Full text: Lebenserinnerungen von Christoph Heinrich Pfaff, Doctor der Philosophie und Medicin ...

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sich in einem Salon , die Sache solle streng untersucht werden , wenn auch ein Orden dabei in Gefahr komme . 
Die Freunde sahen das unvermeidliche Loos Koch's voraus , als gemeiner Soldat nach der Festung Asperg abgeführt zu werden . Es wurden daher alle Anstalten zu seiner Befreiung getroffen . Er wurde vorsichtig aufgefordert , sich an gebundenen Betttüchern aus dem Carcersenster herabzulassen , welches auch gelang , worauf er in den Chevalier - Saal gebracht und den ganzen folgenden Tag unter meiner Bettdecke verborgen gehalten wurde . In der darauf folgenden Nacht geleitete ich ihn über die Gartenmauer zu unserm gemeinschaftlichen Freunde Ja - ger , meinem nachherigen Schwager , der ihn noch ein oder zwei Tage in Verborgenheit bei sich behielt , um in dieser Zwischen - zeit den Verfolgern zu entgehen , die ihm nachsetzten . 
So gelang seine Flucht nach Basel , wo er sich wie in der übrigen Schweiz einige Jahre aufhielt und die treffliche Gelegen - heit zur Ausbildung seines großen Talents für Landschaftsmalerei benutzte . Von der Schweiz wanderte er dann nach Italien , wo ich ihn , wie ich spater noch bemerken werde , im Jahre 1795 an - traf . Von dem politischen Club , den wir damals gestiftet , habe ich nur noch eine dunkele Erinnerung . Wir versammelten uns , um jeder Belauschung zu entgehen , in dem Local , in welchem die Künstler nach lebenden Modellen zeichneten . Wir führten ein ordentliches Protocoll über unsere Sitzungen , leiteten * auch durch einen unserer Freude , Namens Roes , der in französische Dienste getreten war , eine Korrespondenz mit dem Straßburger Club ein . Aus der Korrespondenz des Freiherrn von Marschall , der inzwischen aus der Academie ausgetreten war , und als Ca - valier des Herzogs von Nassau zu Biberich sich befand , könnte man einigermaßen ersehen , welche träumerische , kosmopolitische und auf Befreiung und Veredelung der Menschheit gerichtete Zwecke wir verfolgten . Aehnliche politische Verbindungen von Studi - renden auf deutschen Universitäten sind später mit den härtesten Strafen heimgesucht worden , viele derselben mußten Jahrelang im Gefängniß Köpenik schmachten , und der Zutritt zu öffentlichen Staats - und Lehrämtern , selbst nur als Privat - Docenten auf Universitäten wurde ihnen für die Zukunft abgeschnitten . Der
	        
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