Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein (Bd. 3)

Wörterbuch, canelliert— Karyatide. 
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nellierung die Besetzung mit solchen Pfeifen 
(halben Rundstäben) stattfindet. 
Kanne. Tauf- S 105 ; Altar- S116. 
Kanone S 136. 
Canonicus , Chorherr , Domherr, Angehöriger 
eines Collegiatstiftes. Reguliert sind die 
Canoniker, wenn sie klösterlich beisammen 
wohnen; im andern Falle saeculares. 
kantig gewundene Leuchterständer s. Säule. 
Kantlisene 12, 26 Lisene an den Kanten 
(Rändern) eines Gebäudes, 
cantoniert ist ein viereckiger Pfeiler, wenn in 
seine Kanten je ein mehr oder weniger voll 
ständiger Rundstab eingeschnitten ist. 
Kanzel S 94—97. Typen: Anglisch Abb. 409. 
Eiderstedtisch Abb. 113. Friesisch zu 254. 
Rendsburger Abb. 157. Sundewitter zu 254. 
Tonderisch zu 2, 560. bühne die Bühne, 
an der die Kanzel angebracht ist, oder 
mit der sie in Verbindung steht 216, 17. 
230, 8. 2, 479, 10. — -gitter S 117. — 
-knauf der an scheinbar freihangenden 
Kanzeln den unteren Abschluss bildende 
Knauf; er fasst gewöhnlich Ranken, die von 
den Ecken ausgehen, zusammen. Abb. 728. 
1313. 1679. — -tür Abb. 452. 
Capelle ist ein gottesdienstliches Gebäude, ohne 
Rücksicht auf seine Grösse, wenn es nicht 
als Kirche (Pfarr-, Dom-, Klosterkirche vgl. 
Chor) bezeichnet werden kann, weil es an 
den Rechten der Pfarrkirche, besonders Tauf 
und Bestattungsrecht, fehlt. Der Vorsteher 
der Capelle heisst als solcher Caplan (s. d.); 
der Pfarrherr, Rector der Pfarrkirche, ist ihm 
übergeordnet. Nach schleswigschem Sprach- 
gebrauche werden öfters wirkliche Kirchen 
auch Capellen genannt, entweder weil sie 
von geringerer Bedeutung oder Grösse sind 
oder weil sie zu einer anderen Kirche in wirk 
lichem oder eingebildetem Abhängigkeitsver 
hältnis stehen oder gestanden haben. Man 
hat auch, als Teile anderer Gebäude, Haus-, 
Schloss- (S 133), Spitalcapellen. Eine Ka 
pelle braucht weder Chor (S 56) noch Turm; 
doch fehlen diese nicht immer. Vgl. Chor. 
In und an den Kirchen nennt man (vgl. 
»Vicarie«) Capellen die mit besonderem 
Altare versehenen, ganz oder teilweis abge 
trennten oder auch angebauten Räume; bilden 
sie, wie in Abb. 1187, eine fortlaufende Reihe, 
so ist das ein Capellenschiff. — Unter 
gegangene Capellen S 53- 
Capitäl (Mz. Capitelle), Knauf, das Glied, wel 
ches den Oberteil einer Säule oder Halbsäule 
bildet; auch an Pfeilern, Hermen, Pilastern 
wird der Abschluss so genannt. Dorisches 
31,37. 150,35; jonisches Abb. zu 466; 
korinthisches Abb. 555; toskanisches s. d.; 
antikisierende schliessen sich den alten an 
Abb. 1228. Würfel- — Abb. 230; Trapez- 
— Abb. 837; Ziegelwürfel Abb. 839 ff.; 
Klauen- — Abb. 276; Kelch- — s. kelch- 
förmig. Knospen s. d. Verzierte — S 80. 
Die platten Seiten des Würfelknaufes sind 
seine Schilde. 
Kapitel, die körperschaftliche Versammlung der 
stimmberechtigten Mitglieder einer geistlichen 
Gesamtheit, insbesondere der Dom - oder 
Stiftsherren an einer Dom- oder Stiftskirche. 
Hamburger Kapitel 123, 26. Schleswiger 
180, 23. 327,3. Hadersleber 352,27. — 
-haus, -saal, der Raum, in dem die K. 
abgehalten werden. 
Kaplan s. Capelle. Seine Wohnung Kaplanei. 
Aus Kaplänen sind oft später zweite Geist 
liche geworden; ihre Stelle heisst oft noch 
Kaplanei, so 214, 7. 
Kappe eines einfachen Kreuzgewölbes: die 4 es 
bildenden durch die 2 Diagonalen ge 
schiedenen dreiseitigen Gewölbfächer. Hat 
das Gewölbe echte Rippen, so sind die Kap 
pen zwischen diese gespannt, und heissen 
auch Gewölbschalen oder Calotten, besonders 
wenn sie sehr dünn und leicht gebildet sind. 
Vgl. busig. 
Kappen für Sänger 521, 11, Kopfbedeckung, so 
hiess insbesondere im 15. und 16. J. die Mütze 
der Geistlichkeit und die Sturmhaube der 
Krieger. 
Kapstuhl 165. 2, 206, eine Lettnerbühne (Sing 
gestühl, Aufenthalt für Sänger? [vgl. Kappe]) 
s. auch Schülerchor. 
Cardinaltugenden s. Haupttugenden. 
caritas s. charitas. 
Karnhaus S64S. v. a. Karner, Beinhaus? 262, 17. 
Karnies S 72 als Gesimsform Abb. 285. 
Kartäuserkloster 2, 156, 10. Es gab im Lande 
nur eines, zu Ahrensböck im jetzigen Fürsten 
tum Lübeck, zwischen Ploen und Lübeck, 
das 1397 gegründet war. 
Cartusche, Zierschild; ein Schild (das Wappen, 
Inschriften u. dergl. enthalten kann), dessen 
Rahmen mannigfach und kunstvoll ausgebildet 
ist, Abb. 292. 1006. 1025. 1057. 1675. In 
der Spät-Ren. ist die C. besonders beliebt, 
und man kann von einem Cartuschestil 
sprechen, in dem das Cartuschenwerk, die 
eigentümliche Gestaltung solcher Rahmen, 
besonders stark hervortritt, Abb. 357 vgl. 
377. Dieser Stil ahmt zunächst, indem das 
einfache Flachornament der Ren. gebogen, 
verbogen, durcheinaudergesteckt, geknüpft, 
vernietet, mit Nägeln, Knöpfen, Nagelköpfen, 
Spangen besetzt, fesselnd und bindend, auch 
umschliessend, mit Figürlichem in Vereinigung 
gebracht wird, zerschnittenem Leder oder 
Metall (Leder-, Metallstil) nach. Das so ent 
standene Ornament wird wieder nachgeahmt 
von der Malerei 134, 31 , auch der Gold 
schmiedekunst in Grab- und Treibarbeit 322, 
26. Bisweilen sind Cartuschen als selbständige 
Gliederungen statt vor einem Grunde ganz 
frei angebracht 401, 7. 
Karyatide 271,4 weibliche bekleidete Statue,
	        

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