Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein (Bd. 3)

Wörterbuch. Gotischer Stil — Griechischer Stil. 
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Das Wesen des gotischen Stils, sein eigen 
tümliches Gewölbesystem, welches den Schub 
auf die Jochecken überträgt und ihn da auf 
nimmt , konnte hier nirgends zum vollen 
Ausdruck kommen, weil jene Verständigkeit, 
die das Wesen des Landes kennzeichnet, es 
nicht zuliess, dass die Rücksichten auf die 
Witterungs- und Stoffverhältnisse in zweite 
Linie gedrängt wurden. Die Mauern sind 
stets dick gemacht worden, Strebebogen hat 
man bloss in Hadersleben angelegt, Strebe 
pfeiler fast nur an manchen der grösseren 
Backsteinbauten. Man zog die Widerlagen 
am liebsten herein und schützte den Bau vor 
Regen und Wind, denen man die Angriffs 
punkte entzog. Die paar Kaffsimse, die man, 
in Folgewidrigkeit, anbrachte, sind denn 
auch fast spurlos verschwunden. Vgl. Fiale, 
Fischblase, Strebebogen, Portale. Der früh- 
gotische Stil im 13. Jahrh., welchem eine 
Menge von Klosterkirchen gehörten, ausser 
dem als Frühestes die Anlagen der Kirchen 
zu Neustadt, Cismar und des Chores zu Lüt- 
jenburg, sowie des Schiffes zu Burg a. F., 
was alles man auch als dem Uebergangsstil 
nahestehend diesem zurechnen könnte, hat 
zugleich die Klosterkirche zu Kiel, dieser 
ganz nahestehend die zu Preetz, den Chor 
zu Schleswig, die Kirchen St. Marien zu 
Rendsburg und Flensburg und die zu Peters 
dorf als streng gotische Werke erzeugt. Damit 
war das Bedürfnis erfüllt und man liess sich 
genügen; am Ausgang trieb die frühere Gotik 
in ihrer Vollendung zur Hochgotik als köst 
liche Blüte den Ausbau von St. Franziskus 
zu Neustadt. Diese Kirche mag z. T. dem 
14. Jahrh. zufallen, welches neben der schönen j 
Leistung zu Bordesholm sonst schon eine j 
bedenkliche Nüchternheit und ein Zurück 
fallen ins Rohe zeigt, aber auch gar zu wenig 
Gelegenheit hat, sich an besseren Aufgaben 
zu bethätigen (Eckernförde, drei Kirchen zu 
Flensburg). Das Bedürfnis der Spätgotik 
nach Luft und Licht, freiem Raum, leichter 
Bewegung dringt zuerst durch in den Um 
bauten von Kiel St. Nicolai und Landkirchen. 
Als spätgotisch bezeichnet man die Zeit 
des 15. Jahrh. bis zu Ende. Es sind aber 
davon keine Bauwerke von Belang übrig, 
vielleicht haben solche nie bestanden. Die 
Zahl der Ausbauten des Vorhandenen ist um 
so bedeutender. Den Schluss bezeichnet man 
als spätestgotisch. Ueber den Ausgang 
der Plastik dieser Zeit vgl. 427. Die Archi 
tekturglieder wurden zuletzt formlos (zopfig), 
naturalistisch, an das Erstorbenste, blattlose 
Aeste, sich anschliessend als spätestgoti- 
schesAstwerk(s.d.) Doch lebten gotische 
oder vielmehr gotisierende Architekturformen 
(»nachgotisch«) im 16. und 17. Jahrh. hie 
und da, später finden sie sich wol nur als 
absichtlich festgehaltene Richtung; in der 
Tischlerarbeit wirkten sie, vermischt mit den 
Elementen der Ren. (S 58. 94), bis gegen 
das letzte Viertel des 16. Jahrh., wo die 
Renaissance von den Frühformen gänzlich 
zur Hochrenaissance übergegangen war. Die 
Metallarbeit, besonders die grobe und edle 
Schmiedekunst, hielt mit besonderer Zähig 
keit bis tief ins 17. Jahrh. am Alten fest. 
Was im 19. Jahrh. noch geschaffen ist, ver 
dient bis auf manche Arbeiten der neuesten 
Zeit, welche den Geist der alten Gotik atmen, 
nur die Bezeichnung als gotisierend, d. h. 
dem Gotischen nachahmend oder sich in 
einzelnen Zügen desselben erinnernd. — Vgl. 
Landgotik. Steckengotik. 
Gotländer Kalk, — Stein, — Marmor S 68. 
Gott S 138. 
Gottesurteil 2, 17,12. 
Grabarbeit, Gravierarbeit, die Behandlung von 
Flächen, besonders der Metalle, in der Weise, 
dass eine Zeichnung in Linien eingegraben 
wird. — -besuch S 146. — -gewölbe, 
-kampern S 126. — -fahne 385, Fahne, 
welche bei Gelegenheit eines Begräbnisses 
hergestellt und zum Gedächtnis am Grab 
mal aufgehängt wird. — -kapelle s. v. 
a. Gruft. Die jetzigen Grüfte sind sehr oft 
früher Kapellen gewesen, vgl. 2, 293, 21. — 
-kreuze S 129. — -legung S 146. — 
-mal s. Epitaph S 127—9. platte S127 f. 
— -scheit S 126. — -stein S 127. 
gradläufig S 64 ist eine Treppe, wenn sie die 
Richtung nicht ändert. Abb. 1001. 
Gradschenkelbogen, -liger Bogen Abb. 865. — 
-fries s. v. a. Winkelfries S 72. 
Granatapfel 372, 3 als Ornamentmotiv besonders 
in der Weberei und der Metallarbeit 246, 31 
(Abb. 763) beliebt. Der G. soll Sinnbild sein 
von Christi bittrer Todesnot und der Gnaden 
früchte, die seinen Wunden entquellen. 
Granit s. Feldstein. — -gewölbe S 77. — 
-kirchen S 57. 65 f. 59. 70. — -Tauf 
stein S ioof. Grabsteine S 127. 
Grapen, Metallgefäss, gewöhnlich aus Grapengut 
oder Grapenspeise (Bronze, Erz) gefertigt. 
Taufgr. s. v. a. Taufkessel. — -geter, fusor 
ollarum: Grapengiesser. Vgl. Rotgiesser. 
Grat, Gratgewölbe s. geschärft. 
Graues Kloster, gr. Mönche, Brüder s. Franzis 
kaner S 81. 
Gravierarbeit s. Grabarbeit. 
Gregors Messe S 147. 155. 
Greif S 160. 
Griechisches Kreuz: Kreuz mit vier gleichlangen 
Armen 402, 36. 
Griechischer Stil 382, 37. 385, 19. 2, 107, 31. 
314, 6. Die Wiederbelebung des Gr. Stils, 
richtiger die versuchte Wiederaufkitzelung 
des entschlafenen und Ausstopfung seiner 
entseelten Hülle, von der sich die Bieder 
meierei seit dem zweiten Viertel des 19. Jahrh.
	        

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