Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein (Bd. 3)

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Wörterbuch. Verband— Vicarie. 
Beobachtungen. Stets hat, im Mittelalter 
wenigstens, das Füllwerk die Hauptrolle ge 
spielt ; auf den Durchverband scheint nirgend 
besonderes Gewicht gelegt zu sein (doch vgl. 
280, 31 ff.), daher umsomehr die gewöhnlich 
nachträgliche Anwendung eiserner Anker not 
wendig ward, die sich oft in übermässig 
reichlicher Benützung finden (Abb. 637). 
Merkwürdiger Beweis der Unsicherheit ist die 
Anwendung von wagrechten Längsbalken im 
Lichtgadem der Segeberger Kirche 2, 373, 32. 
Als äussere Verbandarten unterscheiden sich: 
1) Feldstein- (Findlings-)verband, mit oder 
ohne Auswahl der Steine, daher entweder 
aus grossen und kleinen durch einander 
ohne Schichten — oder ebenso in 
Schichten — oder nur aus grösseren , mit 
wenig oder sehr wenig kleinen als Lücken - 
füllung, einigermassen in Schichten — 
oder vorzugsweise aus grossen, ohne 
Schichtung. Zu den besseren Bauten dieser 
Art gehören die meisten Vizelinskirchen (vgl. 
Abb. 1070) ; zu den schlechtesten manche Ar 
beiten der Gotik. Diese Feldsteinbauart herrscht 
in der romanischen Zeit in Holstein, in 
Schleswig mit Ausnahmen, starb aber nie ganz 
aus und findet sich als inneres Haupt (Innen 
schicht) bei allen Granitbauten, auch den 
besten, vielfach. 2) Quaderverband von 
mustergiltigem Aussehn, die Schichten etwa 
40 cm hoch, in Angeln und Nordschleswig, 
nur spät romanisch Abb. 1222; 3) Ein roher 
Quaderverband (Abb. 1070) von etwa quadra 
tischen Stirnflächen; im 13. Jahrh.; fast nur in 
Wagrien, Holstein und Stormam, gar nicht 
in Mittel - und Nordschleswig. 4) Eine 
Art mykenischer Verband aus langen, ge 
sprengten Steinen meist ohne bearbeitete 
Stossflächen, aber mit ordentlichen Lager 
flächen, spätgotisch hie und da; und auch 
später vielfach an Westseiten, vor welche zum 
Schutz gegen das Wetter solche Bekleidungen 
oft gesetzt wurden. — Ziegelv erband 
S 69 f. Als mittelalterlich (alter Ver 
band) findet sich gewöhnlich a) der sog. 
gotische: in jeder Schicht wechseln Läufer 
und Binder so, dass auf je 2 Läufer 1 Binder 
kommt, der den Innenverband mit dem Kern 
herstellen soll. Besonders in Eiderstedt sparte 
man gerne noch mehr die Binder 198, 26. 
b) Der sog. wendische ist gerade in den 
sächsischen Gegenden, in Ditmarschen, mehr 
zu Hause; bei ihm kommt in jeder Schicht 
nach jedem Läufer ein Binder. c)d) Am Ende 
des Mittelalters findet sich ein neuer Ver 
band, der Block- und Kreuzverband, 
ein; die Schichten haben abwechselnd nur 
Läufer und nur Binder; beim Kreuzverband 
ist Bedacht darauf genommen, dass die Stoss- 
fuge der Läuferschicht erst in jeder 5. Lage 
wieder senkrecht über der unteren liegt; beim 
Blockverband ist darauf keine Rücksicht ge 
nommen, daher gewöhnlich die Stossfugen 
sämtlicher Läufer (bez. Binderschichten) die 
selben Linien halten. — Zierverbände, 
Schmuckverbände S 70, welche nur zur 
Ausfüllung gebraucht werden, sind der Fisch 
gräten- (ährenförmige) Verband (s. d.) und 
andere Formen, s. Abb. 1417, mittels deren 
auch Figuren hervorgebracht werden können, 
s. Donnerbesen. 
Verblenden = verkleiden, bekleiden. 
Verdachung gotischer Gestühle oder Altäre 
S 98. 
Verdoppelung 2, 76,20. 196,43 Verstärkung 
einer Lage, indem eine zweite auf sie ge 
legt ist. 
Verherrlichung Mariä S 150. 
sich verjüngen : (nach oben) dünner werden. 
verjüngen verkleinern. 
„Verkehrte“ Kirchen S 62 s. 339 letzte Zeile. 
Verklärung Jesu S 139. 
verkröpft, -ung s. Kropf. 
Verkündigung S 148. Abb. 1480. 
vermalen: 1) bemalen in anderer Weise als mit 
der ursprünglichen Absicht verbunden war; 
2) durch Be- oder Uebermalen verderben. 
Veronicatuch S 140. 158 Tuch mit dem Abdruck 
von des Erlösers Kopfe, auch kurz für: Dar 
stellung der Passionsscene, wo des Herrn 
Züge auf dem ihm gereichten Schweisstuche 
der hl. Veronica sichtbar werden, 
verputzt 1) mit Putz überzogen; 2) durch Ueber- 
ziehen mit Putz verdorben oder unkenntlich., 
verschneiden eine Oeffnung s. v. a. über 
schneiden. 
versetzen 35, 8. 442, 19. 3, 12: das Anbringen 
(Verlegen) der bearbeiteten Werkstücke an 
ihren Platz. Versetzen der Ecken (eines 
Achtecksäulchens 251, 2) geschieht durch 
Uebereckstellung. 
Verteidigungskirche = Wehrkirche S 54. 
verzopft 66, 22 in der ausschweifenden Weise 
der Zopfzeit umgeändert, 
vexilla 2, 167 Kirchenfahnen. 
Vicar, Vicarie S 82 (vicarius Statthalter 2, 387). 
Die Stiftung von Seelenmessen und überhaupt 
die Ausführung der geistlichen Handlungen 
wäre vielfach unmöglich gewesen, wenn man 
nicht die Einrichtung getroffen hätte, dass 
der Geistliche durch Vertreter unterstützt 
werden konnte. Bei der Stiftung von stets 
zu lesenden Seelenmessen (ewige Messe 2, 252) 
ward es in der Folge üblich, dass der Stifter 
zur Unterhaltung eines Vertreters des Pfarr- 
herrn das für seinen Zweck Nötige auswarf; 
der Vertreter heisst vicarius, die Stelle eine 
Vicarie. Im Gegensatz zu zeitweiligen Ver 
tretern heisst ein solcher, als ständiger Geist 
licher, vic. perpetuus; daher auch die vicaria 
»perpetua*. Natürlich war nicht ausge 
schlossen, dass die Einkünfte von mehreren 
Vicarien vereinigt wurden, oder dass mehrere 
Vicarien Einem, oder auch dem Pfarrer, über-
	        

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