Full text: Lebenserinnerungen von Christoph Heinrich Pfaff, Doctor der Philosophie und Medicin ...

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wandte sich ohne Pfaffs Wissen sein Gönner , Graf Fr . Reventlow , mit dem Pfaff 1795—1797 als Arzt eine Reise nach Italien gemacht hatte , an den Vater unsers Pfaff , und suchte den Letztern der Kieler Universität zu er - halten . Vergl . 112—114 . 
VZohlgebohrner 
Hochgeehrter Herr Hofrath ! 
Ihr Herr Sohn hat die Güte gehabt , mir einen Brief von Ihnen mitzutheilen , worin Sie ihn von einer neuen Lausbahn , die sich in seinem Vaterlande eröffnet , benachrichtigen , und ihn auffordern , dieselbe aufs Baldigste zu ergreifen , die Schritte , welche Ew . Wohlgebohren in dieser Hinsicht gemacht haben , und wozu Ihr Herr Sohn Ihnen selbst die Veranlassung scheinlich gegeben , lassen mir wenig Hoffnung übrig , unsern Verlust abzuwenden und in Ihren Absichten eine günstige änderung zu bewirken . Da indessen die Hauptabsicht , das Wohlergehen Ihres Herrn Sohnes , Ew . Wohlgebohren und mir gemein sind , so kann ich mich nicht erwehren , gleichsam im letzten entscheidenden Augenblick Ihrer Wahl , Ihnen noch einige von allen mir selbst persönlichen Rücksichten unabhängige Vorstellungen zu machen . 
Ich rechne dabei auf die mir , dem Unbekannten , mehrmals und auch jetzt bezeugten gütigen und schmeichelhaften Gesinnungen . 
Ihr Herr Sohn hat , ich fürchte es , vielleicht aus zu großer Bescheidenheit , die Lage , worin er sich hier befindet , nicht ganz richtig beurtheilt . Er hat die Schwierigkeiten eines ersten An - sangs sich zu groß vorgestellt und erwartet zu wenig Belohnung seiner Bemühungen und zu wenig Nutzen von denselben bei den Mängeln , die allerdings in Kiel auffallend sind und bei der ge - ringen Zahl der Schüler in seinem Fache . Mich dünkt , er er - wäge nicht genug , daß ihm in Kiel oer doppelte Beruf des Lehrers der Academie und des praktischen Arztes offen stehe , daß die Mängel der Academie gewissermaßen die letzte Bestim - mung möglich niachen , ohne die Pflichten der ersten zu versäumen . Er ist zwar jetzt ohne Besoldung angesetzt , aber in der Lage , worin er sich befindet , kann ihm eine solche nicht entstehen . - Die geringste Besoldung wird wenigstens sogleich den Anerbie - tungen in seinem Vaterlandc gleichkommen .
	        

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