Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein (Bd. 2)

Kr. Oldenburg. I. Cismar. T 7 
bricht sich im Vorüberziehn eine Baumfrucht ab. Darüber: 1) im Wimperge 
der Adler, der ein Junges zur Sonne trägt, eins fallen lässt; darunter Abels 
Ermordung; darunter Taufe im Jordan (Fig. 851). 2) Maria liebkost ein Ein 
horn ; Abraham und Melchisedek; Christus vor Herodes. 3) Kreuzlamm; 
Kreuzgruppe; Geisselung. 4) Der Löwe brüllt über seinen Jungen; die Kupfer 
schlange; Kreuztragung. 5) Der Pelikan und seine Jungen; Isaaks Opferung; 
Christi Auferstehung. — In den Seitenwänden: Stephan und Laurentius, Georg 
und Gereon?, und wol die 4 Märtyrinnen, darunter Agnes kenntlich. In den 
Wimpergen der Flügel sind die Evangelistenzeichen und 2 Engel. Aus der 
zerstörten Unterreihe sind Teile in Lücken der oberen gesetzt; denn die Reihen 
folge ist gestört. Im linken ist Johannis Ev. Legende dargestellt, dabei ein 
Gottesurteil mit glühendem Eisen, und Mariä Tod (Fig. 852); zur Rechten 
St. Benedikts Geschichte (Fig. 853). Auch dessen Tod kam vor. — Von Be 
malung des Grundes ist, unter dem jetzigen Braun, nur die Menniggrundierung 
des Goldes zu finden, und vielfach eine blaue Farbe. Alle jetzige Farbe ist 
Oelfarbe, ausser der ziemlich mässigen Vergoldung. 
* Die Flügelaussenbilder (Beschr. Arendt 389. 393) waren »vorzüglich, die 
schönste Leistung am Altar, mit den getriebenen Arbeiten an der Altartafel der 
Markuskirche in Venedig zu vergleichen, ganz im Geschmack der Byzantiner. 
■ Mitten, in einem Kreise: Christus und Maria sitzend, jener hebt segnend die 
Hand, in der anderen hält er ein Buch, diese, den Lilienstab in Händen, hört 
aufmerksam und achtungsvoll zu. In den Ecken des den Kreis einschliessenden 
Quadrats die Evangelistenzeichen; der Adler mit einer Rolle: Jtt {trhtUjttü u. s. w. 
in Minuskeln. Zu den Füssen beten 2 Mönche, Rollen haltend, klein dargestellt. 
Rechts und links zeigt der freigebliebene Raum die Apostel in 2 Reihen unter 
Bogen (nach den Spuren muss noch eine 3. Abteilung darüber gewesen sein). 
Alle Figuren golden auf blauem Grunde, Falten und Schatten in braunen 
Strichen, das Fleisch bemalt, die Gesichter schön.« 
Eine Altarplatte mit 5 Kreuzen liegt an der Türe im Boden. 
* 2 Reliquienarme, je 0,60 hoch, bemalt, vergoldet und versilbert, 
der eine mit einem Behältnis in der Hand, der andere mit 14 solchen im Unter 
satz. Man verehrte (Finke 169) besonders das in einem silbernen Brustbilde 
des Erlösers aufbewahrte heilige Blut. 
Kleiner Kelch mit Sechseckfuss und acht runden Röteln, an welchen 
ÜjESUS und noch 2 willkürliche Zeichen zu sehen sind. — 2 hübsch ge 
triebene Messingblechvasen 1730. * 
* Glocke mittlerer Grösse mit 4 Wappen und der Inschrift 0 rex 
glorie: veni: cvm :face: amen: in schönen wenig erhabenen Majuskeln. 
Von einem schönen Ren.-Gestühl, Anf. des r7> J., sind zwei Abteilungen, 
auf gut gezierter Empore, mit von je 4 Stützen getragener Felderdecke, geziert 
mit Eierstäben, Zahnschnitten, Löwenköpfen erhalten. Die hübsche Tür ist 
hinter die Orgel vernagelt, bei deren Aufstellung vieles zerstört ist. 
Haupt, Baudenkmäler d. Prov. Schl.-Holstein. II. 
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