Full text: Lebenserinnerungen von Christoph Heinrich Pfaff, Doctor der Philosophie und Medicin ...

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daß ich es mir aneignete . Der kleine Diebstahl , denn als ein solcher konnte er wohl angesehen werden , kam auch zur Kenntniß Weines Vaters und anstatt mich auf frischer That durch eine eindringliche Ermahnung auch auf thatsächliche Weise von weinem Unrecht zu überzeugen , hoffte er durch eine strenge und öffentliche Bestrafung durch die Ruthe vor allen Hausgenossen , und zwar nach einem für mich ängstigenden Zwischenraum eines Tages , ungebeugt durch die Fürbitte der Hausgenossen , einen diesen und heilsamen Eindruck auf mich zu machen . Die wohl gute Absicht verfehlte aber grade ihre Wirkung ; denn die mir zu hart und entehrend scheinende Strafe hinterließ längere Zeit nur Er - Witterung in mir , und war nicht geeignet , mich in späterer 3eit gegen den Kommunismus zu schützen , gegen den ich durch andere Motive denn Gottlob bewahrt geblieben bin ! 
Ich gehe nun zu einer neuen Epoche meines früheren Gebens über , meiner Aufnahme in die Carls - Academie . Die hübschen Uniformen der Eleven , die nach ihren Abtheilungen spazieren geführt wurden , hatten mich immer sehr angezogen . Einen Uoch tieferen Eindruck machte es auf mich , wenn ich sah , wie dieselben auf einen für einen solchen Zweck eingerichteten offenen Wagen , in welchem der Herzog mit seiner Franziska fuhr , in Masse mit aufgenommen wurden und wie kleine Favorit - Hunde dutzendweise hinten und vorne aussaßen . Ich nahm auch öfters die Gelegenheit wahr , mich auf solchen Spaziergängen an meinen »weiten Bruder , den Hallenser , zu welchem ich frühe eine vor - herrschende Neigung fühlte , anzuschließen und wurde auf diese Wesse schon mit den Carls - Schülern vertraut . Um so größer 
nun meine Freude , als ich von der Nachricht überrascht wurde , daß der Herzog Carl zu meinen drei älteren Brüdern , die sich bereits in seiner Academie befanden , noch einen vierten aufzunehmen geruht , und daß mein Bater mit Uebergehung Weines älteren Bruders Christian , nach meiner schon früher be - äugten Lust , mich gewählt habe . 
Dieser Tag der Freude wird nie aus meiner Erinnerung weichen ; das Mittagsessen wurde darüber vergessen und der Tag des Eintrittes mit Ungeduld ersehnt . Zu meiner kindisch - kind - lichen Freude mochte auch wohl der Umstand beigetragen haben , 
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