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Theuerste ist , ich könnte mir manche andere Lage denken , die meine selbst genügsamen Wünsche noch besser befriedigen würde , aber ich denke immer , zu dieser ist es noch nicht Zeit , sie wird auch kommen , wenn die ewige Vorsehung es will , und die gegenwärtige verschafft mir eine gute Borbereitung zur künftigen , wenn ich nur mit Eifer und Treue die Vortheile derselben be - nutzen will . Wir leben nun in Pisa schon drey Wochen ein stilles eingezogenes Leben . Der Graf und die Gräsin sind zu kränklich , und lieben die Ruhe zu sehr , u>n Bekanntschaften zu suchen . Da die Gräfin das Fahren nicht vertragen kanu , und das Wetter im Durchschnitt schlecht ist , so ist sie bisher noch nicht ausgegangen . Ich habe auch noch nie einen großen Spaziergang gemacht , der mich eigentlich erquickt hätte . Die Gegend umher ist zwar sehr angebaut , aber nichts weniger als schön und roman - tisch ; man entbehrt die Haine , die schönen schattigen Bäume , die lachenden Wiesen , höchstens der Oelbaum ist zu finden in dieser Gegend . Wie viel höheren Reiz hat ein Würtembergisches Alpthal ! Die Stadt selbst ist ziemlich uninteressant , hat keine Kunstmerkwürdigkeiten , die schlechte Komödie hat mich noch nie angelockt , ich führe eigentlich das Leben eines Klausners . Den ganzen Vormittag arbeite ich , eine Stunde ist dem Unterricht in der Naturgeschichte für die liebenswürdige junge Pflegetochter der Gräfin , eine Gräfin Holck , gewidmet , an welchem die Gräfin selbst Theil nimmt , und eine halbe Stunde lesx ich dann mit ihr in einem interessanten alten Schriftsteller , gegenwärtig in der englischen Uebersetzung von Zenophon . Um zwey Uhr speisen wir , und dann bringen wir den Nachmittag und Abend meistens mit einander zu in Gespräch und Lectüre . Dies machr mich sehr glücklich , und erregt manche fromme Wünsche . In acht Tagen reisen wir nach Rom , dort wird wieder ein anderes Leben anfangen , da wir die Merkwürdigkeiten von Rom gehörig zu genießen im Sinn haben . — . Lebe noch einmal wohl und liebe immer Deinen treuen
zärtlichen Bruder
C . H . Pfaff .

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