Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein (Bd. 3)

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Wörterbuch, tumultuario opere — Uebergangsstil. 
tumultuario opere 2, 198 in eilfertiger Arbeit. 
tunica 2, 167 das Hemde, Leibgewand. 
Türbeschlag S 118. 
Türfeld Abb. 470 Tympanon; Türbogenfeld; 
— flügel S 74f. 
Türklopfer N. 10. leibung s. Leibung. 
Turm S61/4 (vgl. Dachreiterl). 
Turmbogen, der Bogen, welcher die Westwand 
des Turmes öffnet und so das Tnrmge- 
mach (s. Gemach) mit dem (Mittel-) Schiff 
in Verbindung bringt. — -halle 182,34: 
das Turmgemach, wenn es auch nach den 
Seiten offen ist. — -joch 2, 7, 14 das Joch, 
über welchem sich der Turm erhebt. — 
-kapellen 551, 17 an den Turm angebaute 
Kapellen. 
Turnierköpfe N. 17 Köpfe, die beim »Turnier« 
(einer Art Ringelreiten?) benutzt wurden. 
tuskisch s. toskanisch. 
Tympanon s. Bogenfeld. 
Typus ist das alttestamentliche Vorbild, der 
Antitypus das neutestamentliche Gegenbild 
eines Vorganges; so z. B. Isaaks Opferung 
gegen Jesu Kreuzigung. Oefters setzte man 
dem Antitypus je 2 Typen entgegen. Sehr 
reiche Reihe zu Preetz 2, 169L 
Uber Eck s. Eck. Ueber Eck achteckiger 
Turmhelm S 62. Abb. 831. Viereck 
über Viereck über Eck Abb. 1231. Säulen 
über Eck vor den Ecken einer Kanzel stehend 
Abb. 1098; 1661, aber Gesimse nicht! Her 
men S95. Statuen Abb. 1619. Pilaster 
Abb. 1612. Sockelversetzung über Eck 
(Umsetzung) Abb. 757 ; vgl. dagegen Abb. 
1519. 1643. Aus über Eck liegenden Ziegeln 
bildet sich das deutsche Band (s. Band). 
Ueberfragbuch 2, 499 etwa s. v. a. Lehensbuch. 
Uebergangsstil. Kirchen desselben S 56 f. Der 
Backsteinbau in Wagrien forderte den Ge 
brauch des gespitzten Bogens, dessen Kennt 
nis und Anwendung ein äusseres Zeichen des 
Uebergangsstils ist. Er wendet ihn jedoch 
zunächst nur aus Rücksichten auf die Kon 
struktion an, und es erlebt das Wagrische 
weiterhin noch einen Rückfall in den strengen 
Romanismus (s. genaueres Vizelinskirchen. 
S. 94). Dieser sogenannte romanische Ueber 
gangsstil entwickelte sich früh in Wagrien, 
wo er sich an Bischof Gerolds Namen (seit 
1156) knüpft (s. Lütjenburg) und um 1180 
zu Altenkrempe (ähnlich Eutin) seine schönste 
Blüte treibt. Die Gewölbe sind spitzbogig, 
die Bogen aber rund. Jene erscheinen, 1 Stein 
stark, von oben fast wie Pyramiden, hoch 
ansteigend; Rippen werden nur als Zuschär 
fungen angedeutet, wie schon im Romani 
schen. Doch sind Gewölbe stets noch selten, 
ausser eben in Wagrien. Daher an manchen 
Bauten, wie z. B. zu Eggebeck, Rieseby, die 
ohne Zweifel gleichzeitig sind, gar nichts vor 
kommt, was sie vom eigentlich Romanischen 
unterschiede. 
Nach dem Anfänge des 13. Jahrh. bringt 
eine kräftige, wie es scheint, von Norden 
kommende Strömung (got. Uebergangsstil) 
den Spitzbogen auch als Schmuckform zur 
entschiedenen Geltung und es kommt Leben, 
Bewegung und Entwicklung in die einzelnen, 
seither nach einfacher Ueberlieferung be 
handelten Bau-Glieder, besonders Fenster, 
Portale. Die Gewölbe werden zwar noch 
gewöhnlich in der seitherigen Art behandelt, 
aber man setzt Rippen, am liebsten sogar 
gleich acht, an sie an, und der Gewölbebau 
nimmt überhand. Apsiden werden gespart, 
dafür tritt eine schöne Gliederung der Ost 
wand , gewöhnlich mit Dreierfenstern, ein. 
Im Reinfeldschen bringt man jedoch statt 
dessen aus dem Vieleck gebildete Apsiden 
an. Diese Bauart treibt Blüten in den Haupt- t 
kirchen zu Ripen, Schleswig, Hadersleben, 
Apenrade, Meldorf, Liigumkloster, in breiter 
Ausdehnung in Nordfriesland. Kirchenbauten 
wie zu Brügge, Hansiihn, sind hinter diesem 
Typus zurückgeblieben, verleugnen jedoch in 
Einzelnem seinen Einfluss nicht. 
Die dritte Zeit, welche wir in unserem 
Texte, allgemeinerer Auffassung folgend, 
ebenfalls gewöhnlich als Uebergangsstil be 
zeichnet haben, verdient ebensogut den Na 
men der Frühgotik. Es ist aber der Gotik 
hierlands, wie auch anderswo, äusserst schwer 
gewesen durchzudringen, so früh es auch 
versucht ist. Sie kam früh selbst an, hat 
aber noch lange bei der doch verhältnismässig 
geringen Bau- und Kunstthätigkeit im Lande 
mit den vorhandenen Kräften arbeiten und 
dieselben unter Einbringung einiges Neuen 
und Eigentümlichen gewähren lassen müssen. 
Dieses Neue und Eigentümliche ist eigentlich 
nur der ausgebildete Spitzbogen und der 
noch spitzere Lanzettbogen. Auf diesem 
bestand die Frühgotik. Das Grundprinzip 
der Gotik selbst, die gotische Gewölbkon- 
struktion, tritt dem gegenüber in den Hinter 
grund ; die hohen Zeltgewölbe wurden zwar 
verbannt, aber bisweilen ward nur eben der 
Schein gewahrt, und die Einwölbung fand 
wie seither mit angesetzten Rippen, nicht 
zwischen Rippen statt. Die Sache war auch 
für vernünftige Leute nebensächlich, denn 
man konnte nicht daran denken, der Regel 
nach Strebepfeiler anzubringen in diesem 
Klima und mit diesen Stoffen. Doch besserte 
sich der Verband; diese Frühgotik führte 
auch im Granitmauerwerk eine neue Art ein, 
die von uns Uebergangsstils- oder frlthgotisches 
Mauerwerk genannt wird und die weiter ent 
wickelungsfähig war. 
Wo man dagegen Ziegel hatte, baute 
man, wenns in Einem Gusse gieng (vgl. da 
gegen Kiel Nie.; Lütjenburger Chor), auch 
wol mit Strebepfeilern und von der Ueber 
lieferung unbeengt.
	        

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