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KULTUR 
WISSENSCHAFTSBETRIEB IN DEUTSCHLAND : 
Der Charme einer Autobahnraststätte 
Wer ein paar Wochen im Ausland gewesen ist , schreibt lerweise ein Buch über die Fremden , ihre Sitten , ihre Politik - Grenzüberschreitungen sind immer zugleich auch rungen , die sich mitteilen wollen . Als Wissenschaftler erlebt man einen kleinen Ausschnitt der sozialen Wirklichkeit . Kein Buch , sondern eine kurze Polemik zur sozialen Einrichtung der dänischen Universität im Vergleich zur deutschen soll hier folgen . 
Bernd Henningsen 
Zunächst zur Welt der gen : An skandinavischen sitäten gibt es ( fast ) keine Graffitis , mutwillige Zerstörungen von gen findet man höchst selten . Selbst die Universitäten von Umeá und Luleâ in Nordschweden - wahrlich nicht durch natürliche Lage und Lebensbedingungen bevorzugt - sind in ansehnlichen , ten und gepflegten Gebäuden bracht . Man muß in Deutschland lange suchen , ehe man Universitätsgebäude det , die von ihren Nutzern so men worden sind , wie das in en der Regelfall ist ( aber auch hier ist eine Angleichung feststellbar ) . 
Das schlimmste Beispiel ist wohl das trale geisteswissenschaftliche Gebäude der Freien Universität Berlin , die „ Rost - und Silberlaube " , in dem ca . 20 . 000 Studenten und ca . 800 Mitarbeiter „ untergebracht " sind . Müßte es nicht schon wegen verseuchung nach nicht 20 Jahren der zung demnächst abgerissen oder zumindest runderneuert werden , so wäre dieses gänglich wegen der Dysfunktionalität und des Vandalismus : Das Gebäude ist kaputt . Man könnte einen Wettbewerb über die äußerlich heruntergekommenen ten veranstalten , auch und gerade die 
gründungen würden hierbei einen oberen Rang einnehmen . 
Was können die Gründe sein für den Vandalismus an und mit öffentlichen bäuden und Einrichtungen ? Sind die zer in Berlin und Frankfurt und Hamburg und Bochum gewalttätiger , licher als die in Árhus und Stockholm und Bergen ? Vielleicht . 
Zuerst die Kantine 
Wer aber in diesen Gebäuden in Deutschland und Skandinavien gearbeitet hat , wer möglicherweise noch gen mit amerikanischen Universitäten hat - deren Leistungen uns ja immer ten werden - , dem wird bald eine schiedliche Organisation aufgefallen sein , eine andere Art , die sozialen Abläufe in den Häusern zu organisieren . Ich meine , daß ein großer Teil der Unzufriedenheit der Studierenden und der Lehrenden in Deutschland auf diese ( falsche ) soziale Organisation von Universität führen ist . 
Mir erzählte man in Àrhus von einer englischen Untersuchung zur dänischen 
Architektur und zum Bauablauf , bei der man herausgefunden hatte , daß es in nemark einen konstanten ablauf gibt : Ist für ein architektonisches Großprojekt der Wettbewerb entschieden und die räumliche Aufgliederung des bäudes zu bestimmen , dann wird als erstes die Placierung der Kantine vorgenommen . Der spätere Nutzer merkt diese rensreihenfolge in der Regel daran , ( d . h . , wenn die Entscheidung „ richtig " war , merkt er es eben nicht ) , daß die Kantine „ richtig " liegt : im Zentrum der Anlage . Dieses ist so an der Universität Odense und an anderen Universitäten . Die „ len " Aktivitäten , die nicht zifischen Funktionen , die wir gleichwohl nicht an der Hörsaaltür abgeben können , entscheiden über das Lebensgefühl und mithin über den Arbeits - und willen , daher wird ihnen eine so ge Stelle eingeräumt . 
Die Ästhetik einer Autobahnraststätte . . . 
Ganz anders dagegen der Bau deutscher Universitäten . Beim Wiederaufbau der Münchner kam die Mensa als letztes dran , und sie liegt relativ weit weg vom Schuß . Ebenso in Berlin und in Trier , jedesmal wurden die Mensen als letztes gebaut , bzw . erst relativ spät . Von der phalen Betriebsorganisation der schen Mensen - Trier eine ganz große Ausnahme - einmal abgesehen . 
Diese Beobachtung der chen Bau - und Sozialorganisation von Universitäten läßt sich verallgemeinern und bis in kleinste Details wiederholen . Die Philosophien , die dahinterstecken - und sie beschreiben zugleich die sation des sozialen Lebens - , resultieren aus unterschiedlichem Verständnis der zialen Existenz des Menschen : Auf der nen Seite , der deutschen , die nalität von der sozialen Existenz , auf>der anderen , der dänischen , die Einsicht in die Multifunktionalität . Oder einfacher ausgedrückt : 
In Deutschland ist der Student dadurch definiert , daß er studiert , der Forscher forscht , der Dozent doziert , die Sekretärin schreibt . Nach dieser Unifunktionalität , in der sich auch die Geschlechtsspezifität i spiegelt , sind die Gebäude eingerichtet , I 
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