Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein (Bd. 2)

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Kr. Oldenburg. I. Cismar. 
Maria, Johannes Ev. und Benedict zeigen, darüber ins Achteck, und dann wieder 
ins Viereck übergehen. Der Altar gehört (Münzenb.) nach seiner architekto 
nischen Anlage zu den vornehmsten Deutschlands. — Das prächtige Stabwerk 
der Scheidewände ist rund profiliert, und zerfällt in Geschosse mit je 4 Pfosten 
ohne Knäufe; an den Stirnen stehn 2 schlanke Säulchen, deren unteres das 
obere, sockellose, unmittelbar trägt; ihre Knäufe zieren dicke Ahornblätter. 
Ueber ihnen erhoben sich Fialen. Die Wimperge waren einst alle an den Kanten 
mit schönem ungemein ausgebildetem Ahornblattwerk besetzt. Sie sind undurch 
brochen. Unter ihnen 
schliessen freie breite 
runde, mit Nasen ver 
sehene Bogen die Felder 
ab. Ganz entsprechend, 
auch mit Wimpergen, 
sind die flachen Flügel 
eingeteilt und gestaltet. 
— In jedem Wimperg 
ist ein Kreis, der ein 
Symbol enthält; in jeder 
der 3 Abteilungen eine 
etwa quadratische Dar 
stellung, in der oberen, 
unter der Pultdach 
schräge , die Vorbilder 
(doch mitten die Kreu 
zigung) , darunter die 
Gegenbilder; in der Unterreihe Mariä Leben. Die Seitenbretter zeigen oben 
einen rauchfassschwingenden Engel, darunter 2 mal 2 Heilige. Die Flügel 
haben die Unterreihe verloren (1826), doch sind noch Umrisse kenntlich. Einiges 
ist aus der Unterreihe hinaufgesetzt. Das kunstvolle Schloss in der Mittel 
scheidewand ist bei Gelegenheit der Restauration verschwunden, so auch die 
vortrefflichen Bilder der Aussenseite. Von diesen sind schwache Spuren unter 
dem braunen Anstriche, welcher auch die Gründe, selbst fast alle Heiligen 
scheine, deckt. 
Die 3 Statuen des Oberbaues sind gut, nur ist die Gewandung etwas zu 
reich, fast kleinlich, behandelt. Uebrigens ist besonders Maria ein treffliches 
Stück. Das Kind ist klein, ganz bekleidet, bewegt. Bei den Reliefs finden wir 
an Figuren im Hintergrund stets nur den Oberkörper ausgeführt. Die Gewan 
dung ist vergoldet, das Fleisch bemalt. Dargestellte Altäre zeigen stets die 
Gestalt der säulengetragenen Platte. Christus hat den Kreuznimbus. — Der Auf 
bau ist musterhaft, die Darstellungen grossenteils trefflich in den Raum gepasst; 
sie sind oft erhaben, lebendig, kraftvoll, und viele Bewegungen zeugen von 
scharfer Naturbeobachtung. Die Gewandung ist gerne noch gefältelt, zeigt sich 
aber oft auch frei und schwungvoll. Inmitten des Altares ist, in der Dar- 
Fig. 850. Kapitelle im östlichen Teile.
	        

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