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weil es mir immer eine wahre Freude macht , mich mit Dir zu unterhalten . Deine Phantasie hat in Deinen Briefen sich recht bemüht , mich und meine Lage mit schönen Farben zu malen . Wie stark glaubst Du in mir die Gewalt der Grundsätze und einer besseren Ueberzeugung , daß Du mich frey und unabhängig im edelsten und höchsten Sinn des Worts nennst . Wie oft fühle ich die Ketten , welche die ganze Menschheit fesseln , und von Venen sich kaum der Weiseste ganz losreißen kann . Und wie viel fehlt mir noch zum Weisen ! Du glaubst , ich werde in meiner jetzigen Lage nie wahrhaft bittere unangenehme Gefühle haben ! Wenn auch die Menschen um mich her , wenn meine theuren Reisende sie mir nicht erregen , so ist doch so oft die Quelle der - selben in meiner eigenen Brust . Jeder tiefere Blick in mich selbst enthüllt mir meine Schwächen , Mängel , die niich oft be - trüben und in Trauer stürzen . Meine liebe Luise , male Dir meine Lage nicht so zauberisch . Gern will ich Dir zügeben , daß sie viel Angenehmes , viele gute und schöne Seiten hat , daß sie Vorzüge vor der Lage so Vieler hat , die es besser verdienten , als ich . Der ruhige Genuß von Freuden , die für jeden Menschen überall und unter allen Umständen blühen , und die er nur mit unbefangenem Blicke aufsuchen , mit reinem Herzen erfassen muß , macht das Leben erst recht glücklich - Solches Glück hat man nicht nöthig , in fernen Landen , unter einem besseren Himmels - strich , im Tempel der schönen Kunst aufzusuchen . Wer es nicht in seiner Heimath , im Hain , der überall schattet , im Cirkel besserer , verbrüderter Menschen , in einem zweckmäßigen Wirkungs - kreis findet , der wird es nirgends finden . Glaube mir , daß ich oft mitten im angenehmsten Genuß der Kunst , im Umgang mit berühmten Gelehrten , im lebendigen Gewühl prächtiger Städte mich nach der stillen häuslichen Einsamkeit , die mir ein Land - städtchen gewähren könnte , sehne , daß ich mich sehne nach dem ruhigen Genuß der Schönheiten der Natur , die sie auf die vaterländischen Fluren verstreut . Der Anblick schöner Gemälde , herrlicher Statuen und anderer kostbarer Kunstwerke spannt zu sehr an . Die Naturschönheiten sind wie das tägliche Brod , es schmeckt immer . Was hast Du gedacht , liebste Luise , wenn Du schreibst , daß ich mir meinen Umgang nach Belieben wählen ,

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