breitung seiner Werke und seiner bezeichnungen auch im Norden erscheint es möglich , daß dieser Name dann vom Verfasser der Grönländersaga men wurde , der um die Glaubwürdigkeit dieses Namens zu untermauern die de mit dem Wein einbaute . Aus dieser Saga , deren Überlieferung älter als die der Saga von Eirik dem Roten ist , können später die anderen Schreiber und vor lem auch der Verfasser der Saga von Eirik dem Roten geschöpft haben .
Zwei Sagas
Nachdem sich die erste Diskrepanz klärt hat , muß noch auf die inhaltlichen Unterschiede der beiden Sagas gen werden , die sich nicht nur bei der ge nach dem wirklichen Entdecker - die Saga von Eirik dem Roten stellt nicht Leif , sondern Thorfinn Karlsefni als den ren Entdecker dar - widersprechen , dern auch bei der Lage Vinlands . In der Saga von Eirik dem Roten werden nur für den ersten Teil der Reisebeschreibungen Zeitangaben gemacht . Die mung dieser Angaben mit denen der Grönländersaga endet mit dem Erreichen Labradors . Von dort an , also eigentlich dem Punkte an , von dem Vinland nur noch wenige Segeltage entfernt ist , wird die Saga von Eirik dem Roten ungenau , ein Wiederfinden der in der Saga benen Siedlung unmöglich gemacht . Es wird der Eindruck von weiten gen geschaffen und aus der Siedlung der Grönländersaga werden zwei ne , von denen die eine weit im Süden gen muß . Warum , so stellt sich die - logische - Frage , hat der Verfasser dieser Saga die Angaben der Grönländersaga , die durch den Fund der Siedlung bestätigt wurden , so verändert ?
Die Antwort gibt die Saga selbst . Wenn man sie genau untersucht , dann stellt man fest , daß in der Saga sehr viele Anleihen gemacht wurden aus anderen Sagas und vor allem auch aus der Grönländersaga . Die Saga von Eirik dem Roten , die lich später niedergeschrieben wurde als die Grönländersaga erscheint als der Versuch eines Verfassers , aus einem vorgegebenem Fakt eine neue Geschichte zu machen , ohne die Grundlage , also die Entdeckung Amerikas durch Leif und die weiteren Fahrten dorthin , in Frage zu stellen . In der
Regel sehr sorgfältig , stellenweise aber auch nachlässig , verknüpft er die einzelnen Informationen , setzt neue Schwerpunkte und baut Anleihen aus anderen Sagas ein . Er bringt das Motiv der zung der Christen mit dem Heidentum in die Saga ein , er unterstellt Leif Eiriksson eine Norwegenreise , auf der er das stentum annahm , und er fügt völlig tastische Vorstellungen in die Saga ein .
Die meisten dieser Einfügungen nen erst dann logisch , wenn man dem Verfasser eine bestimmte Absicht stellt : Er wollte nicht nur alten Stoff beiten , sondern diesen auch noch in das Weltbild des 13 . , d . h . seines Jahrhunderts einfügen .
Dieses ging davon aus , daß der Atlantik ein Binnenmeer war , das „ Innere Meer " . Dieses war im Norden von Grönland und dem Eis umschlossen , das sich weit im Norden bis nach Norwegen erstreckte , im Westen aber durch Vinland , das sich weit nach Süden erstreckte , daß es an ka angrenzte , welches gleichzeitig das Meer im Süden abschloß . Die gen nach Afrika waren aber bekannt , denn schon seit langem gab es Fahrten , die sich über die Normandie bis nach Spanien streckten . Die langen Fahrtzeiten nach Afrika widersprachen jedoch den kurzen Angaben der Grönländersaga , nach denen Vinland weit im Norden liegen mußte .
Die Konsequenz aus dieser Differenz wäre gewesen , entweder das herrschende Weltbild anzuzweifeln und zu vermuten , daß noch andere Länder zwischen land und Afrika lägen , wenn es eine che Landverbindung denn überhaupt gab , oder aber Vinland so weit in den Süden zu verlegen , daß eine Anknüpfung an Afrika in den Bereich des Möglichen rückte .
Die erste Möglichkeit scheint der ser nicht gesehen zu haben , oder aber er traute sich nicht , sie zu vertreten ; von daher mußte er Vinland in den Süden verlegen . Die Wahl der zweiten Möglichkeit gab ihm gleichzeitig die Gelegenheit , phantastische Einschübe in seine Saga einzufügen und sie spannender zu gestalten ; erwähnenswert sind vor allem zwei Episoden : In der ersten zeichnet er das altnordische Bild einer me fatale , er läßt Freydis , eine uneheliche Tochter Eirik des Roten , an der Fahrt Karl - sefnis teilnehmen und in einem Kampf mit Eingeborenen eine ausschlaggebende Rolle spielen . Nicht nur , daß sie hochschwanger
den Feinden entgegentritt , nachdem ihre Fahrtgenossen geflohen sind , nein , er läßt sie auch noch das Schwert eines Gefallenen ergreifen und auf die entblößte Brust gen , wodurch die Feinde in die Flucht jagt werden . In einer zweiten Episode det er die Begegnung mit einem Einfüßler , der angeblich Thorvald Eiriksson durch nen Pfeil tötete . Diese Episode stützt dabei gleichzeitig die Vorstellung der Verbindung Vinlands mit Afrika , denn dieses sen sollte nur dort vorkommen .
Die weiteren Änderungen in dieser Saga geben ihr das Gepräge einer gelungenen terarischen Verarbeitung des Themas . Während man sich die Grönländersaga noch als wahrheitsgetreuen Bericht , die Episode mit dem Wein ausgenommen , stellen kann , so ist dies bei der Saga von Eirik dem Roten nicht mehr der Fall . Durch die Auffassung dieser Saga als rein literarisches Produkt , was durch die tionen des Verfassers und durch seine arbeitung des Stoffes belegbar ist , verlieren auch ihre anderen Aussagen an digkeit , vor allem die Passagen , in denen die Taten Leifs einem anderen , jenem Thorfinn Karlsefni nämlich zugesprochen werden . In Fällen , wo sie im Widerspruch zu der Grönländersaga steht , ist daher die letztere vorzuziehen , und dies führt wieder zum Ausgangspunkt dieses Textes , in dem die Frage gestellt wurde , wer der che Entdecker Amerikas ist : Leif son , der den Angaben der Grönländersaga zufolge das Neue Land erforschte , dort Hütten baute und es benannte oder finn Karlsefni , der wie in der Saga von rik dem Roten beschrieben , aufbrach , um dieses Land zu erforschen und es zu deln während Leif nur eine Nebenrolle gesprochen wird , nämlich , die des zufällig durch den Sturm dorthin Verschlagenen , der die Länder zwar zuerst sichtete , doch nicht erforschte .
Der herausgearbeitete Charakter der Saga von Eirik dem Roten , der noch anhand von vielen weiteren Beispielen bestätigt werden könnte , läßt auch in der Frage nach dem Entdecker nur eine Schlußfolgerung zu : Die Angaben der Grönländersaga denen der Saga von Eirik dem Roten vorzuziehen und diese nur als das zu betrachten was sie ist , nämlich ein literarisches Meisterwerk ohne Wahrheitsanspruch .
Leif Eiriksson bleibt der „ wahre " decker Nordamerikas . ■
40
NORDEUROPA
forum

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.