Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein (Bd. 3)

Wörterbuch. Taufgrapen—Taufinschriften. 
217 
sei = Erztaufe S 102. kanne S 105.— 
-kirche, eine Kirche, welche das Tauf 
recht hat, also Kirchspielskirche 59,35. 
432, 10. pokal 287: pokalförmige Taufe. 
— -schüssel S 104 f. Abb. 237, so auch 
Taufschale 2, 133, 36. Die Umschriften der 
T. sind nur bisweilen 2U lesen. Gewöhnlich 
bestehen sie in einer sich etwa 5 Mal wieder 
holenden Folge von Buchstaben, die einem 
Spruche entnommen scheinen. 
Taufinschriften (G. G.). 
Diese finden sich sehr selten an Taufsteinen, 
und dann nur eine Angabe des Jahres, z. B. 
246 (1521). Sehr häufig sind sie an Erz 
taufen. Als für die Kunstarchäologie nicht 
von Belang sind im Werke die nachreforma- 
torischen nicht wiedergegeben oder nur unvoll 
ständig, z. B. 265 (1591 goss mich Michel 
Dibler). 451 (inv. = invenit). 2, 198 (Meister 
Melchior Lukas, Glocken- und Grapengiesser 
zu Husum 1589). Die vorreformatorischen In 
schriften sind entweder in lateinischer oder 
mittelniederdeutscher Sprache abgefasst, injenem 
Falle die Sprüche häufig in Versen. Die Schrift 
besteht entweder in gotischen (meist spätg.) 
Majuskeln (frühgotisch 2,491) oder Minus 
keln. Zuweilen findet sich Spiegelschrift, z. B. 
2, 108. 439; einmal sind die Majuskeln kopf 
über gestellt 2, 207. Die Inschriften stehen 
meist am Oberrande des Beckens (der Kumme), 
mitunter in der Mitte (2, 105) oder am Unter 
rande (274), zuweilen um die Reliefs oder 
Rundstücke (Namen), an Spruchbändern der 
Stützgestalten (274) und endlich auch gelegent 
lich am Bodenringe (175). Ihr Inhalt besteht aus 
Jahreszahlen, Sprüchen, welche sich meist auf 
die Taufe und den Glauben beziehen, aus heiligen 
Namen, die gewöhnlich zu den entsprechenden 
bildlichen Darstellungen (Reliefs, Gestalten) 
gehören, ferner aus Anrufungen Christi, Marias, 
der Heiligen, aus Spruchartigem (Weiheangaben, 
Giesserwünschen und -Bemerkungen), seltener 
aus Angaben der Stifter, Kirchgeschworenen 
und Aehnlichem. Einige Inschriften haben diess 
fast alles vereint. Vielfach zeigt sich eine ge 
wisse Uebereinstimmung mit den Glockenin 
schriften ; man vergleiche diese. 
A. Sprüche mit Beziehung auf die Taufe 
und den Glauben. 
1. In mir soll man Kinder zu Christen machen 
(kersten, d. i. taufen). 2, 302/3. 
2. Diese eherne Taufe die haben wir zum 
ewigen Andenken machen lassen, darin 
sollen unsere Kinder zu Christen gemacht 
werden. 69. 
3. Wenn das Kind hierher gerufen wird, dann 
( tum zu lesen) wird es schnell gewaschen 
(getauft); wenn es hier getauft worden ist, 
ist es ganz von Sünde rein. 2, 105. 
4. Wer getauft wird, wird mit diesem hei 
ligen Wasser gewaschen. 120. 
5. Wer getauft wird, wird mit diesem hei 
ligen Wasser gewaschen. Die Welt möge 
dahinsinken und (!) wird als katholisch 
angesehen. 69. Einen rechten Sinn gibt 
das nicht. F. X. Kraus will laudatur statt 
lavatur. Verständlicher wäre was Niemand 
vorschlägt hist. Zeitschr. 1888: Hoc sacro 
fonte lavatur mundus labe, et catholicus 
reputatur, qui baptizatur, d. h.: ln diesem 
heiligen Wasser wird die Welt vom 
Schmutze (von der Sünde) gereinigt, und 
als katholisch wird angesehen der, welcher 
getauft wird. Allein gegen diese Aenderung 
wiegt schwer das Bedenken, dass der offen 
bar vorhandene leoninische Hexameter zer 
stört wird. Vgl. 4. 
6. Wer in mir gewesen ist, der halte die 
Weise (Vorschriften) unsers Herrn, so ver 
mag er sich vor der Hölle zu retten. 
2, 379/80. 
7- Es sei der lebendige Quell wiedergebärendes 
Wasser, reinigender Strahl. 2, 108. 
8. Ich glaube an Gott den allmächtigen 
Schöpfer des Himmels. 2, 207. 
9. Selig wer (= ‘wol’ niederdeutsch) glaubt 
und getötet wird der Welt (= der Welt 
abstirbt). 274. 
10. An mir soll man die Seligkeit setzen. 496. 
B. Heilige Namen, 
meist Umschriften zu den entsprechenden bild 
lichen Darstellungen (Gestalten, Reliefs, 
Rundstücke). 
1. Jesus von Nazareth, König der Juden. 274. 
361/2. 496. 
2. 361/2 (Christoph). 496 (hl. Anna, dann 
10 weibl., 11 männl. Heilige, Kreuz 
gruppennamen, Taufdarstellung Christi, 
Engel). 2, 250 (4 männl. Heilige). 379 80 
(4 weibl. Heilige). Vgl. auch 2, 105. 
207. 379. 
C. Anrufungen Christi , Marias, der Heiligen. 
1. Hilf, Jesu von Nazareth, König der Juden. 
2, 250. 
2. Hilf, Maria. 361/2. 2, 250. 
3. Gegrüsset seist du, Maria, voller Anmut, 
der Herr ist mit dir, gebenedeit ist die 
Frucht deines Leibes. 
a) Unvollständig: 496 (zweimal). 2,361/2. 
b) Vollständig: 2,491. 
4. Hilf, heilige Frau, heilige Anna selbdritt. 
2, 250. 
D. Spruchartiges. 
I. Weiheangaben, mit der Formel: ‘an 
ere’ oder ‘in de ere’, d. i. zu Ehren. 
274 (der heiligen Dreifaltigkeit und des heil. 
Nicolaus, des Patrons dieser Kirche).
	        

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