Ich le dies schon aufgrund der referierten zialen Organisation der deutschen sität , welche Unmut , ja Unwillen zur Folge hat , sichtbare Destruktivität und Vandalismus . Die dänischen schaftler sagen übrigens von sich , sie seien fauler als ihre deutschen Kollegen , weil sie weniger unterrichten , sechs chenstunden statt acht . Der rechte stab ist das aber wohl auch nicht .
Mein Bild von der dänischen sitätswirklichkeit ist ein rosiges , ich lebe auch in der deutschen . Die ka der Massenuniversität haben lich zum oft beklagten Qualitätsabfall von Forschung und Lehre in Deutschland getragen . Die nun seit mindestens zwei Jahrzehnten andauernde Unfähigkeit der deutschen Universität , sich selbst und von innen zu reformieren ( Studiengänge und - Zeiten ) prägt die universitären ständnisdebatten . Welche Folgen für schung und Lehre aber würde eine rung der sozialen Organisation der Universität haben ? Welches Leben den wir führen , wenn wir uns in den bäuden wirklich wohl fühlen könnten ? Wenn Kommunikation unter den Nutzern entstünde , gar gefördert würde ? ■
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NORDEUROPA
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