Full text: Lebenserinnerungen von Christoph Heinrich Pfaff, Doctor der Philosophie und Medicin ...

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Was die praktische Laufbahn anlangt , so ist wohl niemand mit glücklichern Vorbedeutungen in dieselbe eingetreten , als Ihr Herr Sohn es in unsern Gegenden ist . Hensler's Freundschaft und die Bekanntschaft vieler angesehener und wohlhabender Familien sichern ihm , besonders bei der Bescheidenheit seiner An - sprüche , nicht allein jetzt schon bei einer sehr wenig mühsamen Praxis ein anständiges , sondern mit der Zeit auch ein ansehnliches Auskommen , womit schwerlich die Aussichten in Ihren Gegenden sich würden vergleichen lassen . 
Darf ich mich selbst bei dieser Gelegenheit nennen , so mache ich mich willig anheischig , bis Ihr Herr Sohn eine Besoldung erhält , ihm eben dasselbe jährlich für feine Bemühungen in mei - nem Hause zu versichern , was ihm als Bergrath versprochen wird . 
Nun fühle ich zwar wohl , wie viel Reizendes nnd Ueber - wiegendes in der Wagschale der Gründe die Rückkehr in's Vater - land , die Vereinigung mit einer geliebten Familie , einem zärtlich verehrten Vater haben . Ich begreife , daß sich sogar ein Gedanke der Pflicht , die keine Wahl verstattet , damit vereinigen läßt , und diesen kann ich , insofern sie alles überwiegen , nichts entgegen setzen . Dennoch scheint mir auch etwas Unangenehmes in dem Gedanken zu liegen , ohne sehr starke Bewegungsgründe einen Platz , den man gewissermaßen gewünscht und gesucht hat und zu dem man mit der ehrenvollsten Bereitwilligkeit berufen worden ist , so schnell wieder zu verlassen . Und , wenn es mir erlaubt ist , auch das anzuführen , die neue Bestimmung , die Ew . Wohl - gebohren Ihrem Herrn Sohn geben wollen , macht sie nicht wissermaßen alle seine bisherigen mir so vielem Erfolg fortge - setzten Bemühungen in seinem Hauptsache fruchtlos , tilgt als unnütz die darauf verwandten Jahre aus dem Leben hinweg ? Ich bin nicht berechtigt mehr zu sagen , vielmehr bedarf es sogar Ihrer ganzen Nachsicht , um das Gesagte mir zu gut zu halten . 
Aber wenn es mir erlaubt wäre , einen Rath zu äußern , so würde es der sein , von der Gelegenheit Gebrauch zu machen , um unserer Regierung die Hoffnung zu geben oder zu lassen , Ihren Herrn Sohn nicht bloß auf kurze Zeit für sich gewonnen zu haben , und ihr ein freiwilliges Opfer des geschehenen Antrags u bringen . — .
	        

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