auf Faktenkenntnisse , geht meines tens in Ordnung . Schwedische Schüler sind versiert im improvisieren , sie haben ein kes Gruppenbewußtsein , können dig konversieren und Vorträge halten Die meisten gehen gern zur Schule . ben wiederum werden nicht gerade mit Lust und Liebe angefertigt . . .
Und die Vorkenntnisse in Deutsch . . .
. . . sind wesentlich geringer , nicht nur in bezug auf die Grammatik , sondern auch im Bereich des Wortschatzes . In den ziger Jahren kürzte man in der schule die Stunden für die zweite sprache , eine Entwicklung , die heute korrigiert werden soll , denn die se unserer diagnostischen Wortschatztests beispielsweise sind im Verlaufe der Jahre immer schlechter ausgefallen - wir haben den statistischen Vergleich seit Mitte der siebziger Jahre . Kritikwürdig ist auch , daß die Besten am Gymnasium ten haben , etwas dazuzulernen . derung ist über Jahre vernachlässigt den . An den Universitäten müssen wir diesen Leuten Wege ebnen , nicht zuletzt in studientechnischer Hinsicht und in der Sicherung eines breiten Umfeldes , auf dem sie sich austoben können .
Das bringt mich auf eine ganz andere Frage : Glaubst Du , daß mit dem senden Interesse an Deutsch auch das Interesse an deutscher Kultur und ratur wieder wächst ? Hier liegt ja , wie z . B . Per Landin unlängst in seiner tation bewiesen hat , manches im argen . . .
Da stimme ich Landin und Dir aus zu . Schweden ist in den letzten ren nicht gerade kulturell gewachsen . Im Gegenteil - Kulturtraditionen werden nachlässigt . Schwedische Jugendliche , die mit deutschen Jugendlichen über Kultur und Literatur debattieren sollen , kann ich mir schwer vorstellen . Und wir sind mit schuld daran ! Ist das das Bäuerliche in uns ? Diese Unfähigkeit zur Konversation über Kultur fällt besonders ins Auge , weil schwedische Jugendliche ansonsten sehr reif wirken . Die meisten , die aufs sium gehen , haben schon rungen , sie benehmen sich wie ne , sind sicher und bestimmt im Auftreten und in ihren Ansichten . Deutsche Gymnasiasten wirken auf mich im
gleich kindlicher . Ihre Reife zeigen sie erst , wenn es z . B . um ideengeschichtliche Fragen geht . Da schalten schwedische gendliche ab . Auch Strindberg , Almqvist , Selma Lagerlöf sind für viele fremde ten , leider . Aber deutsche Jugendliche ben es da auch besser : jedes Kind kann seine Eltern nach Goethe fragen und wird eine Antwort erhalten . Das probiere man hier mal mit Strindberg . . . Weiß man nig über seine eigene Kultur , hat man auch für die andere keinen rechten Blick . Glücklicherweise gibt es trotz allem die Neugier .
An der Universität merkt man das . Die Liebe zur Literatur muß bei vielen erst geweckt werden , man kann sie nicht aussetzen . Aber wenn sie erst einmal weckt ist . . . Die Leistungsunterschiede hier zwischen einem ersten Studienjahr und einem dritten sind kaum in Worte zu fassen . . Da treffe ich Studenten im sten , die drei Jahre Deutsch in der le gehabt haben und diesen Fakt nicht einmal auf deutsch formulieren können . Und vom dritten Studienjahr kriege ich manchmal Aufsätze , die sind druckreif . Ein Zeichen dafür , was an der Schule les versäumt , an Potential verschenkt worden ist . Doch laß mich noch auf ein anderes Thema kommen , das auch mittelbar mit der deutschen Sprache zu tun hat . Zitat aus dem „ Spiegel " , Heft 6 / 1992 : „ Leidenschaftslos nehmen die Schweden hin , daß in Europa und damit auch in Skandinavien künftig land und deutsche Wertvorstellungen' vorherrschen werden , wie ein ter Fernsehreporter bekanntgab . " Darf ich um einen Kommentar bitten ?
Welch ein Unsinn ! Ich glaube weder , deutsche Wertvorstellungen werden herrschen , noch , daß wir das los hinnähmen . Leidenschaftslos schon gar nicht . Wenn der Schwede sein Gefühl nicht gleich für alle sichtbar zeigt , sollte daraus niemand den Schluß ziehen , er hätte etwa keins . Zwischen Deutschen und Schweden bestehen ziemlich große Unterschiede in Kultur , Mentalität , vor allem im Gemüt . Das vermutet man so auf Anhieb gar nicht . Die heißen und zugleich auch kalten batten bei Euch , wo die Leute sich ins Wort fallen , ausfällig und häufig sehr deutlich werden , das ist für uns wie im Kino . Wir ben solche Traditionen nicht , im guten
Ulla Holmgren
Studiendirektorin am Germanistischen Institut der Universität Stockholm , geboren 1942 , Studium am institut in Heidelberg fil . kand . , Deutsch , Schwedisch , sisch sowie Staatswissenschaft und triebswirtschaft
Sie hat viele fach - und schaftliche Bücher übersetzt , u . a . über Leonardo da Vinci .
nicht und nicht im schlechten . Wir legen uns statt dessen Zügel an , sagen nicht gleich laut , was wir vielleicht denken . Wir wollen keinen verletzen . Neulich bei einem nationalen Studententreffen hier waren se Rollen verschoben : Deutsche Studenten , die bei der Vorbereitung halfen , wollten bei der Auswahl der Lieder keinen verletzen und strichen die deutsche Marschmusik vorsorglich aus dem Programm . Damit letzt man hier aber keinen , im Gegenteil , man hört sowas sogar gern und ganz lastet .
Und was sangen dann die Deutschen ?
Trink , trink , Brüderlein trink . Und die Schweden sangen kräftig mit .
Ein Beitrag zur sehr schwedischen koholdebatte . . .
Ja , ein versöhnlicher Beitrag , und der ist in diesem Fall recht selten . . .
Noch ein , schon fast sprichwörtliches , Beispiel für das Aufeinandertreffen von zwei ganz anderen Mentalitäten : scher Hochsommer , zehn Segelboote gen am Kai , über jedem die blaugelbe Flagge , auf jedem ein Schwede , der still sein Würstchen grillt . Schwedisches Idyll . Zwischen die Boote schiebt sich ein elftes . Auf ihm geht es laut zu , das Kofferradio dröhnt , man tauscht lauthals seine nungen aus und freut sich auf seine Weise des Lebens - dreimal darfst Du raten , wer auf diesem Boot fährt .
Jetzt verstehe ich Astrid Lindgren ser , die neulich auf einer Pressekonferenz äußerte , sie wolle in den Stockholmer Schären kein Deutsch hören .
Ja , Astrid Lindgren sagt heute häufig , was sie denkt . Anders aber die zehn Wüst -
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