ben sich übrigens , verlockt durch stimmungen ihres Vokabulars mit dem Grundtvig der Tiedjeschen Übersetzung , niger weniger Jahre Grundtvigs bedient , bis sie herausfanden , daß Grundtvigs Begriff des Volkstums nicht dem ihren entsprach und er - horribile dictu - ausgerechnet England als großes Vorbild empfahl ( bis hin zur Sauberkeit der Gehsteige und Freundlichkeit der Polizisten ) .
Wer sich heute auf Deutsch ein Bild von den vielfältigen Facetten Grundtvigschen Denkens und Wirkens machen will , sollte auf die Dokumentation des len Grundtvig - Kongresses an der sität zu Köln vom 7 . - 10 . September 1988 zurückgreifen ( Literaturangabe s . Kasten ) , auf dessen Diskussionen und Beiträge in den drei Sektionen Pädagogik / nenbildung , Theologie / gik und Nordische Philologie ich mich im folgenden beziehe .
„ Folkelighed "
Zentral im Grundtvigschen Denken ist der unübersetzbare Begriff der „ hed " , wörtl . der „ Volklichkeit " . Gemeint ist , daß sich alle Sektoren des öffentlichen Lebens „ dem Volke gemäß " verhalten . Mindestens drei Dimensionen lassen sich nach Poul Engberg in Grundtvigs Konzept der „ Volklichkeit " unterscheiden : 1 . Volklichkeit ist immer national . Grundtvig hat gerne „ Folke - lighed " ( „ lighed " = Gleichheit , Ähnlichkeit ) schrieben , wobei diese „ Volks - heit " in nationaler Hinsicht dann deutet : Gleichheit ( der politischen Institutionen , der Gesetze , der Kirche , der Sprache ) mit dem Volke . chen ist hier der Gedanke einer nal - kulturellen Selbstbestimmung eines Volkes , welches wiederum bestimmt ist als Träger eines gemeinsamen len Erbes ( Grundtvig steht hier in der Nachfolge des Rigaer Gottfried Herder , der das deutsche „ Volk " ebenfalls über die ihm eigene kulturelle Tradition stimmte ) . Die Entscheidung , ob man sich in diese Tradition einreiht , trifft man letzten Endes selbst , man bekennt sich zu ihr . Ein voluntaristischer nenbegriff also , wie ihn später ( 1882 ) , aber international bekannter Ernest Renan im Hinblick auf die Elsässer
mulierte : „ L'existence d'une nation est . . . un plébiscite de tous les jours . " ( ses Prinzip fand übrigens sehr reich seinen Niederschlag in der Bonner und Kopenhagener Erklärung von 1955 zur dänisch - deutschen ge , wo die Zugehörigkeit zur dänischen resp . deutschen Minderheit eben über dieses nicht überprüfbare „ Bekenntnis " definiert ist . )
Grundtvigs Haltung in den dänisch - schen Auseinandersetzungen um das Herzogtum Schleswig 1848 - 64 mag als lustration für diese leicht hende nationale Dimension der keit dienen : Von ihm ist der Ausspruch überliefert , er hasse die Deutschen , aber nur bis zur Eider . Gleichzeitig protestierte er gegen die 1850 - 62 betriebene Zwangs - dänisierung der deutschen bzw . sprachigen Bevölkerung . Volklichkeit war für Grundtvig immer auch Achtung vor der anderen Nationalität .
2 . Die „ Volks - Gleichheit " hat aber auch eine soziale Dimension , wenn man sie als Gleichheit vor dem Gesetz versteht . mit ist also mitnichten eine marxistische Umverteilung der Produktionsmittel und des Kapitals gemeint , eher ein Bekenntnis zur prinzipiellen Gleichwertigkeit eines jeden Menschen und der daraus renden Verpflichtung , ihm ein würdiges Dasein zu ermöglichen .
3 . Schließlich darf noch die sche Dimension keinesfalls übersehen werden . „ Volklichkeit " ist nur in bindung mit Freiheit zu praktizieren . der Zwang war Grundtvig ein Greuel ; sein Freiheitsbegriff wäre liberalistisch zu nennen , stünde nicht immer der Mensch bei ihm im Zentrum . Sein „ Nachtwächterstaat " hat also keinen Zweck an sich , sondern nur eine nende Funktion für das Volk .
Grundtvigs Bildungsgedanke und die „ Folkehojskole "
Mit Grundtvig , der mitunter in tivischer Übersteigerung als „ größter Pädagoge des 19 . Jahrhunderts " net wird , assoziiert man gemeinhin die Idee der Volkshochschule . Aber auch wenn sein Konzept einer „ folkelig Hojsko - le " die vielleicht wichtigste quelle für die Erwachsenenbildung in Deutschland war , hat die heutige Abend -
VHS in der BRD doch wenig oder gar nichts mit Grundtvigs Konzept gemein .
Als nach 1830 in Dänemark der tistisch regierende König die Provinzial - stände zusammenrufen mußte ( sie tagten erstmals 1835 ) und damit eine wenn auch äußerst bescheidene Beteiligung des „ Volkes " an politischen Entscheidungs - prozessen absehbar war , erhob sich für Grundtvig die Frage , wie das Volk auf se Aufgabe vorbereitet werden sollte . Er propagierte dann in den sog . „ Hochschul - schriften " der dreißiger und vierziger Jahre des 19 . Jahrhunderts die Notwendigkeit einer „ folkelig Oplysning " ( „ volklichen Aufklärung " ) , einer umfassenden dungsreform , als deren Herz er eine zu richtende „ volkliche Hochschule " in S oro auserkor . Statt steriler Objektivität und Schriftlichkeit wünschte sich Grundtvig eine Schule der Mündlichkeit , eine Schule der lebendigen Wechselwirkung zwischen Lehrern und Schülern , eine Schule für die dänische Selbstfindung . Das Ziel dieser Hochschule sei nicht primär die lung von berufsrelevanten oder - nutzbaren Fähigkeiten . Jeder Utilitarismus sei zu meiden , stattdessen ist die geistige weckung oder Vervollkommnung das Ziel . Als „ Fächer " skizzierte er den Unterricht in der Muttersprache und der schen Geschichte , das Erzählen scher Mythen ; auch nicht zuletzt das meinschaftliche Singen . Denn Unterricht ist bei Grundtvig etwas gemeinschaftlich Erlebtes , nicht die autoritäre Vermittlung von Stoff . Deshalb betonte er auch , riert durch seine Bekanntschaft mit schem College - Leben 1830 und 1831 , das gemeinschaftliche , bis zu sechs Monaten dauernde Leben in der Volkshochschule .
Dieser Entwurf basiert auf Grundtvigs Unterscheidung von ( akademischer ) lehrsamkeit einerseits und volklicher dung andererseits . Während die erstere sich um das Menschenleben im Ganzen mere , beschäftige die Bildung sich mit dem augenblicklichen Volksleben und habe als Ziel die „ Tauglichkeit fürs Leben " . Die
Arbeitsstelle für Grundtvig - Studien
z . Hd . Prof . Dr . Paul Röhrig Seminar für Pädagogik Universität Köln Gronewaldstr . 2 W - 5000 Köln 41
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