Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein (Bd. 1)

6o 
Kr . Norder - Ditmarschen . Ditmarschens Landesverteidigung . 
Dagegen war die Ditmarscher Geest gegen Osten fast überall von Bächen , Niederungen und Mooren umgeben und hing nur mittelst eines schmalen streifens mit dem Mittelrücken der Halbinsel ( Alt - Holstein ) zusammen . Hier war die einzige alte Landstrasse , welche beide Länder verband ; dieselbe gieng vorüber an dem holsteinischen Grenzschloss Hanerau und folgte dann dem zigen Passweg , welcher zwischen den Quellen der Giselau und der Holstenau die Ditmarscher Grenze überschreitet . Längs der Grenze breitete sich ein mächtiger Waldbestand aus , der Riesewohld , wovon jetzt nur der Name und geringe Restbestände übrig sind , der aber vormals etwa die heutigen spiele Albersdorf und Nord - Hastedt bedeckt haben mag . Freilich war es kein unberührter Urwald , denn gerade hier finden sich zahlreiche Gräber schon aus der Stein - und Bronze - Periode ; aber Herkommen und Gesetz schützten die Grenzwaldung , welche ( der Sage nach ) als heilig galt , vor unbedachter und mutwilliger Zerstörung . So war Ditmarschen nach der holsteinischen Seite hin durch natürliche Verhältnisse wolbewahrt und abgeschlossen ; umsomehr muss es uns in Erstaunen setzen , welch ein ungeheures Aufgebot von Arbeitskräften schon in der Urzeit für die Landesverteidigung , insbesondere für die Erbauung und Unterhaltung der Bauernburgen , Landwehren und Bohlbrücken aufgewandt wurde1 ) . Wir müssen hier jedoch von den Einzelheiten absehen , deren denken zum Teil nur noch in Orts - und Flurnamen fortlebt , und nur die tigsten Punkte hervorheben . 
Gleich an der Giselau ist , dem holsteinischen Wallberge Kukswall über , eine alte Wallinie bei Wennbüttel . Wo der Grenzwald im Süden zu Ende gieng , ziehen sich drei parallel laufende Befestigungslinien ( Laufgräben ) vom 
Frestedter Moor bis zur Au südlich von Quickborn . Auf dem zuge oberhalb des Kirchdorfes Burg steht der grossartige Ringwall der Bökelnburg , schon um das Jahr 1032 eine berühmte und sichere stätte . ( Die nebenstehende Ansicht ist nach einer im ersten Drittel dieses Jahrhunderts von dem »holsteinischen Touristen« Mars ton angefertigten Zeichnung . ) Beim Dorfe Kuden liegt mitten in der moorigen Niederung der Walburgsau die sogenannte Dak - wiese , die in Kriegszeiten als Versteck und Zufluchtsort gedient zu haben scheint . Vom Kudensee gieng früher der sogenannte Holstengraben bis in die Elbe und bildete die Grenze gegen die holsteinische Wilstermarsch ; die Grenzhecke heisst noch das Holstenreck . 
Fig . 83 . Bökelnburg . 
» ) S . den Aufsatz : »Vorgeschichtliches Burgwerk und Brückenwerk in Dithmarschen« von H . Handelmann ( Verhandlungen der Berliner anthropologischen 'Gesellschaft 1883 , S . 18 - 33 ) .
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.